Städtbauliche und demografische Entwicklung der Korbacher Altstadt

Der nächste Abriß ist durchgeführt: das Haus Enser Straße 3 ist im Februar 2016 verschwunden.
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Nachfolgend soll der Versuch unternommen werden, die städtebauliche und demografische Entwicklung der Altstadt von Korbach vom Mittelalter bis in die Gegenwart zu skizzieren und anhand bislang in der Literatur wenig beachteten Quellen neu zu bewerten.

Entwicklung der Einwohnerzahlen

Über die Einwohnerentwicklung im Hochmittelalter ist nichts bekannt. Eine Urkunde aus dem Jahr 1018 erwähnt "ein gewisses Gut, das Curbiki genannt wird, mit 16 Familien und einer Mühle".[1] Vorausgesetzt, mit Curbiki ist hier Korbach und nicht Körbeke bei Warburg gemeint,[2] ergäbe sich für das frühe 11. Jahrhundert somit eine Einwohnerzahl von nur etwa 100 Personen. In den folgenden 170 Jahren müßte daher eine schnelle Entwicklung der Siedlung stattgefunden haben, da ihr schon 1188 das Soester Stadtrecht verliehen wird. Es wird jedoch angenommen, daß eine erste Stadtrechtsverleihung bereits Ende des 11. Jahrhunderts stattgefunden hat, da der Überlieferung nach Korbach im Jahr 1073 "als Stadt gebaut worden" sein soll, d.h. mit einer Stadtbefestigung umgeben wurde.[3] Bereits Ende des 12. Jahrhunderts war der 10,4 Hektar große Bereich der Altstadt im engeren Sinne zwischen Katthagen im Süden, Violinenstraße im Westen, Grabenstraße im Osten und Professor-Kümmell-Straße im Norden offenbar vollständig bebaut, so daß um 1200 planmäßig die Unterneustadt - umfassend das Hufeisen Unterstraße, untere Kirchstraße, Hinter dem Kloster - gegründet und wenige Jahrzehnte später die Oberneustadt zwischen oberer Kirchstraße, Ascher und Sack gegründet wurde. Ober- und Unterneustadt umfassen noch einmal 11,2 Hektar. Ende des 14. Jahrhunderts dürfte die somit die gesamte heutige Altstadtfläche innerhalb des Innenmauerrings von 21,6 Hektar - mit Ausnahme der heute direkt an die Innenmauer grenzenden Gebäude - bebaut gewesen sein.

Aus dem Bestand von 547 Häusern vor dem Dreißigjährigen Krieg wird eine Einwohnerzahl von ca. 2.600 Personen gefolgert.[4] Dies entspräche jedoch nur einem Durchschnitt von weniger als fünf Bewohnern je Wohngebäude. Weshalb drei- bis viergeschossige Bürgerhäuser mit Grundflächen von zum Teil 130 bis 200 m² (mithin bis zu 600 m² Wohnfläche) lediglich fünf Personen - Familien einschließlich Gesinde und anderen Beiwohnern - beherbergt haben sollen, erscheint wenig plausibel. Selbst die kleineren Ackerbürgerhäuser dürften im Hinblick auf den Wert eines Wohnhauses in einer mittelalterlichen Stadt nicht von lediglich 2-3 Personen bewohnt worden sein. Vielmehr geht aus dem "Verzeichnis der Brandgeschädigten von 1664" hervor, daß viele Häuser von 6-9 Personen bewohnt waren. In Ansehung des Fassungsvermögens der beiden Kirchen und der Stärke der Wehranlagen wie auch im Hinblick auf die wahrscheinliche Größe der einzelnen Häuser erscheint diese Einwohnerzahl unterschätzt. Zudem ist fraglich, ob lediglich 2.600 Einwohner - einschließlich Kinder, Greise und Gesinde - wirtschaftlich in der Lage gewesen wären, die großen Wehranlagen und Kirchen zu errichten, zu erhalten und zu verteidigen. Medding (Anm. 4) hat die Zahl von 2.600 Einwohnern vielleicht wie folgt ermittelt. Vor dem Dreißigjährigen Krieg soll die Stadt 560 Familien beherbergt haben. Je Familie setzte Medding mithin 4,64 Personen an. Nach dem Krieg hätten nur noch 198 Familien existiert, die in 235 noch bewohnbaren Häusern gelebt hätten, ferner 57 Witwen und 112 Waisen. Den Vorkriegswert von 4,64 Person je Familie multipliziert mit 198 ergibt rund 919 Personen, zzgl. der Witwen und Waisen sodann den angegebenen Wert von "ca. 1100" Personen (1088). Dies entspräche wiederum 4,68 Einwohnern je Haus. Medding multiplizierte diesen Wert mit den für 1620 überlieferten Häuserbestand von 547 und gelangte zu einer Einwohnerzahl von 2.600 (rechnerisch richtig: 2.560). Diese schematische Gleichsetzung der Vor- und Nachkriegsverhältnisse stellt jedoch nicht in Rechnung, daß die Einwohnerzahl durch Kriegseinwirkungen, Seuchen, Brände und hierdurch bedingten Wegzug stärker reduziert worden sein könnte als der Häuserbestand. Aus den überlieferten Häuser- und Einwohnerzahlen läßt sich ableiten, daß in friedlichen Zeiten, in denen die Häuser- und/oder Einwohnerzahlen nicht durch Brände oder Kriege verringert worden waren, durchschnittlich sechs Personen ein Haus bewohnten. Weshalb für die wirtschaftlich prosperierende Stadt im 15. und 16. Jahrhundert etwas anderes gegolten haben soll, ist nicht plausibel. [5] Aus einer von Medding nicht berücksichtigten Steuerliste geht hervor, daß die Stadt ausweislich des in der Liste zitierten Bürgerregisters von 1618 insgesamt 577 Familienväter im Bürgerstand zählte. [6] Diese Zahl war nur sechs Jahre später bereits auf 378 Familienhaushalte abgesunken; hinzu kamen noch 82 Witwen und 55 Waisen, die getrennt gezählt wurden. [7] Zum Ende des Jahres 1642 bzw. zu Anfang 1643 wurden noch einmal 200 Bürger bzw. vollständige Haushalte weniger gezählt, so daß bei einer Zahl von 168 Bürgern (davon 87 in der Neustadt) inzwischen ein Verlust von rund zwei Dritteln der 1618 gezählten Haushalte festgehalten werden mußte.[8] Zudem seien seit 1618 "wegen unertreglicher Beschwerde" 187 Häuser beschädigt worden und könnten jetzt nur noch als Scheunen oder als Nebenhäuser Verwendung finden; darüber hinaus wurden nach den Angaben des Verzeichnisses aus dem Spätjahr 1642 bzw. dem Monat Januar 1643 seit 1618 weitere 141 Wohnhäuser "gentzlichen zugrundte gerichtet und hernieder gerissen", so daß sich ein Verlust von insgesamt 327 Wohneinheiten ergab. [9] Da beim Stadtbrand von 1664 noch einmal 198 Gebäude vernichtet worden sein sollen, wird man jedoch davon ausgehen dürfen, daß in ruhigeren Zeiten des Dreißigjährigen Krieges und seit dessen Ende bis 1664 wieder eine beträchtliche Anzahl von Häusern aufgebaut worden ist, anderenfalls nach dem Stadtbrand von 1664 nur noch 30-40 Häuser bewohnbar gewesen wären.

Zahl der Einwohner und Häuser in Korbach (Altstadt) [10]

16181620162416421650174817701846
Häuser / Haushalte 577547378168235--338372
Einwohner----------20481765 *2258
* Einwohnerrückgang infolge des Siebenjährigen Krieges.

Zudem ist zu berücksichtigen, daß allein im Jahr 1611, wenige Jahre vor der 1618 erfolgten Zählung, 400 Einwohner an der Pest starben. Unterstellt man, daß hiervon jeder fünfte bis sechste Verstorbene die Bürgerrechte besaß, ergäbe sich für Anfang des 17. Jahrhundert eine Zahl von mindestens 650 Personen im Bürgerstand. Die Einwohnerzahl zur Zeit der Stadtblüte im Spätmittelalter wird man mithin höher schätzen dürfen. Sie ist mit 3.500 Personen - vor den Kriegen, Seuchen und Bränden des 16. und 17. Jahrhunderts - wahrscheinlich nicht übersetzt, möglicherweise sogar höher anzusetzen. So wird etwa für die freihe Reichsstadt Mühlhausen in Thüringen, die eine etwa doppelt große Stadtfläche wie Korbach aufwies, für Mitte des 15. Jahrhunderts eine Einwohnerzahl von 10.000 geschätzt. Die Schätzung der Einwohnerzahlen mittelalterlicher Städte begegnet jedoch erheblichen methodischen Schwierigkeiten und ist im einzelnen stark umstritten (eine eingehende Analyse der möglichen Einwohnerzahlen nordhessischer Städte findet sich bei Dieter WOLF, Melsungen. Eine Kleinstadt im Spätmittelalter. Topografie, Verfassung, Wirtschaft- und Sozialstruktur, Band 2, Butzbach 2003, S. 529-567). So werden für Kassel für das Jahr 1472 insgesamt 843 Haushaltungen bei nur 4.000 Einwohnern angenommen (WOLF, S. 539), für Gießen für das Jahr 1577 605 "Hausgesessene" bei 3.000 Einwohnern (Wolf S. 539). Kontrovers diskutiert wird die Einwohnerzahl von Friedberg, die vor dem großen Stadtbrand von 1447 zwischen 3.000 und 5.000 betragen haben soll (vgl. Wolf, S. 530 m.w.N.). Auffallend ist, daß alle Autoren für sämtliche hessischen Städte die Einwohnerzahlen je Haus lediglich mit etwa fünf Personen kalkulieren. Dies dürfte in Anbetracht der Größe vieler Häuser und der Kinderzahlen zu gering bemessen sein. Wenn beispielsweise in Korbach im Jahr 1846 insgesamt 2.258 Einwohner in 372 Häusern gezählt wurden (= 6.07 Einwohner je Haus), ist nicht plausibel, weshalb bei einem im Jahr 1618 um 55% höheren Häuserbestand lediglich 15% mehr Einwohner in der Stadt gelebt haben sollen. Dies gilt zumal deshalb, als Korbach bis zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges eine prosperierende Handelsstadt war, sich Mitte des 19. Jahrhunderts infolge der Verwüstungen durch Brände, Kriege und Seuchen jedoch als unterentwickelte Ackerbürgerstadt darstellte.

Städtebauliche Entwicklung

Seit dem 18. Juni 2013 führt Korbach offiziell den Zusatz "Hansestadt" und hat es damit Nachbarstädten wie Medebach (2012) und Warburg (2012) gleichgetan. Unter rechtlichen und historischen Gesichtspunkten ist die Betonung der Hansemitgliedschaft nicht uneingeschränkt gerechtfertigt, [11] unter architektonischen Gesichtspunkten kann der Namenszusatz allenfalls als Marketing angesehen werden. Denn mit Ausnahme der beiden Altstadtkirchen, St. Kilian und St. Nikolai, den Grundmauern des historischen Rathauses von 1377, drei bzw. vier Steinkammern [12] aus dem 14. Jahrhundert und der Stadtbefestigung mit der - nur noch im Westen erhaltenen - doppelten Ringmauer und ihren Wehrtürmen hat kein Gebäude aus den Zeiten der Zugehörigkeit zur Hanse die Jahrhunderte überdauert. Die gesamte mittelalterliche Wohnbebauung wurde während des Dreißigjährigen Krieges und des großen Stadtbrandes von 1664 zerstört. Von den 547 Wohnhäusern, die Anfang des 17. Jahrhunderts verzeichnet sind, waren zum Ende des Krieges nur noch 235 bewohnbar; 245 waren verloren gegangen, 67 Häuser standen leer. Der Stadtbrand vom 7. Mai 1664 vernichtete weitere 198 Häuser und Scheunen.[13] Unter den Wohnhäusern haben lediglich das sog. Schwalenstöckersche Haus (Katthagen 13), Baujahr 1593, sowie das Haus Enser Straße 7, Baujahr 1606, bis heute die Zeiten überdauert.[14] Sämtliche übrigen Wohngebäude der Altstadt sind somit jünger als 350 Jahre, zum großen Teil sogar erst aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert stammend. Von den noch rund 360 [15] in der Altstadt stehenden Häusern ist nur etwa die Hälfte älter als 250 Jahre. [16]. Stellt man weiter in Rechnung, daß sämtliche Gebäude, die heute direkt mit dem inneren Stadtmauerring verbunden sind (Violinenstraße, Im Sack, Ascher, Hinterkloster) erst im 18. Jahrhundert genehmigt und errichtet wurden, nachdem die Mauer ihre Bedeutung als Verteidigungsanlage verloren hatte, [17] wird deutlich, wie dicht die mittelalterlichen Bebauung gegenüber den heutigen Verhältnissen gewesen sein muß, um 547 Gebäuden Raum zu bieten. Allerdings ist zu berücksichtigen, daß auf einigen Grundstücken später größere Gebäude errichtet wurden, auf denen zuvor zwei oder drei Häuser gestanden haben (z.B. Professor-Kümmell-Straße 5, Professor-Kümmell-Straße 13, Enser Straße 1). Da die Korbacher Altstadt über nur vergleichsweise wenige Straßen verfügt, die heute größere Häuserblöcke mit oftmals unbebauten Innengärten und -höfen umschließen, dürften im Mittelalter deutlich mehr unbenannte kleine Gassen und Fußpfade zwischen den Häusern vorhanden gewesen sein, um diese erreichbar zu machen. Hierauf deuten ältere Kartenwerke und zahlreiche Verträge zwischen den Bürgern, die die Rechtsverhältnisse an diesen Wegen regelten, hin.[18] Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts prägten heute verschwundene Gassen und Fußpfade, die zwischen den Häusern und durch die Gärten verliefen, das Bild der Altstadt. [19]

Die Verwüstungen des 17. Jahrhunderts erklären zwar das Fehlen einer mittelalterlichen Wohnbebauung, nicht jedoch die Abwesenheit von Renaissancebauten mit - zumindest - steinernen Erdgeschossen und tiefen Kellern wie sie nicht nur in Großstädten, sondern auch in Orten vergleichbarer Größe zu finden sind.[20] Jedenfalls die Keller- und Erdgeschosse hätten Kriegszerstörungen und Brände überdauern und als Grundstock für den Wiederaufbau dienen können. So mag das Fehlen solcher Gebäude bzw. ihrer Grundmauern Beleg für die These sein, daß Korbach schon im 16. Jahrhundert den Höhepunkt seiner Entwicklung überschritten hatte und seine Rolle als Hauptverkehrsknotenpunkt und Hauptumschlagsplatz in der Region an Kassel hatte abgeben müssen.[21]

Der Verlust des Wohlstandes, der sich noch in der Größe der Altstadt, den beiden Hallenkirchen, dem doppelten Stadtmauerring und den umfassenden Stadtrechten dokumentierte, spiegelt sich in der schlichten Architektur der Wiederaufbauzeit. Die Fachwerkbauten des 17. bis 19. Jahrhunderts präsentieren sich in Korbach, von wenigen Schnitzereien abgesehen, überwiegend schmucklos. Noch bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts waren die meisten wüsten Hausstätten noch nicht wieder bebaut worden. Steinbauten oder zumindest steinerne Erdgeschosse wurden erst ab Ende des 19. Jahrhunderts errichtet. Keines der nach dem Dreißigjährigen Krieg errichteten Fachwerkhäuser hat mehr als zwei Obergeschosse (ausschließlich der Giebelgeschosse).[22] Repräsentative, um den Marktplatz, um das Rathaus oder die Kirchen gruppierte Bürgerhäuser, wie sie in umliegenden Städten mit ähnlicher Geschichte zu finden sind (z.B. Fritzlar, Homberg/Efze, Melsungen, Niederwildungen und Warburg), finden sich in Korbach nicht mehr.

Einige heute als mißlungen empfundene Modernisierungsmaßnahmen, die die Stadt entweder selbst befördert oder zumindest genehmigt hat, haben der historischen Bausubstanz weitere Verluste zugefügt. Zahlreiche aus heutiger Sicht erhaltenswerte Gebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert wurden im 19. und 20. Jahrhundert abgebrochen und nur selten durch ästhetische Neubauten ersetzt. An erster Stelle sind hier die Brachialarchitektur des Rathausanbaus (1970/72) und der Bereich um die Einmündung der Professor-Bier-Straße in die Professor-Kümmell-Straße zu nennen, der von modernen Geschäftshäusern dominiert wird.[23] Auch rund um das ehemalige Berndorfer Tor (nördliche Kirchstraße, westliches "Hinterkloster") wurden zahlreiche Fachwerkhäuser durch moderne Geschäftsbauten oder Parkraum ersetzt.

Erhalten blieben im wesentlichen die mittelalterlichen Straßenzüge. Die vor dem Dreißigjährigen Krieg bestehende Bausubstanz wird man sich vielleicht aus teils prächtigen Fachwerkbauten des 15./16. Jahrhunderts vorstellen dürfen, wie sie teilweise noch in Homberg/Efze (Gasthaus Krone, Gotisches Haus) und Fritzlar (z.B. Haus Brüggemeier, Gildehaus) erhalten geblieben sind. Größere Patrizierhäuser aus Fachwerk sind zumindest im Stadtkern denkbar. Der seit dem Mittelalter weitgehend unveränderte Zuschnitt der Grundstücke der Altstadt, die (wahrscheinliche) Zugehörigkeit zur Hanse und urkundliche Hinweise auf viele wohlhabende Kaufleute machen eine entsprechende Architektur nicht unwahrscheinlich.

Korbachs politische und wirtschaftliche Bedeutung im Mittelalter ist in der heimatkundlichen Literatur im lokalpatriotischen Überschwang zuweilen übertrieben worden. Einen Anhalt für die im Verhältnis zu anderen Städten gegebenen Umstände mag die Größe der Stadtanlage geben. Mit einer Ausdehnung von rund 640 Metern in Nord-Süd-Richtung zwischen dem inneren Berndorfer Tor und dem südlichen Katthagen und gut 500 Metern zwischen inneren Lengefelder Tor und dem inneren Tränketor war der Ort in der Fläche der größte in Waldeck, jedoch kleiner als die meisten seiner hessischen und westfälischen Nachbarn.[24] Die Länge der inneren Stadtmauer betrug rund 1.880 Meter (Messung mit Google Maps/Earth), die Fläche innerhalb des Innenmauerings rund 21,6 Hektar. Die Außenmauer ist/war 2,1 Kilometer lang und umschloß eine Fläche von 28,1 Hektar. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Verhältnisse (Ausdehnung innerhalb der Stadtmauerringe, annähernde Angaben, jeweils etwa Nord-Süd- und West-Ost-Ausdehnung, Entfernungs- und Flächenmaße ermittelt mit Google Earth/Maps).

Naumburg: ca. 290 x 300 Meter (~ 7,7 Hektar)
Niederwildungen: ca. 380 x 350 Meter (~ 10,5 Hektar)
Melsungen ca. 390 x 330 Meter (~ 11 Hektar)
Witzenhausen ca 390 x 460 Meter (~ 15,4 Hektar)
Hann. Münden: ca. 480 x 370 Meter (~ 16 Hektar)
Volkmarsen: ca. 540 x 430 Meter (~ 16,2 Hektar)
Homberg/Efze: ca. 250 (500 mit Neustadt) x 430 Meter (~ 9,7 Hektar Altstadt; ~ 17 Hektar mit Neustadt)
Medebach: ca. 600 x 525 Meter (~ 20,7 Hektar)

Demgegenüber weisen die folgenden Städte eine größere Altstadtfläche auf:

Frankenberg/Eder: ca. 440 x 720 Meter (im südwestlichen Teil aber weitgehend unbebaut; ~ 25 Hektar) Wolfhagen: ca. 690 x 820 Meter (mit Vorstadt, ~ 25,6 Hektar)
Fritzlar: ca. 500 x 700 Meter (~ 26,7 Hektar), Stadtmauerlänge ca. 2,3 Kilometer.
Hofgeismar: ca. 680 x 520 Meter (~ 27, 5 Hektar)
Brilon: ca. 670 x 560 Meter (~ 28 Hektar)
Eschwege: ca. 580 x 650 Meter (~ 30 Hektar)
Warburg: ca. 830 x 720 Meter (~ 36,6 Hektar)
Hersfeld: ca. 560 x 860 Meter
Höxter: ca. 790 x 700 Meter

Zwar besagt die reine Fläche innerhalb der Stadtmauern noch nichts über die politische und wirtschaftliche Bedeutung einer Stadt. So dürfte die wirtschaftliche Bedeutung Hann. Mündens wesentlich größer gewesen sein als jene des flächenmäßig etwa gleich großen Volkmarsens. Kaum größer war mit 17 Hektar die Altstadtfläche der oberhessischen Hauptstadt Marburg/Lahn. Mitentscheidend sind neben der Fläche mithin Größe und Qualität der einzelnen Bauwerke. Hier scheint Korbach ausweislich der noch vorhandenen spätmittelalterlichen Bebauung qualitativ hinter vergleichbaren Städten zurückgestanden zu haben. Die fast zeitgleich entstandenen großen Stadtkirchen deuten zwar auf eine nicht unerhebliche Wirtschaftskraft hin. Architektonisch bleiben sie jedoch hinter bedeutenden Stiftskirchen, Basiliken und Domen zurück. Andererseits ist in der Literatur bislang nicht beachtet worden, daß der Turm der Kilianskirche zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung im Jahr 1392 mit 317 Fuß (bei einem Fußmaß von 0,293 Metern), mithin 92,88 Metern, zu den höchsten Kirchtürmen der Welt zählte und damit Ausdruck der Vormachtsstellung der Stadt in einem weiten Umkreis war. Auch das Südportal der Kilianskirche ist in weitem Umkreis in Größe und Qualität in einem Umkreis von 100 km ohne Beispiel. Indessen ist trotz der Hanglage der Altstadt eine architektonische Geländegestaltung, z.B. eine Terrassierung mit Stützmauern und Treppenanlagen, wie man sie in anderen Städten als Beleg städtischer Wirtschaftskraft findet, nicht festzustellen.

Städtebaulich hat sich die Altstadt bis in unsere Zeit nicht mehr von den Zerstörungen des 17. Jahrhunderts erholt. Einwohner- und Gebäudezahl der Kernstadt innerhalb der Stadtmauern konnten ihren mittelalterlichen Stand bis heute nicht mehr erreichen. Erst nach dem 1. Weltkrieg überschritt Korbach insgesamt - eingerechnet die zwischenzeitlich außerhalb der alten Stadtmauern errichteten Gebäude - wieder die Einwohnerzahl von 4.000, nachdem noch Anfang des 20. Jahrhunderts lediglich 2.600 Einwohner verzeichnet werden konnten. Innerhalb der Altstadt zeigen sich bis heute große Baulücken, die der Dreißigjährige Krieg und die großen Stadtbrände verursacht haben. Auf Luft- und Satellitenbildern ist zu erkennen, daß gerade jener Bereich, in dem die dichteste Bebauung des historischen Stadtkerns zu erwarten wäre, nämlich im ältesten Siedlungskern unterhalb von Rathaus und Kilianskirche ("Tempel"-Viertel), vielfach aus großen Gartenanlagen besteht und nur eine geringe Baudichte mit überwiegend kleinen und einfachen Fachwerkhäusern aufweist.

Hermann Thomas beschrieb 1961 dieses Gebiet wie folgt: [25]

"[Unter dem 'Tempel'] verstehen wir den Teil der Stadt, der sich nördlich des Kilianshügels bis zu der früheren inneren Stadtmauer, d.h., bis zu den Häusern der Professor-Kümmell-Straße und Klosterstraße hinzieht und im Osten von der Tränkestraße und im Westen von der Stechebahn begrenzt wird. In diesem von der Stechebahn bis zur Tränkestraße stark hängigen Stadtteil liegen die Kiliansstraße, der 'Tempel', die Rathausgasse und der 'Paß'. [...] Daneben laufen noch kreuz und quer mehrere schmale Verbindungswege, Fußpfade, durch den Tempel und verbinden die Hauptgassen miteinander.[...] Das Gebiet des Tempels gehört zu den ältesten Teilen der Stadt. Die zahlreichen Gassen, Wege und Pfade verlaufen in ihrer Unregelmäßigkeit wohl heute noch genau so, wie sie bei der Besiedelung vor vielen hundert Jahren entstanden sind. Wir müssen uns vorstellen, daß dieser Stadtteil bei seiner Besiedlung im 10. und 11. Jahrhundert von vielen eng aneinander grenzenden Häusern bebaut worden ist, die hier in dem von der Stadtmauer begrenzten Stadtteil Schutz fanden. Die bauliche Auflockerung des Tempels ist eine Folge der Pest und Seuchen, der Kriege und Brände, die im 16. und 17. Jahrhundert die Einwohnerschaft stark dezimiert haben und in deren Folge auch der Bestand an Wohn- und Wirtschaftsgebäuden stark vermindert wurde [...] Zu den Stadtteilen, die wohl am stärksten unter diesen Katastrophen gelitten haben und deren Folgen man heute noch erkennen kann, gehört der Tempel. Denn es ist das Bemerkenswerte und Eigenartige dieses Gebietes, daß kein Stadtteil innerhalb der Stadtmauern baulich so aufgelockert ist wie gerade der Tempel, das Zentrum der Stadt. Zahlreiche Obst- und Gemüsegärten, zum Teil umfriedet mit den für Korbach typischen Fachwerkmauern mit Bruchsteinen, und freie unbebaute Plätze unterbrechen die Häuserreihen. [...] Während in anderen Städten das Zentrum auch der Mittelpunkt des Geschäftslebens und des Verkehrs ist, liegt der Tempel inmitten der Stadt still und nahezu unbeachtet da wie eh und je. Die Fachwerkhäuser stehen nahezu unverändert da wie sie vor hundert und mehr Jahren erbaut worden sind. Im ganzen Gebiet des Tempels gibt es kein einziges Haus mit einem Schaufenster. Eine sehr bescheidene Straßenbeleuchtung zeigt bei der Dunkelheit nur dürftig den Verlauf der Gassen und Wege. Die Kanalisation ist hier mitten in der Stadt heute noch nicht restlos durchgeführt. Die Landwirte, die hier früher ansässig waren, sind längst ausgesiedelt. Es gibt im ganzen Stadtgebiet wohl kein ruhigeres und stilleres Stadtviertel als den Tempel. Er ist heute noch der Tummelplatz für die Kinder und die Jugend. Nirgends in der Stadt kann man besser und ungestörter Schlittenfahren als in den steilen Gassen des Tempels. Hier im Tempel gibt es noch kein modernes Verkehrsproblem. Der Verkehrsstrom fließt in den ihn begrenzenden Straßenzügen vorbei. Nur selten rollt mal ein Kraftwagen durch die engen Gassen und stockert ein Trecker durch die schmalen Wege. Wohl nirgends in der Stadt hat sich das alte beschauliche Korbach so unverfälscht erhalten wie im Tempel."

Auch heute, gut 50 Jahre später, hat sich an diesem Befund wenig geändert. Allerdings wurden die meisten Gebäude umfassend saniert und die Gassen mit einem ansprechenden Pflaster versehen, der den Altstadtcharakter unterstreicht. Wie die übrige Altstadt wird aber auch der Tempel negativ durch den modernen Rathausanbau beeinflußt, der allenthalben die kleinen Altstadthäuser überragt.

Der heute als Obermarkt bekannte Platz war früher ebenfalls mit Wohnhäusern bebaut. Gleichfalls nur spärlich wieder besiedelt wurde der Bereich an der Straße "Ascher".[26] Ebenso ist an der südwestlichen Stadtmauer (Katthagen) die Bebauung ausgedünnt. Der älteste Teil der Unterneustadt (Unterstraße, Professor-Bier-Straße, Bunsenstraße, westliches Hinterkloster, nördliche Kirchstraße) wird heute von Architektur des 20. Jahrhunderts dominiert und weist kaum noch altstädtischen Charakter auf.

Die einstige Hansestadt, deren starke Wirtschaftskraft durch die Katastrophen des 17. Jahrhunderts erheblich gemindert wurde, entwickelte sich im 17. bis 19. Jahrhundert zu einem Ackerbürgerstädtchen mit starker landwirtschaftlicher Prägung. Hierdurch bedingt wurde sogar der Altstadtkern, rund um das Rathaus, wo sich einstmals die Häuser der reichsten Kaufleute befanden, lediglich mit einfachen Fachwerkhäusern und Scheunen neu bebaut, welche im 20. Jahrhundert vielfach wieder abgerissen wurden und hierdurch die kriegs- und brandbedingten Baulücken offenbarten, an deren Stelle entweder Parkraum oder moderne Wohn- und Geschäftsgebäude traten.

Obzwar die mittelalterlichen Straßenzüge im wesentlichen erhalten blieben und nicht durch "autogerechte" neue Straßen ersetzt wurden, ging der geschlossene und enge Eindruck der mittelalterlichen Bebauung wie auch der Charakter einer Hansestadt, wie ihn Besucher vermutlich erwarten, durch die vorskizzierten Entwicklungen in einigen Vierteln des historischen Stadtkerns verloren. Auch der altstädter Kirchhof, der altstädter Marktplatz sowie die Umgebung des historischen Rathauses - in vielen Orten die "guten Stuben" der Stadt (vgl. z.B Fritzlar, Melsungen, Homberg/Efze) - sind von dieser Entwicklung betroffen, so daß ein Altstadtzentrum kaum auszumachen ist.

Bis in die jüngste Zeit und perspektivisch auch für die Zukunft wurde und wird der Abbruch alter Bausubstanz oder die Schließung vorhandener Baulücken zugunsten von nur selten gelungenen Neubauten genehmigt. Zu nennen ist an dieser Stelle der erst 2002 erfolgte Abbruch eines Fachwerkhauses in der Kirchstraße (Nr. 3, Lagerhaus Curtze, ehemalige Gaststätte Schmalz), die Entfernung eines über 300 Jahre alten Fachwerkhauses im Katthagen (Nr. 9) im Jahr 2008, der Neubau des Kirchenkreisamtes (2014/2015) am Mönchehof - ein viergeschossiger Flachdachbau - [27], der Neubau des Enser Tores in den Jahren 2011-2012, [28] die weitere Bebauung des Kalkhagens vor dem Hexenturm (ab 2009), die im 2016 durchgeführten Abrisse der Häuser Professor-Kümmell-Straße 11 (Galerie Reinhardt, erbaut zwischen 1664 und 1705),[29] Enser Straße 3 (Baujahr 1740) und Rathausgasse 6 (Baujahr 1740), ein erst 2013/14 errichtetes modernes Wohnhaus (Am Tylenturm 3)[30] sowie zwei große Neubauten in den Grünstreifen zwischen Westwall und der äußeren Stadtmauer am Totenhagen (2015).[31] Auffällig ist, daß ein großer Teil der abgebrochenen Fachwerkhäuser zuvor von der Stadt Korbach aufgekauft und der Abriß zumeist mit der angeblich schlechten Bausubstanz begründet wurde.

In jedem Einzelfall mag der Abbruch und/oder die Neubebauung gerechtfertigt sein, da es aufgrund der relativen Jugend der Häuser nur selten um Gebäude ging, die unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten unbedingt erhaltenswert sind bzw. waren. Von dem Abbruch waren vielfach einfache Wohnhäuser oder umgebaute Scheunen betroffen, nicht selten jedoch auch 300 Jahre alte, große Bürgerhäuser. Das Gesamtbild der Altstadt wird durch die fortschreitende Modernisierung der Bausubstanz jedenfalls erheblich beeinträchtigt. Es erscheint daher notwendig, den denkmalschützenden Blick nicht auf das jeweils betroffene Einzelgrundstück zu verengen, sondern die betroffenen Plätze und Straßenzüge sowie die Altstadt als Gesamtanlage vor (weiterer) Verschandelung zu schützen. Das Argument, die meisten Häuser, welche abgetragen wurden oder werden sollen, seien nur einfach konstruiert und relativ jung, vernachlässigt und kostspielig in der Sanierung, gilt für Dreiviertel der Bausubstanz der Altstadt. Aufgrund der Zerstörungen im 17. Jahrhunderts und des wirtschaftlichen Niedergangs der Stadt haben sich nur wenige sehr alte und architektonisch wertvolle Gebäude erhalten. Somit können die Stadt oder private Bauherren die Umgehung des Denkmalschutzes und den Abbruch alter Fachwerkhäuser stets mit der Begründung rechtfertigen, die Erhaltung des Altbaus sei unwirtschaftlich. Mehrere dutzend Fachwerkhäuser fielen in den vergangenen 100 Jahren, insbesondere seit den 1960er Jahren, dieser Logik zum Opfer. Ein städtebauliches Gesamtkonzept jenseits von rein wirtschaftlich begründeten Modernisierungsideen ist für die Korbacher Altstadt nicht zu erkennen. Der laxe Umgang mit dem Denkmalschutz läßt langfristig eine weitgehende Modernierung der Altstadt und das Verschwinden der meisten Fachwerkbauten befürchten. Diese politisch beförderte Entwicklung steht in einem diametralen Gegensatz zum dem touristischen Marketingkonzept der Stadt, welches Korbach als bestens erhaltene Hansestadt mit einem - angeblich - fast vollständig erhaltenen doppelten Stadtmauerring als deutschlandweites Alleinstellungsmerkmal bewirbt. Der Zustand der Unterneustadt und die Verkehrssituation innerhalb der Altstadtstraßen könnte nicht weiter von dieser Werbebotschaft entfernt sein. An der Kalkmauer und im Katthagen wurden noch in jüngster Zeit der Abbruch alter Bausubstanz und die die Errichtung von Neubauten direkt an den Stadtmauern genehmigt, ebenso jüngst am Totenhagen (Sachsenberger Landstraße, "Kümmelsche Gärten"), erneut getragen von den Argumenten, man wolle die Altstadt nicht verwalten, sondern "fortentwickeln".

Städtebaulich unbefriedend erscheint zudem die nicht hinreichende Abgrenzung der Altstadt im Norden, insbesondere am Berndorfer-Tor-Platz, im Osten (Bereich Strother Straße, Stadtpark) und im Süden (Dalwigker Straße, Grabenstraße). Hinzu tritt eine starke Verkehrsbelastung des Altstadtrings (Professor-Kümmell-Straße, Stechbahn, Tränkestraße, Klosterstraße) mit seinen Zu- und Abflüssen (Lengefelder Straße, Strother Straße, Dalwigker Straße) durch fließenden und ruhenden Verkehr. Hier wurde durch die in den 1970/80er Jahren geschaffenen Umgehungsstraßen zwar erhebliche Entlastung geschaffen. Der seitdem allgemein stark zunehmende Individualverkehr hat diesen Effekt jedoch neutralisiert (Ausnahme: Schwerlastverkehr). Die vorgenannten Altstadtstraßen sind noch immer Hauptverkehrsadern innerhalb des Stadtgebietes. Heute ist es - wie schon einmal in den 1970er Jahren - kaum noch möglich, diese Straßen und die anliegenden Häuser ohne störende Fahrzeuge im Bild abzulichten, da fast jede Straße für den Durchgangsverkehr, in jedem Fall aber für Anlieger, geöffnet ist. Infolge dieser verkehrspolitischen Entscheidungen sind fast alle Straßen und Gassen befahren, zugeparkt und mit Verkehrsbeschilderung versehen. Der starke fließende und ruhende Verkehr mag unter dem Gesichtspunkt der Altstadtbelebung erwünscht sein; Durchgangsverkehr, vielfach geflickte Asphaltdecken und zahlreiche großformatige Verkehrsbeschilderungen, insbesondere Fernverkehrswegweiser, zum Teil direkt angebracht an Fachwerkhäusern (!), entsprechen jedoch heute nicht mehr dem touristischen Leitbild einer Altstadt und werten die Marke "Hansestadt" erheblich ab (vgl. demgegenüber die fast völlige Verkehrsberuhigung der Fritzlarer Altstadt). Die zahllosen markierten Parkflächen in den schmalen Altstadtstraßen (vgl. bspw. den Bereich Klosterstraße/ Professor-Kümmell-Straße) haben zur Folge, daß das gesamte Straßenbild des Altstadtringes von parkenden Kraftfahrzeugen beherrscht wird, die den Blick auf die historischen Gebäude verstellen, zudem einen fortwährenden fließenden Verkehr mit sich bringen, der die Fassaden verschmutzt und die Altstadt als Wohnquartier unattraktiv macht, zumal für Hauseigentümer. Wie auch in anderen Städten dürfte es für Nichtanwohner in Ansehung der kurzen Laufwege innerhalb der Altstadt ohne weiteres zumutbar sein, ihre Fahrzeuge auf Parkplätzen außerhalb des Stadtmauerrings abzustellen und sich die Altstadt zu Fuß zu erschließen.[32] Waren in den 1960er Jahren auch soziale Gesichtspunkte mitentscheidend für die Sanierung der Altstadt, um sie als Wohn- und Geschäftsquartier der Mittelschicht zu erhalten, konterkarieren die starke Verkehrsbelastung, fassadenverschandelnde "Billigläden", moderne Bebauung, etc., diese Ziele, was unmittelbare Auswirkungen auf die Einwohnerstruktur der Altstadt hat. Immer weniger Häuser in der Altstadt sind von den Eigentümern und ihren Familien bewohnt. Nicht wenige Gebäude stehen ganz oder zum Teil leer oder sind in einzelne Mietwohnungen aufgeteilt worden, die nicht selten von sozial schwächer gestellten Mietern bewohnt werden. Nicht zuletzt als Folge dieser politisch mitverursachten Entwicklung der Einwohnerstruktur geraten nicht wenige Gebäude in Verfall, da die Eigentümer sich eine Sanierung nicht leisten können oder wollen und sich keine Nachfolger im Eigentum finden, die bereit sind, hohe Summen in die Sanierung von Fachwerkhäusern zu investieren, die in dem oben skizzierten sozialen, wirtschaftlichen und architektonischen Umfeld liegen. Dies wiederum erleichtert den Abbruch der Gebäude, weil sie angeblich nicht sanierungswürdig sind. Ein Kreislauf, für dessen Durchbrechung sich seit Jahrzehnten politisch keine Mehrheiten finden.

Bereits 1923 beklagte Meyer-Barkhausen den Verlust alter Bausubstanz durch "pietätlosen Abbruch".[33] Gleichwohl konnte Hermann Thomas noch 1956 konstatieren: [34]

"Korbach gehört zu den glücklichen Städten, die den letzten Krieg ohne nennenswerte Zerstörungen überstanden haben. Hier hat es keine Trümmerfelder, ausgebrannte Straßenzüge und verwüstete Stadtviertel gegeben wie in allen Großstädten und auch in vielen Mittel- und Landstädten Deutschlands. Unversehrt steht die alte Stadt, begrenzt von ihren Stadtmauer [...]. Wir sollten uns daher bemühen, das Gerettete zu pflegen und damit die Erinnerung an die Vergangenheit wachzuhalten. Dies scheint umso mehr geboten, da wir in dieser unruhigen, rastlosen Zeit Gefahr laufen, das Verständnis für Tradition zu verlieren und damit auch den Respekt vor der Vergangenheit, auf der sich unser eigenes Leben aufbaut."

THOMAS konnte bei Abfassung dieser Zeilen nicht ahnen, daß die Zerstörung ganzer Straßenzüge wenige Jahre später - doch noch zu seinen Lebzeiten - nicht durch Krieg oder Brand, sondern durch "Sanierung" und Modernisierung der Altstadt in die Wege geleitet würde. Der Abbruch alter Bausubstanz und deren Ersetzung durch moderne Geschäfts- und Verwaltungsgebäude wurde in Korbach vielerorten aktiv vorangetrieben und begrüßt, hingegen nur selten behördlich verhindert. Ein beredtes Beispiel des Zeitgeistes der sechziger und siebziger Jahre ist das 1974 erschienene Buch "Korbach - Ein Bildband". Von den 56 Schwarz-Weiß-Aufnahmen widmen sich nur etwa ein Viertel der Altstadt. Im übrigen werden stolz die Betonneubauten der späten 60er und frühen 70er Jahre präsentiert. Bezeichnenderweise eröffnet der Bildband nicht mit einer Fotografie des Rathauses, des Marktplatzes oder der Altstadtkirchen, sondern mit einem Blick auf den am Stadtrand errichteten Neubau der "Alten Landesschule", ein Großbau seiner Zeit aus Beton, Glas und Stahl. Viele der Aufnahmen wirken heute befremdlich und in einem städtischen Bildband deplaziert, erinnern in ihrer naiven Aufbauästhetik an die zur gleichen Zeit entstandene Stadtbildbände der DDR. Vorgestellt werden im wesentlichen nicht die Kulturdenkmäler des historischen Stadtkerns oder dessen romantische Winkel, vielmehr die neue Stadthalle nebst Hallenbad, der Neubau des Rathauses ("eine gelungene Mischung aus alt und neu"), der Stadtpark mit Blumenarrangements und Kinderspielplätzen, sportliche Modeerscheinungen wie Trimm-Dich-Pfade sowie eine Hochhaussiedlung am Westrand der Stadt (Weizackerstraße) mit einer heute bereits wieder verschwundenen Freizeitanlage (Laaker Teich).

Zurecht wird zwar darauf hingewiesen, daß das Bild einer Altstadt nicht statisch ist und sich stets gewandelt hat. Einfache Fachwerkhäuser waren nur auf eine Lebensdauer von 100 bis 300 Jahren angelegt und sind hiernach häufig trotz Modernisierungen abbruchreif. Eine Altstadt soll ferner nicht unbewohnte Kulisse, sondern belebtes Wohn- und Geschäftsquartier sein. Nicht jedes Haus kann um jeden Preis erhalten und notfalls in das Eigentum der Stadt überführt werden, um es vor Abbruch zu retten (in Korbach war die Stadt als Eigentümerin jedoch öfter Förderer des Abbruchs als der Erhaltung, vgl. oben). Wie das Beispiel anderer Städte zeigt, können aber auch Neubauten den Charakter einer Altstadt bewahren oder neu beleben. Verwinkelte Giebelhäuser mit Innenhöfen und schmalen, gepflastern Gassen sind ebenso denkbar wie moderne oder rekonstruierende Fachwerkarchitektur. Was in anderen Städten längst erkannt und umgesetzt wurde, gilt in Korbach im Geiste der 1960er und 1970er Jahre noch immer als "Lügenarchitektur" und Rückschritt. Hier läßt man es unter Hinweis auf § 34 BauGB genügen, daß sich Neubauten innerhalb der Altstadt in die vorhandene Bebauung einzufügen haben. Daß der praktische Nutzen dieser Vorgabe ohne entsprechende entwicklungspolistische Ambitionen unter ästhetischen und altstadtarchitektonischen Gesichtspunkten gegen Null tendiert, läßt sich an den zahlreichen Neubauten, welche seit 1960 innerhalb der Altstadt errichtet worden sind, ablesen. Der Verlust der alten Bausubstanz escheint umso kurzsichtiger als die neuen Betonbauten, für die jahrhundertealte Architektur geopfert wurde, ihrerseits schon nach 40-50 Jahren wieder abbruchreif sind, wie etwa der Neubau des Rathauses. Letzterer soll wiederum durch eine Konstruktion aus Stahl, Glas und Beton ersetzt werden, für die weitere Altbauten weichen sollen, obgleich die Lebensdauer des Neubaus voraussichtlich kaum mehr als 50 Jahre betragen wird.

In der touristischen Vermarktung der Stadt soll dem doppelten Stadtmauerring zukünftig eine bedeutendere Rolle zufallen.[35] Obgleich mitunter der Eindruck erweckt wird, der doppelte Mauerring umschließe die Altstadt noch vollständig, ist von dem rund 2.000 Meter langen ehemaligen Ring nur noch etwas mehr als ein Drittel als Doppelring erhalten. Lediglich von der Hagenstraße im Nordwesten bis zur Enser Straße im Südwesten ist die Befestigung noch annähernd vollständig als doppelte Ringmauer mit einem unbebauten Hagen vorhanden. Zwischen dem Totenhagen und dem Schießhagen wurde die Mauer 1904 durchbrochen, um die Schulstraße zu schaffen. Beim Bau des Hospitals (heute Jugendherberge) an der Enser Straße in den Jahren 1866-1873 wurde dort die innere Ringmauer auf einer Länge von rund 50 Metern entfernt und das Hospital in den Hagen hinein gesetzt. Auch im östlichen Katthagen bis zur Dalwigker Straße fehlt die innere Mauer auf einer Länge von mehr als 100 Metern. Zwischen Dalwigker Tor und Tränketor war seit jeher auf einer Länge von rund 330 Metern keine doppelte, sondern nur eine einfache Mauer vorhanden. Dieses Teilstück wurde bereits während des Siebenjährigens Krieges niedergelegt und ist somit seit mehr als 250 Jahren nicht mehr existent. Zwischen der "Allee" und dem Stadtpark fehlt die Mauer, bis auf geringe Reste, auf rund 50 Metern und machte der Neuanbindung der Strother Straße und der Straße "Am Stadtpark" sowie den zwischen diesen Wegen errichteten Neubauten Platz. Entlang den Straßen "Hinter dem Kloster" (Innenmauer) und "An der Kalkmauer" (Außenmauer) ist die Befestigung zwar wieder als doppelter Maurerring erhalten (Kalkhagen), als solcher jedoch kaum wahrnehmbar. Der Hagen zwischen den Mauern ist mit öffentlichen Parkplätzen und Privathäusern bebaut, die Höhe der Wälle zum Teil auf das Niveau einer Gartenmauer reduziert. Dieses Teilstück endet nach rund 250 Meter an dem 1976 errichteten und im März 2015 wieder abgebrochenen Parkdeck, für dessen Bau mehrere Fachwerkhäuser und Teile der Mauer weichen mußten. Der hier beginnende Bereich des ehemaligen Berndorfer Tores ist heute vollständig von moderner Architektur beherrscht und kaum noch als zur Altstadt gehörig erkennbar. Vom ehemaligen Parkdeck bis hinter das ehemalige Kaufhaus Konze ist sowohl die Innen- als auch die Außenmauer auf einer Länge von rund 170 Metern niedergelegt worden. Zum Teil ist der Abbruch in diesem Abschnitt jedoch bereits im 19. Jahrhundert erfolgt. Erst hinter dem Parkplatz des Amtsgerichts nimmt die Innenmauer ihren Verlauf bis zur Hagenstraße und den dortigen Resten eines Wehrturms wieder auf (ca. 70 Meter). Der doppelte Mauerring beginnt sodann wieder am Wollweberturm.

Anmerkungen

[1] Bernd KRÖPELIN (Bearb.), Korbacher Urkunden - Regesten, Band 4, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1998, S. 4, Nr. 3: "quoddam predium, quod nominatur Curbiki cum sedecim familiis et una molendina".
[2] Für das 11. und 12. Jahrhundert besteht bei mehreren Urkunden Unsicherheit, ob jeweils Korbach oder Körbeke bei Warburg gemeint ist. Vgl. KRÖPELIN (wie Anm. 1), S. 3-4.
[3] Conradus KLUPPELL, Historia Gualdaccensis, I. Theil, Corbach 1533, Lib. I., Cap. 29, in: Johann Adolph Theodor Ludwig VARNHAGEN, Sammlungen zu der waldeckischen Geschichte älterer und neuerer Zeit, Erster Theil, Mengeringhausen 1780, S. 75-76 und in: Paul JÜRGES/Albert LEISS/Wilhelm DERSCH (Bearb.), Waldecker Chroniken, Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck, Band VII 2, Marburg 1914, S. 17.
[4] Wolfgang MEDDING, Korbach - Die Geschichte einer deutschen Stadt, 2. Auflage, Korbach 19801), S. 218. Diese Zahl ist von späteren Autoren stets ungeprüft übernommen worden, vgl. z.B. Lothar GERLACH/Wilhelm HELLWIG, Korbach - Die Reihe Archivbilder, Erfurt 1998, S. 8; Ursula WOLKERS in: Korbach - Ein Bildband, Wilhelm Bing Verlag und Magistrat der Stadt Korbach (Hrsg.), Korbach 1988, S. 22; ENGELHARD (wie Anm. 10), S. 144: 2.600 bis 2.800 Einwohner; Wilhelm HELLWIG in: Tausend Jahre Korbach 980-1980, Magistrat der Stadt Korbach (Hrsg.) 1980, S. 21, nimmt hingegen 3.000 Einwohner an.
[5] Albert STRACKE, Die Bevölkerungsverhältnisse des Fürstentums Waldeck auf agrargeschichtlicher Grundlage, in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont, Band 11 (1911), S. 1-89 [28], ermittelt für die waldeckischen Städte im 16. Jahrhundert eine Zahl von etwa sechs Einwohner je Haus.
[6] Gerhard MENK, Der Dreißigjährige Krieg in Korbach im Spiegel einer Steuerliste, in: Geschichtsblätter für Waldeck, Band 76 (1988), S. 117-125 [120].
[7] MENK (wie Anm. 6).
[8] MENK (wie Anm. 6).
[9] MENK (wie Anm. 6).
[10] Tabellenwerte nach: Karl ENGELHARD, Die Entwicklung der Kulturlandschaft des nördlichen Waldeck seit dem späten Mittelalter, in: Geschichtsblätter für Waldeck, 58. Band (1966), S. 141-142, 242-243; STRACKE (wie Anm. 5), S. 81 und MENK (wie Anm. 6), mit weiteren Quellennachweisen.
[11] Vgl. Hans-Rudolf RUPPEL, Korbach - Eine Hansestadt in Waldeck, in: Waldeckischer Landeskalender 2009, S. 109-115; Wolfgang MEDDING, Korbach - Die Geschichte einer deutschen Stadt, 2. Auflage, Korbach 1980, S. 65-66.
[12] Zumeist werden lediglich die drei Steinhäuser in der Altstadt mitgezählt, nämlich das sog. Spukhaus und das gotische Lagerhaus (Violinenstraße 3) sowie das Steinhaus Kirchplatz 2 (Museum). In diese Reihe gehört jedoch auch das 1932 zu einem Wohnhaus umgebaute Steinhaus Kirchstraße 18a. Die vermutlich auch an diesem Haus vorhanden gewesenen gotischen Treppengiebel sind entfernt worden.
[13] MEDDING (wie Anm. 4) S. 218, 235-236; Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 1, Professor-Kümmell-Straße und Klosterstraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1956, S. 2.
[14] Überdauert hatte Krieg und Stadtbrand auch das 1551 errichtete Steinhaus Tränkestraße 14, das jedoch 1763 durch einen Sturm zerstört wurde. Vgl. Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 7, Dalwigker Straße - Am Butterturm - Grabenstraße - Entengasse - Tränkestraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1960, S.124. Ferner hatten zahlreiche Häuser in der Unterneustadt und der östlichen Altstadt das 17. Jahrhundert überstanden, wurden jedoch in späteren Jahrhunderten, zum Teil sogar erst im 20. Jahrhundert, abgetragen.
[15] THOMAS (wie Anm. 13). Heute kann man gut 400 Gebäude innerhalb des Stadtmauerrings zählen, obgleich in den vergangenen 60 Jahren zahlreiche Häuser und Wirtschaftsgebäude ersatzlos entfernt oder durch größere, mehrere Grundstücke umfassende Neubauten ersetzt worden sind. Auf der anderen Seite sind mehrere alte Baulücken geschlossen worden. Das Zählergebnis hängt davon ab, ob man Nebengebäude, Wirtschaftsgebäude, Scheunen, etc., jeweils als selbständige Gebäude zählt oder nur die Zahl der reinen Wohngebäude bzw. bebauten Grundstücke berücksichtigt.
[16] THOMAS (wie Anm. 13).
[17] Vgl. Hermann THOMAS, Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 5, Stechebahn - Violinenstraße - Heumarkt - Am Steinhaus, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 93-94; ders., Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 4, Lengefelder Straße - Schulstraße - Im Sack - Am Tylenturm, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, Blatt zw. S. 46 und 47.
[18] Vgl. Bernd KRÖPELIN (Bearb.), Korbacher Urkunden - Regesten, Band 1-5, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1997-2002.
[19] Nicht zuletzt deshalb, weil durch Häuserabbrüche und Straßenverbreiterungen neue Durchgangswege eröffnet wurden, sind diese "Notwege" zwischen Häusern und über Grundstücke von den Eigentümern mit Zäunen und Toren verschlossen worden.
[20] Vgl. z.B. die Hochzeitshäuser in Fritzlar und Eschwege.
[21] Werner MEYER-BARKHAUSEN, Alte Städte zwischen Main und Weser: Corbach, Corbach 1925, S. 7; Karl ENGELHARD, Die Entwicklung der Kulturlandschaft des nördlichen Waldeck seit dem späten Mittelalter, in: Geschichtsblätter für Waldeck, 58. Band (1966), S. 141-142, sieht den Niedergang Korbachs ebenfalls bereits im 16. Jahrhundert begründet und führt dies auf die Verabsolutierung der Landesherrschaft und den dadurch verursachten Verlust des überregionalen Handels zurück.
[22] Vgl. demgegenüber z.B. das Löwenhaus (Baujahr 1617, 3 Obergeschosse + Giebelgeschoß) oder die Engelapotheke (Baujahr 1668, steinernes Erdgeschoß, 3 Obergeschosse, 2 Giebelgeschosse), beide in Homberg/Efze.
[23] Die Entwicklung zur Modernierung hat in diesem Bereich - zum Teils befördert durch Brände - bereits im 19. Jahrhundert eingesetzt. Es ist geplant, dieses "Scharnier" zwischen Altstadt und Einkaufsmeile zukünftig attraktiver zu gestalten. Die erneute Fokussierung auf Parkraum läßt eine Erneuerung des altstädtischen Charakters dieser Kreuzung jedoch nicht erwarten. Vgl. Waldeckische Landeszeitung, Onlineausgabe vom 30.11.2012: Ideenschmiede für ein "Scharnier".
[24] Wie in den meisten Städten ist die Fläche Korbachs in den vergangenen 120 Jahren infolge der stark angestiegenen Einwohnerzahl und Wirtschaftsleistung exponentiell gewachsen. Die Ausdehnung zwischen der Raiffeisenstraße im Norden und der erst jüngst angelegten Knippschildstraße im Süden beträgt mehr als vier Kilometer, die Luftlinie zwischen den westlichen Stadtteilen und der Bebauung an der östlichen Umgehungsstraße deutlich mehr als drei Kilometer, weit größer als die historische Mitte Berlins (die Luftlinie zwischen Siegessäule und Alexanderplatz beträgt etwa 4,3 Kilometer) und nicht kleiner als die Kasseler Innenstadt zwischen ICE-Bahnhof und Karlsaue (Ost-West) sowie Königsplatz und dem Einkaufszentrum "DEZ" in Niederzwehren (Nord-Süd). Die Stadtfläche ist für derzeit lediglich 18.000 Einwohner (ausschließlich Ortsteile) überdurchschnittlich groß.
[25] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 8, Rathausgasse - Im Paß - Im Tempel - Kilianstraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1961, S. 4.
[26] Entgegen früherer Deutung geht der Name jedoch nicht auf den Stadtbrand von 1536 zurück, sondern leitet sich vielleicht von dem Wort masch (feucht, sumpfig, matschig) ab. Vgl. Hermann THOMAS/Karl WILKE/Lothar GERLACH (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 3, Kirchstraße - Unterstraße - Nikolaistraße - Oberstraße - In der Pforte - Brauberg - Ketzerbach - Ascher - Mauergasse, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1956, 2. Auflage 2003, S. 178. MEDDING (wie Anm. 4), S. 249, meint hingegen, das Wort "Asch" sei als "Esch" zu lesen, was soviel wie Flur, Feld, Weide oder Gemeindeland bedeute.
[27] Vgl. Waldeckische Landeszeitung, Onlineausgabe vom 12.03.2014: Neubaupläne auf dem Tisch und HNA, Onlineausgabe vom 07.03.2014: Kirchen-Pläne für Neubau in Korbach stoßen auf erhebliche Kritik.
[28] Der 1845 abgetragene Torbogen des Enser Tores sollte auf Initiative der Korbacher Schützengilde neu errichtet werden. Den ursprünglichen Plänen, das Tor mit Natursteinen originalgetreu an die alte Bebauung anzupassen, erteilte der Denkmalschutz jedoch ein Absage. Statt dessen mußten zur Abgrenzung gegenüber der alten Bausubstanz moderne Baustoffe eingesetzt werden. Statt folgerichtig von dem Vorhaben Abstand zu nehmen, errichtete man das Tor nunmehr aus Beton, Stahl und Lochziegel und versah den Bau mit einem Zinndach sowie einer glatten Sandsteinverblendung, die der Konstruktion eher den Charakter einer Theaterkulisse verleiht und im völligen Widerspruch zu den ursprünglichen Plänen steht. Kommentatoren bezeichneten den Neubau spöttisch als "nichtbehindertengerechte Bedürfnisanstalt" oder zukünftigen "SCHLECKER Verkaufsladen" (vgl. Kommentare zur Online-Ausgabe der Waldeckischen Landeszeitung vom 15.09.2011: Am Enser Tor ist wieder freie Fahrt).
[29] Vgl. Waldeckische Landeszeitung, Online-Ausgabe vom 15.05.2014: Abschied vom Charme der 70er und vom 06.06.2014: Die anderen Städte schlafen nicht.
[30] Die Errichtung erfolgte in eine alte Baulücke, die bislang Gartenland war. Das zweigeschossige Gebäude ist sicher kein "Schandfleck" und fügt sich mit seinem Giebeldach in die Umgebung ein, zumal auch die nördliche Nachbarbebauung aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts stammt. Eine maßvoll historisierende Architektur oder fachwerkartige Fassadengestaltung, wie beispielsweise an der Enser Straße 4 (Ecke Violinenstraße), in der Bunsenstraße 3 (Juliane-Larsen-Haus) oder in der Tränkestraße 5, wäre städtebaulich wünschenswert gewesen.
[31] In den Jahren 2014/15 entstanden direkt an der Außenmauer am Totenhagen, an der Straße "Westwall" zwei neue, mehrstöckige Häuser, die in ehemalige Gärten hineingesetzt werden, die Stadtmauer überragen und in den idyllischen Totenhagen "hineinblicken". Vgl. Jörg KLEINE, Waldeckische Landeszeitung, Online-Ausgabe vom 14.11.2014: "Neue Häuser in Kümmells Garten"
[32] Von keinem tatsächlich vorhandenen oder möglichen Parkraum außerhalb des Stadtmauerrings müssen mehr als 400 Meter zu Fuß bis in das Altstadtzentrum (Rathaus/Kilianskriche) bewältigt werden. Sämtliche Geschäfte, so in der Altstadt noch vorhanden, befinden sich kaum mehr als 200 Meter von den Stadtmauern und möglichen außerstädtischen Parkplätzen entfernt. Weshalb - wie gelegentlich in der Diskussion zu vernehmen ist - diese Wegstrecken für Besucher der Altstadt unzumutbar sein sollen, sogar noch mehr öffentlicher Parkraum in der Altstadt gefordert wird, ist kaum nachvollziehbar. Sonderregelungen für Anwohner und Geschäftskunden sind denkbar.
[33] MEYER-BARKHAUSEN (wie Anm. 21), S. 9.
[34] THOMAS (wie Anm. 13), S. 1.
[35] Vgl. HNA vom 07.11.2013.