Kirchplatz 2 (Korbach)

Das Haus Kirchplatz 2 im Juli 2014.
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Das Gebäude Nr. 2 am Kirchplatz in der Altstadt von Korbach ist ein im 14. Jahrhundert errichtetes Steinhaus, das heute einen Teil des Heimatmuseums bildet.

Geschichte

Bis in das 11. Jahrhundert gehörte das Gelände zum Kirchhof des romanischen Vorgängerbaus der Kilianskirche und diente als Friedhof. [1] Bei den in den Jahren 1989 bis 1994 durchgeführten archäologischen Untersuchungen des heutigen Museumsgeländes konnten mehrere Skelette und Skelettfragmente festgestellt und ingesamt mehr als 30 Bestattungen nachgewiesen werden. [2] In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand, möglicherweise hervorgerufen durch einen frühen "Bauboom", ein zur Baumaterialgewinnung betriebener Dolomitstein-Steinbruch. [3] Nach einer Betriebszeit bis Mitte des 12. Jahrhunderts kam es zu einer Verfüllung des Steinbruchs, hauptsächlich mit bei der Werksteinbearbeitung anfallendem Abschlagsschutt. [4] Für den Zeitraum um 1200 und wenig später zeichnete sich eine erste Teilbebauung des Steinbruchgeländes mit Holzhäusern ab. [5]

Wie die übrigen Steinkammern in Korbach (Violinenstraße 3, Enser Straße 7 - Spukhaus, Kirchstraße 18a) ist es im 14. Jahrhundert wahrscheinlich als feuerfestes Speicherhaus für die Waren der Kaufleute errichtet worden und stand somit vielleicht zunächst im Eigentum der Stadt oder der Gilden. [6] Die Rüsthölzer, die noch heute als Stümpfe in den Außenmauern des Steinhauses stecken, datieren das Gebäude in das frühe 14. Jahrhundert. [7] , wahrscheinlich um 1323 [8] oder 1325. [8a]

Bis Ende des 19. Jahrhunderts bildeten die Häuser Kirchplatz 2, Stechbahn 13a und Stechbahn 15 einen gemeinsamen Gebäudekomplex und waren jeweils in der Hand eines gemeinsamen Eigentümers. [9]

1. Im 16. Jahrhundert erscheinen die Brüder Johann von Wolmeringhausen ( 1577) und Otto von Wolmeringhausen (1530-1591), Söhne des Hermann von Wolmeringhausen, als Eigentümer der Steinkammer. Die von Wolmeringhausen werden bereits 1311 urkundlich genannt und besaßen ab 1481 das Rittergut in Meineringhausen. Mit dem 1619 verstorbenen Josias von Wolmeringhausen, Sohn des Otto von Wolmeringhausen, starb das Geschlecht im Mannesstamme in Korbach aus. Mit Ottos Enkel, Johann Otto von Wolmeringhausen, erlosch 1639 die Familie insgesamt. In der Kilianskirche in Korbach finden sich die Grabdenkmäler der Brüder Otto und Johann von Wolmeringhausen. Später hat das Haus vielleicht der Familie Korthaus gehört. Denn nach einem Vertrag vom 26. April 1572 haben Chunrad Kortheuss, Bürger zu Corbach, und Elisabeth, seine eheliche Hausfrau, dem Stephan Schotten, zur Zeit Amtmann des Eisenberges, und Margarethen, seiner ehelichen Hausfrau, seinem Schwager und seiner Schwester, die neugebaute Behausung auf der Alten Stadt (heute Kriegerdenkmal), zwischen Johann Karlov und der Kortheuschen Behausung am Kirchhof und nach Jacob Schumachers Haus (wahrscheinlich Stechbahn 32) zu an der Gassen für 250 Taler verkauft. [10] Es könnte jedoch auch der Vorgängerbau des Hauses Stechbahn 17 gemeint gewesen sein, bei dem es sich ebenfalls um ein Steinhaus handelte, das dem Haus Stechbahn 32 direkt gegenüber lag. Anläßlich des Brandes des Turmhelms der Kilianskirche am 15. Juni 1581 findet sich die Nachricht, daß hierdurch auch Konrad Korthaus' Scheune in Brand geraten ist. [11] Es ist anzunehmen, daß das Haus bis zu dieser Zeit im Familienbesitz blieb. Denn erst Mitte des 17. Jahrhunderts tritt mit Nr. 2 ein neuer Eigentümer in Erscheinung.

2. Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte die Steinkammer dem Weinwirt "Zur Waage" (Marktplatz 5), Georg Haxthausen (* 25.07.1626 in Trendelburg; begr. 25.05.1704). Haxthausen war der Sohn des Georg Henrich Haxthausen (1584-1633), Rentmeister zu Trendelburg, und dessen zweiter Ehefrau Anna Dorothea Elisabeth Speirmann (* 1598 in Mengeringhausen; 29.07.1626 in Trendelburg). Georg Henrich Haxthausen war der Sohn des Gottschalk Haxthausen ( 1598), Vogt zu Welda bei Warburg seit 1576, und der Maria Margarethe Syghard, Tochter des Vogts Herbold Syghard. Gottschalk Haxthausen war ein illegtimer Sohn des Gottschalk von Haxthausen auf Esche und Vörden und Enkel des Cordt von Haxthausen auf Apenburg und Altenbergen und der Susanne von der Malsburg, beide auch Ahnen der Annette von Droste-Hülshoff. Elisabeth Speirmann war die Tochter des waldeckischen Rats Georg Speirmann (1564-1635) und der Anna Erich Schotte, Tochter des Amtsmanns Stefan Schotte, der das Nachbarhaus (heute Kriegerdenkmal, s. o.) bewohnte. [12] Der Weinwirt Georg Haxthausen war mithin der Urenkel des Stefan Schotte und der Margarethe Korthaus, somit Nachfahre des wahrscheinlichen früheren Besitzer des Hauses Kirchplatz 2 (s.o.). Georg Haxthausen war in den Jahren 1658-1668 Vogt zu Wetter, dann aber abgesetzt, "da unfleißig" und ehelichte um 1654 Anna Margarethe Nolden (~ 22.10.1626; begr. 21.12.1673), Tochter des Stadtcommissars Josias Nolden und der Gertrud Butterweck (Katthagen 13). Das Paar hatte wenigstens zwei Töchter: Elisabeth Haxthausen (1657/62-1740), die Wolrad Schumacher, Sohn des Curt Schumacher und der Magdalena Benn, heiratete, [13] sowie Anna Elisabeth Haxthausen (vgl. unten, Nr. 3). Georg Haxthausen bewohnte später, offenbar nachdem er die Steinkammer seiner Tochter und seinem Schwiegersohn (Nr. 3) überlassen hatte, das Haus Bunsenstraße 1.

3. Durch Eheschließung wurde um 1686 Justus Klute Eigentümer der Steinkammer, indem er am 19. Mai 1686 Anna Elisabeth Haxthausen (* 1665; begr. 25.07.1708; 43,5 Jahre) heiratete, Tochter von Nr. 2. Klute war Registrator und erscheint 1696 als Hospitalrechner. Sie ging eine zweite Ehe mit Nr. 4 ein.

4. Durch Heirat mit der Witwe von Nr. 3 erwarb im Jahr 1706 Johann Jost Bennecke das Haus. Er war der Sohn des Johann Henrich Bennecke, Richter in Herbsen, und dessen Frau Elisabeth (Nachname unbekannt). Bennecke war Verwalter des Burggutes in Lengefeld und heiratete am 2. November 1706 Anna Elisabeth Haxthausen. Nach deren Tod ging er am 16. November 1709 eine zweite Ehe mit Marie Gertrud Koch ein (~ um 1678; begr. 02.02.1742; 63 Jahre), Tochter des Johannes Koch und der Witwe des Johannes Conrad Beil. Bennecke kaufte 1707 das Haus Stechbahn 10, dessen Eigentümer er bis 1746 blieb.

5. Der Richter Philipp He(i)nrich Gräfe/Gräffe (* 06.06.1680 in Rhoden; begr. 13 od. 17.02.1735) erwarb 1719 das Anwesen. Er war der Sohn des Stadtsekretärs Mathäus/Matthias Gräfe in Rhoden (* um 1641 in Straußfurt/Thüringen; 27.02.1715, 74 Jahre) und der Anna Marie Arcularius (* um 1663/64 in Lübeck; 18.03.1754 in Pyrmont), Tochter des Pfarrers in Nieder-Ense Johann Friedrich Arcularius [13a] und der Maria Hardwich aus Lübeck. [13b] Er war auch Eigentümer des gegenüber liegenden Hauses Stechbahn 32 und ließ Anfang des 18. Jahrhunderts das ebenfalls in seinem Besitz stehende Haus Stechbahn 15 nach einem Brand neu errichten. Philipp Henrich Gräffe war von 1709-1716 Landrichter des Amtes Eisenberg, ab 1716 Hofgerichtsassessor mit dem Titel Hofrat am Hofgericht Korbach. Er war zugleich Eigentümer des Hauses Kirchplatz 2. Am 30. April 1705 heiratete er in Mengeringhausen Anna Erich Leonhard (~ 23/24.09.1677; begr. 24.10.1706 in Mengeringhausen), Tochter des Amtmanns Jacob Leonhard, Amtmann zu Korbach, und der Dorothea (Martha) Hedwig Waldschmidt. Für sie war es bereits die zweite Ehe; zuvor war sie verheiratet mit dem Advocat und von der Malsburgischen Mandatarius zu Breuna, Anton Eisenberg/Isenberg. [13c] Gräffe ging am 4. April 1709 in Mengeringhausen eine zweite Ehe mit Juliana Elisabeth Waldeck (~ 14.08.1688; begr. 18.06.1716) ein. Sie war die Tochter des Tilemann Waldeck und der Eva Elisabeth Judenhertzog (Enser Straße 3). Seine dritte Frau, die er am 7. Mai 1717 heiratete, trug den gleichen Namen wie seine zweite, Juliana Elisabeth Waldeck (~ 01.03.1698; 07.11.1725; begr. 09.11.1725), war jedoch deren Cousine, Tochter des Andreas Christian Waldeck und der Anna Catharina Schmalkalder (Enser Straße 3). Aus der ersten Ehe ging die Tochter Anna Eleonore hervor, die jedoch nur zwei Jahre alt wurde (~ 24.03.1706 in Mengeringhausen; begr. 24.05.1708 in Rhoden). Die zweite Ehe war offenbar kinderlos. Aus der dritten Ehe stammen folgende Kinder:

a) Eleonore Johanette Gräffe (* 17.01.1718; 10.10.1742) 25.04.1736 Hermann Scriba
b) Luise Gräffe (~ 26.11.1719; begr. 19.07.1720)
c) Arnold Christian Gräffe (~ 11.05.1721; begr. 18.11.1780 in Mengeringhausen), Stadtsekretär in Rhoden bis 1776, dann Advokat in Mengeringhausen [13d]
d) Christoph Friedrich Gräffe (~ 17.10.1723; begr. 03.12.1723)
e) Charlotte Gräffe (*/ 08.11.1725)

Der "Obelisk" auf dem Südgiebel.
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6. Im Jahr 1750 wurde der Kaufmann Jost Henrich Graf Eigentümer des Hauses. Er war der Sohn des Dorfrichters Graf in Nieder-Waroldern. Graf war Korbacher Bürger seit 1744, Ratsmitglied 1750 und Pfennigmeister in den Jahren 1758, 1759 und 1763. Am 7. September 1744 heiratete er Margarethe Sybille Unger (~ 02.02.1709; begr. 17.11.1766), Tochter des Chirurgen und Regimentsfeldscheers Moritz Georg Friedrich Unger und der Catharina Elisabeth Platten (Stechbahn 30). Graf gehörte ebenfalls das Haus Stechbahn 32.

7. 1779 erscheint der Oberistlieutenant Friedrich Wilhelm Theodor von Lingelsheim (* 30.10.1769 in Feuerbach/Oberhessen; 12.07.1836) als neuer Eigentümer. Er war ein auf Pension gesetzter ehemaliger Offizier in holländischen Diensten und Bürger seit 1789. Er heiratete am 19. Februar 1811 Marie Henriette Neumann (* 08.11.1770; 18.06.1812, kurz nach der Entbindung), Tochter des Schulcollegen Henrich Philipp Neumann und der Marie Charlotte Elisabeth Grebe. Von Lingelheim ging am 25. Oktober 1818 eine zweite Ehe mit Friederike Margarethe Müller (* 04.02.1790; 06.06.1853 in Wildungen) ein, zweitälteste Tochter des Hutmachermeisters Johann Justus Friedrich Müller (Korbach) und der Conradine Christiane Ulrich (Frebershausen).

8. Schon 1783 ging das Eigentum auf Jeremias Friedrich Ludwig Kleinschmit (* 04.06.1751 in Adorf; 19.08.1792 in Landau; begr. 22.08.1792 in Korbach) über. Er war der Sohn des Konsistorialrats Georg Wilhelm Kleinschmit (Stechbahn 5) und der Lucretia Dorothea Elisabeth Severin, Witwe des Pfarrers zu Flechtdorf, Johann Ludwig Severin. Kleinschmit war fürstlicher Landcommissar und Hofgerichtsprocurator sowie Gerichtsschultheiß zu Meineringhausen. Seine Frau war Luise Knorr ( 18.08.1794 an einer bösartigen Ruhr), Tochter des Kammerrats Knorr zu Gaildorf (Herrschaft Limpurg in Württemberg). Die Ehe war kinderlos. Über Kleinschmit heißt es im Kirchenbuch von St. Kilian anläßlich des Begräbnisses: "Herr Jeremias Ludwig Friedrich Kleinschmit, gewesener Fürstl. Landcommissarius und Hofgerichtsprocurator, nachdem er an einer ohnheilbaren Gicht größte Schmerzen mit einer von Gott gestärkten Standhaftigkeit ertragen, den 19ten dieses ein sanftes und seel. Ende in seinem Erlöser gefunden, nachmittags unterm Geleite seiner Freunde zu seiner Gruft auf dem Hagen getragen. 41 Jahre, 2 Monate 14 Tage alt."

9. Im Jahr 1795 erwarb der Hofgerichtsrat Engelhard Wilhelm Duncker (* um 1750; 13.02.1805, 53 bis 55 Jahre alt) das Anwesen. Dunckers Herkunft ist unbekannt. [14] Er war verheiratet mit Luise Schotte (* 1776 in Crumbach bei Darmstadt; 04.07.1841), Tochter des Kircheninspektors Georg Sebastian Dietrich Schotte in Crumbach. Aus der Ehe stammten wenigstens drei Kinder: Ulrich Georg Ferdinand Duncker (unten Nr. 10), Friedrich Duncker, Luise Duncker (* 26.07.1799; 08.01.1866) Wilhelm von Hanxleden (Kirchstraße 7) [15] und Garnisonsarzt Prof. Dr. C. Duncker. [16]

10. Offenbar als Erbe seiner Mutter wird 1844 Ulrich Georg Ferdinand Duncker (*14.07.1805; 28.04.1871), Sohn von Nr. 9, neuer Eigentümer des Gebäudes. Nach dem frühen Tode seines Vaters, der bereits vor seiner Geburt verstarb, übernahm Karl Philipp Giesecken in Korbach die Vormundschaft. Duncker studierte 1823 Jura in Göttingen, war dann als Candidat in Korbach, wurde am 27. Februar 1830 Advokat, am 29. Juni 1834 Hofgerichtsprocurator und 1842 Stadtsekretär. Auf Wunsch seines Onkels ging er 1850 gemeinsam mit seinem Bruder , dem Kaufmann Friedrich Duncker, nach Kalifornien, kehrte jedoch bereits nach acht Monaten nach Korbach zurück, wurde aber dadurch bei der Neuordnung des Waldecker Gerichtswesens nicht berücksichtigt und mußte sich deshalb zunächst als Rechtsanwalt niederlassen. Erst 1855 wurde er Hilfsrichter beim Kreisgericht in Korbach, am 9. Oktober 1862 Kreisrichter in Arolsen und am 1. November 1862 Kreisrichter in Korbach. 1867 trat er in den Ruhestand. Am 11. September 1835 heiratete er Mathilde Caroline Auguste Kleinschmit (* 02.02.1813 in Arolsen; 21.02.1886 in Pyrmont), Tochter des Hofgerichtsrats Friedrich Carl Kleinschmit (1778-1854) und der Christine Suden. Mit seiner Frau hatte er zwei Töchter. Gemäß der neuen Verfassung für die Fürstentümer Waldeck und Pyrmont von 1849 wurden durch das Gesetz über die neue Gerichtsverfassung vom 4. Juni 1850 am 1. Oktober 1850 die Patrimonialgerichte und somit auch die Eigengerichtsbarkeit der Stadt Korbach aufgehoben. Die richterliche Stellung des Stadtsekretärs endete damit. Ferdinand Duncker war deshalb der letzte Korbacher Stadtsekretär alter Ordnung. [17]

11. Im Jahr 1850 erwarb der Waagenwirt und Metzgermeister Henrich Wilhelm Range (* 02.10.1800; 15.04.1873) das Haus. Er war der jüngste Sohn des Waagenwirts Franz Range und der Maria Dorothea Nelle. Er war Bürger seit 1834 und heiratete am 1. Februar 1835 Friederike Wilhelmine Christiane Nelle (* 03.03.1816; 17.02.1898), Tochter des Ratsgewandten und Metzgermeisters Carl Georg Wilhelm Nelle und der Marie Henriette Wacker. Range gehörte auch das gegenüber liegende Haus Stechbahn 26.

12. 1876 wurde Friedrich Wilhelm Range (29.02.1836; 29.10.1918), Sohn von Nr. 11, als neuer Eigentümer verrzeichnet. Range hatte seit 1876 die Bürgerrechte inne, war Land- und Gastwirt und gehörte viele Jahre dem Gemeinderat an. Mit seinem Tod starb die 1579 aus Geismar eingewanderte Familie im Mannesstamm in Korbach aus. Range heiratete am 11. Juni 1876 Sophie Wilhelmine Henriette Luise Frese (* 04.06.1851; 05.03.1938), Tochter des Waagenwirts Carl Ludwig Frese und der Henriette Caroline Philippine Auguste Otto. Range hat von seinem Vater auch das benachbarte Haus Stechbahn 26 geerbt.

13. Im Jahr 1924 oder 1925 gelangte das Haus schließlich durch Kauf in den Besitz der Stadt Korbach. THOMAS (Anm. 1) gibt an, die Stadt habe das Haus dem Vorbesitzer abgekauft. Range war jedoch bereits 1918 gestorben, so daß allenfalls dessen Erben als Verkäufer in Betracht kommen. Das bis dahin in der gegenüberliegenden Marienkapelle der Kilianskirche untergebrachte Heimatmuseum wurde im Sommer 1925 in das Steinhaus verlegt. [18]

Ausgerechnet mit dem Umbau des Steinhauses zum Heimatmuseum erfolgte um 1925 eine Umgestaltung der zum Kirchplatz gerichteten Ostfassade, die wenig Rücksicht auf Belange des Denkmalschutzes nahm. Das rechte Fenster im Erdgeschoß wurde zu der heutigen Tür mit Treppe erweitert. Die beiden Fenster im ersten (ehemals zweiten) Obergeschoß, die sich stilistisch an dem Fenster unten links orientieren, sind ebenfalls Neuschöpfungen aus jenen Jahren. Ein vor 1925 gefertigtes Lichtbild (s.u.), auf dem auch das Denkmal für Christian Carl Josias von Bunsen noch zu sehen ist, zeigt den ursprünglichen Zustand mit zwei kleinen Fensteröffnungen, wie sie heute noch im "Spukhaus" (Enser Straße 7) zu finden sind. Im Zuge dieser Verrichtungen wurden in das Dachgeschoß des Steinhauses zudem Gauben eingesetzt.

1934 wurde die benachbarte Rangesche Scheune (Stechbahn 13a) erworben und für die Erweiterung des Museums eingerichtet. [19] Nicht ganz geklärt scheint zu sein, wie der Ausbau genau fortschritt. NORD (wie Anm. 19) gibt an, durch den Ausbau "eines von der Stadt erworbenen anliegenden Gebäudeteils im Jahre 1934" sei beträchtlicher Raum gewonnen worden; der Ausbau der "schon früher erworbenen anliegenden Nordschen Scheune" sei jedoch erst in den Jahren 1952/53 erfolgt. Unklar insoweit auch HELLWIG (wie Anm. 19), der ausführt, die Stadt habe 1934 das nördlich an das Steinhaus angrenzende "Stallgebäude" gekauft, nach dem letzten Kriege zum gleichen Zweck noch ein weiteres Haus erworben, später sodann die Werkstatt des Malermeisters Nieschalk (die alte Schmiede) sowie das rückwärtige Wohnhaus (Stechbahn 15). VÖLCKER-JANSSEN meint, die Rangesche Scheune sei nach dem zweiten Weltkrieg "ebenso wie zuvor schon 1934 der nördliche Anbau an das gotische Steinhaus" für das Museum nutzbar gemacht worden. [20] Möglicherweise soll zum Ausdruck gebracht werden, daß der an den Kirchhof grenzende Teil des Hauses Stechbahn 13a bereits 1934, der an die Stechbahn grenzende Baukörper erst 1952 erworben und für das Heimatmuseum eingerichtet wurde.

Mit dem Umbau des Museums in den Jahren 1994-1997 wurde das direkt an das Steinhaus angebaute und mit diesem verbundene Fachwerkhaus Stechbahn 15 niedergelegt, so daß erstmals die westliche Traufseite des Steinhauses sichtbar wurde.

Erscheinungsbild

Das Haus hat eine Grundfläche von ca. 10 x 8,5 Meter. Im Brandkassenregister von 1784, Nr. 133, wird die Größe mit 34 x 27 Fuß angegeben (ca. 10,7 x 8,5 Meter). [21] Die Höhe beträgt bis zur Dachrinne der Traufseite ca. 9 Meter, der Treppengiebel ist an seiner höchsten Stelle ca. 13-14 Meter hoch (Werte anhand der Grundfläche geschätzt).

Im Jahr 1939 wurde das Haus wie folgt beschrieben: [22]

"Kalksteinbau aus rohen Quadern von ehemals drei Geschossen (vermauerte Luken entsprechend denen am Steinhaus am Enser Tor!). Traufe zum Kirchplatz. Die heutigen Fenster (16. Jh.) in zwei Stockwerken angeordnet. Zweiteilig, profiliert in Plättchen und Kehle. Der heutige Zugang moderne Erweiterung eines ehemaligen Fensters. Steintraufe mit Wulstkehle. Über den Schmalseiten Treppengiebel von vier Stufen mit Plattenabdeckung. Die Giebelflächen in Bruchstein, steinsichtig verputzt. In der südlichen Giebelwand ein kleines Spitzbogenfenster, vermauert.

Inneres: Die Geschosse nicht unterteilt. Tonnengewölbter Keller. Im Erdgeschoß Kalksteinkamin, bez. 1604; gekehlte Wangen, unter dem Fries Gesims aus Kehle und zwei Plättchen. Deckgesims mit Sima und Konsolfries. Neben dem Kamin zugesetzte Tür, die zu dem rückwärts anschließenden Fachwerkhause Stechbahn Nr. 15 führte. Flachbogige Fensternische."

Das nicht homogene Mauerwerk, das auf der zum Kirchplatz gewandten Traufseite zwischen dem Erdgeschoß und dem ersten Stockwerk Unterschiede in Ausführung und Farbgebung aufweist, sowie einige verputze Risse im Mauerwerk deuten darauf hin, daß das Obergeschoß möglichweise nicht mehr ursprünglich ist. Vielleicht ist der heutige Zustand Ergebnis eines Umbaus oder es erfolgte nach Brand- oder Kriegszerstörungen ein teilweiser Neuaufbau.

Auf dem Schlußstein des südlichen Treppengiebels steht ein obeliskartiger Aufsatz unbekannten Alters. [23]

Unter dem Haus ist ein tonnengewölbter Keller in den felsigen Untergrund getrieben worden, der durch einen Verbindungsgang mit dem Keller unter dem benachbarten Haus Kirchplatz 2a ("Alte Schmiede") verbunden ist. Die unregelmäßig in den Fels eingetiefte Sohle des Gewölbekellers wies Mulden unterschiedlicher Größe auf. Ohne erkennbare Funktion enthielten diese neben taubem Erdreich Gesteinsschutt und vereinzelt Keramikreste aus dem 15. Jahrhundert. [24] Da die Keller im Mittelalter offenbar stets sauber gehalten wurden, fehlt es an Zeugnissen aus der Bauzeit. [25] Ein von Albert Leiß 1925 erwähnter "zugesetzter Gang vom Keller Richtung Mönchehof" existiert nach den neuen Grabungsergebnissen nicht. [26] Anläßlich des Neubaus des Heimatmuseums in den Jahren 1996/97 wurde das Fußbodenniveau des Kellers durch Ausschachtungen erheblich abgesenkt.

Bilder

Die Schwarz/Weiß-Aufnahmen werden veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Bildarchivs Foto Marburg www.fotomarburg.de


Anmerkungen

[1] Brigitte PFLUG, Zur Korbacher Stadtarchäologie - Nutzungswandel der 'Museumsinsel' im Verlauf von mehr als 800 Jahren, in: Waldeckischer Landeskalender 1999, 272. Jahrgang, Korbach/Bad Wildungen 1999, S. 114-118 [117].
[2] PFLUG (wie Anm. 1), S. 117.
[3] PFLUG (wie Anm. 1), S. 117.
[4] PFLUG (wie Anm. 1), S. 117.
[5] PFLUG (wie Anm. 1), S. 117.
[6] Zum Teil wird angenommen, das Haus sei von Beginn an Privateigentum eines reichen Kaufmanns gewesen: Wilhelm VÖLCKER-JANSSEN in: Hans OSTERHOLD (Bearb.), Meine Stadt - Korbacher Bauten erzählen Stadtgeschichte, Magistrat der Stadt Korbach (Hrsg.), aktualisierte Auflage 2011, S. 133; Wolfgang MEDDING, Korbach - Die Geschichte einer deutschen Stadt, 2. Auflage, Korbach 1980, S. 387.
[7] VÖLCKER-JANSSEN (wie Anm. 6); PFLUG (wie Anm. 1). Wie immer muß bei solchen Datierungen jedoch in Erwägung gezogen werden, daß das verwendete Holz älter sein könnte als das Gebäude, z.B. weil es bereits in früheren Häusern verbaut gewesen ist und lediglich wiederverwendet wurde oder vor der Verwendung lange Zeit gelagert hat. Wolfgang MEDDING (Bearb.) in: Friedrich BLEIBAUM (Hrsg.), Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Kassel, Neue Folge, Dritter Band, Kreis des Eisenberges, Kassel 1939, S. 134, datiert das Haus in das 15. Jahrhundert.
[8] Vgl. Dieter WOLF, Melsungen. Eine Kleinstadt im Spätmittelalter. Topographie, Verfassung, Wirtschafts- und Sozialstruktur, Band 2, Butzbach 2003, S. 575, unter Hinweis auf KULICK/GELDMACHER, Museum Korbach.
[8a PFLUG (wie Anm. 1), S. 117.
[9] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 5, Stechebahn - Violinenstraße - Heumarkt - Am Steinhaus, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[10] Hans PEPER (Bearb.), Urkunden der Familie v. Hanxleden 1432-1804, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1955, S. 6, Nr. 18.
[11] Paul JÜRGES/Albert LEISS/Wilhelm DERSCH (Bearb.), Waldecker Chroniken, Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck, Band VII 2, Marburg 1914, Konrad Kluppels Chronik und Briefbuch, Anhang, S. 106-107.
[12] Alle Angaben zur Familie Haxthausen aus: Friedrich Wilhelm EULER, Genealogische und soziologische Betrachtungen über die Vorfahren des Berliner Oberbürgermeisters und Politikers Ernst Reuter, in: Genealogisches Jahrbuch, Band 1, herausgegeben von der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, Berlin-Frankfurt/M. 1961, S. 15-47 [33, 40]; und aus: Bernhard KOERNER/Hermann KNODT (Bearb.), Hessisches Geschlechterbuch, Band 8 (Deutsches Geschlechterbuch, Band 84), Görlitz 1935, S. 710-712; ( Digitale Ausgabe).
[13] EULER (wie Anm. 12), S. 40; Martin RUDOLPH (Bearb.), Korbacher Bürgerfamilien - Die Nachkommen des Korbacher Bürgermeisters Curt Schumacher, 1585-1660, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1976, S. 23; Hermann STEINMETZ (Bearb.), Die Stadtcommissare in Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1954, S. 41.
[13a] Hilmar G. STOECKER/Friedrich HÜBEL (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 51, Rhoden, Waldeckischer Geschichtsverein e.V./Magistrat Diemelstadt (Hrsg.), Arolsen/Korbach 1994, S. 120, Nr. 1057, 1058.
[13b] Hermann STEINMETZ, Die Waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege, in: Geschichtsblätter für Waldeck, 51. Band (1959), S. 41-91 [55-56], Nr. 83. Alle folgenden Angaben nach STEINMETZ.
[13c] Vgl. Herbert VOIGT/Christian MEUSER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 89, Mengeringhausen, Waldeckischer Geschichtsvereins e.V. (Hrsg.), Bad Arolsen 2014, S. 194, Nr. 2462, 2463.
[13d] Ob er verheiratet war und Kinder hatte, ist nicht bekannt; vgl. STEINMETZ (wie Anm. 5). Bei STOECKER/HÜBEL (wie Anm. 8) und VOIGT/MEUSER (wie Anm. 13c) finden sich keine Einträge über ihn.
[14] Vielleicht war er verwandt mit Johann Wilhelm Duncker, Pfarrer zu Fuhlen bei Hess. Oldendorf, dessen Tochter Justine Dorothea Duncker (um 1702-1784) mit dem aus Mengeringhausen stammenden Korbacher Landrichter und Hofgerichtsrat Georg Friedrich Wilhelm Speirmann (1708-1784) verheiratet war (Professor-Kümmell-Straße 3). Vgl. Hermann STEINMETZ, Die Waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege (Forts.), in: Geschichtsblätter für Waldeck, 45. Band (1953), S. 90-174 [122].
[15] Vgl. Hermann THOMAS/Karl WILKE/Lothar GERLACH, Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 3, Kirchstrasse - Unterstrasse - Nikolaistrasse - Oberstrasse - In der Pforte - Brauberg - Ketzerbach - Ascher - Mauergasse, 2. Auflage, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 2003, S. 33 (Kirchstraße 7).
[16] Vgl. Bernd KRÖPELIN (Bearb.), Korbacher Urkunden - Regesten, Band 2, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 2002, Nr. 1142 (S. 287), Urkunde vom 18. April 1824.
[17] Alle Angaben nach: Hermann STEINMETZ (Bearb.), Die Stadtsekretäre in Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1953, S. 20-21; vgl. auch Helmut NICOLAI, Staat, Behörden und Beamte in Waldeck 1814-1868, in: Geschichtsblätter für Waldeck, 48. Band (1956), S. 83.
[18] MEDDING (wie Anm. 6).
[19] Wilhelm HELLWIG, Korbach in alten Ansichten, Band 1, 6. Auflage, Zaltbommel/Niederlande 1980, Nr. 11; Otto NORD, Das Heimatmuseum in Korbach, in: Hessische Heimat, Heft 3/4 1954, S. 11-15 [12], nennt sie die "Nordsche Scheune". Vielleicht stand sie nach Ranges Tod im Eigentum des Sattlermeisters Heinrich Nord, der bereits 1887 das gegenüberliegende Grundstück Stechbahn 24 von Range erworben hatte.
[20] VÖLCKER-JANSSEN (wie Anm. 6), S. 135. Der nördlich an das Steinhaus angrenzende Bau ist jedoch identisch mit der Rangeschen Scheune.
[21] THOMAS (wie Anm. 1).
[22] MEDDING (wie Anm. 7).
[23] Werner MEYER-BARKHAUSEN, Alte Städte zwischen Main und Weser: Corbach, Verlag H.W. Urspruch, Korbach 1923, S. 29.
[24] PFLUG (wie Anm. 1), S. 117.
[25] PFLUG (wie Anm. 1), S. 117.
[26] PFLUG (wie Anm. 1), S. 117.