Berndorfer Tor (Korbach)

Rekonstruktionszeichnung des Berndorfer Tores (unbekannter Künstler)
Die Zeichnung ist auf einer Informationstafel am ehemaligen Standort des Tores angebracht
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Das Berndorfer Tor war das nördliche Stadttor in der Stadtbefestigung von Korbach.

Geschichte

Im Jahre 1370 gestattete Graf Heinrich VI. von Waldeck den Korbachern, ihre Stadt weiter nach Bedarf zu befestigen. Die Arbeiten scheinen jedoch nicht sofort begonnen worden zu sein, da bei dem Aufstand der Zünfte von diesen geklagt wird, der Rat habe die Mauern der Stadt verfallen lassen, so daß sie "allenthalben offen stünden". [1] Nach der Vereinigung beider Städte (1377) wurden die Ausbesserungs- und Erneuerungsarbeiten jedoch schnell vorangestrieben und beide Städte mit einem zweiten Mauerring umgeben. Infolgedessen mußten auch die Tore zu Doppeltoren ausgebaut werden. Das einst am äußeren Enser Tor angebrachte Relief des Stadtwappens, der sogenannte Kilianstein mit der Inschrift "Sanctus Kilianus / anno domini mccccxiiii in vigilia ascentionis .....", d.h. den 16. Mai, dem Tage vor Himmelfahrt des Jahres 1414, bezeichnet vielleicht das Jahr der Vollendung. [2]

Das Berndorfer Tor wurde erstmals 1409 urkundlich erwähnt. [3] In einem Kaufvertrag vom 24. Februar 1459 ist ein Flechtdorfer Tor, "bei Dietrich Segeners Garten neben der Kalkrose" gelegen, erwähnt. [4] Hiermit dürfte das Berndorfer Tor gemeint sein, das gleichermaßen in Richtung Berndorf und Flechtdorf wies. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden alle fünf Stadttore als Verkehrshindernisse entfernt, nachdem wiederholt Fuhrwerke in den engen Toren stecken geblieben waren. Das Tränketor wurde 1831 auf Veranlassung des Bürgermeisters Schleicher abgebrochen, die Steine zum Chausseebau verwandt. 1836 folgte das Lengefelder Tor. Ein Turm des Außentores blieb erhalten und wurde später in das "Kümmellsche Gartenhaus" einbezogen. 1838 wurde das Berndorfer Tor abgebrochen. An Stelle des Außentores wurden 1839 zwei von Ferdinand von Rheins entworfene Torpfeiler aufgestellt. 1843 kam das Dalwigker Tor an die Reihe. Als letztes wurde das Enser Tor abgebrochen. [5]

Am 12. Oktober 1836 schreibt der damalige Landesbaumeister Lössel aus Arolsen an die Stadt Korbach:

"Am 6ten d. M. trug es sich wieder zu, daß der Fuhrmann Bauerwald aus Hallenberg mit einem Fuder Wolle, welche er von Corbach nach Aachen zu fahren hatte, in dem Berndorfer Thore zu Corbach stecken blieb und den Wagen mit zwölf Pferden gewaltsam hindurchreißen mußte."

Diesen Vorfall nahm die Regierung zum Anlaß, am 21. Oktober 1836 nochmals eine Änderung des Zustands zu fordern. Der Magistrat der Stadt antwortete mit Schreiben vom 31. März 1837, daß beim Abbruch auch die Mauern rechts und links des Tores abgerissen und zurückgesetzt werden müßten, damit die Straße erweitert werden könne. Der Geheimrat Varnhagen habe sich bereit erklärt, für den Abbruch der Mauer und die neue Einfriedung seines Grundstücks 50 Taler zuzuschießen. Dasselbe müsse auch von der Fürstlichen Regierung bezüglich des herrschaftlichen Hagens gefordert werden. Im übrigen müsse die Regierung die gesamten Abbruchkosten übernehmen wie seinerzeit beim Abgruch der Stadttore in Mengeringhausen. Die Stadt einigte sich mit der Regierung auf einen Zuschuß von 100 Talern. Am 18. Januar 1838 wurden die Abbrucharbeiten von der Stadt vergeben. Das auf dem Tor stehende Haus wurde auf Abbruch für 36 Taler an den Zimmermeister Richter verkauft. Den Abbruch des Tores selbst übernahm der Maurermeister Birkenhauer für 14 Taler und 30 Silbergroschen. Im folgenden Jahr 1839 wurden die Mauern des Herrschaftlichen und des Varnhargenschen Hagens zurückgesetzt und damit die Straße zwischen dem inneren und äußeren Berndorfer Tor erweitert. Beim Bau des Hartwigschen Hauses - später Hotel zur Post bzw. Kaufhaus Konze - und des Postamtes wurden auch diese Mauern wiederum abgerissen. Auf Anregung und nach dem Entwurf des Gymnasialdirektors Ferdinand von Rheins (* 02.08.1788 in Arolsen; 27.06.1848, ledig) und mit Unterstützung mehrerer Bürger wurden 1839 an die Stelle des inneren Tores zwei Torpfeiler gesetzt, die aus Volkmarser Sandsteinen von Carl Eberley für 80 Taler angefertigt wurden. Bereits 1839 wurde vom Gemeinderat die Entfernung der Torpfeiler beschlossen, da sie den Verkehr hinderten. Sie wurden später als Torpfeiler zum Krankenhaus in etwas modernerer Form wiederaufgestellt. [6]

Der Standort des Berndorfer Tores ist der Bereich der Altstadt, der im 19. und 20. Jahrhundert die größten Veränderungen erfahren hat. Heute befindet sich hier ausschließlich moderne Architektur, so daß die Zugehörigkeit zur Altstadt kaum mehr auszumachen ist. Als erste Baumaßnahme nach Abriß des Berndorfer Tores wurde 1864 in den Hagen zwischen den Stadtmauern ein Wohnhaus mit Scheune gesetzt. 1870 wurde in dem Haus ein Gasthof eingerichtet, das spätere "Hotel zur Post". Nach mehreren Umbauten und Erweiterungen, unter anderem mit einem Kino ("Capitol") wurde das Hotel 1980 abgerissen und an seine Stelle ein modernes Geschäftshaus gesetzt (früher Kaufhaus Konze, z.Zt. C&A, Quickschuh). Nördlich daran anschließend wurde 1911 von Jacob Markhoff das Gebäude des heutigen Modehauses Manhenke (Am Berndorfer Tor 4) errichtet. Gegenüber ist im Jahr 1913 der Altbau der früheren Buchhandlung Schreiber (Seit März 2016: Thalia), Professor-Bier-Straße 3, von dem Buchhändler Carl Schreiber auf einem zwischen der inneren Stadtmauer und dem Hinter dem Kloster gelegenen Garten erbaut worden.

Historisches Erscheinungsbild

Das Aussehen des Berndorfer Tores ist nicht überliefert. Der bekannte Kupferstich von Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1605 zeigt die Stadt aus Südosten, so daß das gegen Norden gerichtete Berndorfer Tor nicht zu sehen ist. Die beiden zu erkennenden Tore, das Dalwigker Tor und das Tränketor sowie Darstellungen des Enser Tores aus dem 19. Jahrhundert, weisen jedoch darauf hin, daß alle Stadttore von ähnlicher Bauart gewesen sein könnten, so daß auch für das äußere Berndorfer Tor eine Tordurchfahrt mit Walmdach zu vermuten ist. Der Torweg wird zwischen zwei Zwingermauern hindurch bis zum inneren Tor geführt haben. Wie auch die anderen Tore wird es von ein oder zwei Verteidigungstürmen flankiert gewesen sein. Der Stich von Dilich läßt zudem einen hohen, zur Stadtseite hin flachen Turm östlich des Berndorfer Tores erkennen, vielleicht im Bereich des früheren Parkdecks und des 2015 neu geschaffenen Parkplatzes. Möglicherweise hatte der Grundriß des Turms Ähnlichkeiten mit dem Tylenturm. Es könnte sich jedoch auch um einen Torturm mit Durchfahrt gehandelt haben (siehe Rekonstruktionszeichnung oben), der etwa im Bereich der zum "Loch" führenden heutigen Treppenanlage zu suchen wäre.

Pförtner

Marcus Richter (Bürger 1657), Hinter dem Kloster 29.

Bilder

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Anmerkungen

[1] Wolfgang MEDDING (Bearb.), Korbach - Die Geschichte einer deutschen Stadt, Stadt Korbach (Hrsg.), 2. Auflage 1980, S. 96.
[2] Albert LEISS, Chronik der Stadt Korbach, II. Teil (1377-1434), in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont, 18. Band (1920), S. 55-84 [62], meint hingegen, der Stein belege das Datum 7. Juli 1414.
[3] Hermann THOMAS/Karl WILKE (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 2, Professor-Bier-Straße - Hinter dem Kloster - Bunsenstraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.), 2. Auflage 1998, S. 1.
[4] Bernd KRÖPELIN (Bearb.), Korbacher Urkunden - Regesten, Band 4, Stadtarchiv Korbach [Hrsg.] 1998, S. 172 (Nr. 507).
[5] Alle Angaben nach Wolfgang MEDDING, Korbach - Die Geschichte einer deutschen Stadt, 2. Auflage, Korbach 1980, S. 97.
[6] Alle Angaben nach THOMAS/WILKE (wie Anm. 3), S. 1-2. Dort heißt es weiter, die Steine befänden sich "heute", also 1998, auf dem alten Friedhof als Abgrenzung zur Schulstraße hin.