Kalkhagen (Korbach)

Als Kalkhagen wird der Teil der Stadtbefestigung von Korbach bezeichnet, der zwischen dem Berndorfer Tor und dem Tränketor liegt.

Geschichte

Die Grünstreifen zwischen dem Doppelring der Stadtmauer werden als Zwinger oder Hagen bezeichnet. Die Abschnitten zwischen jeweils zwei Toren oder Verteidigungstürmen haben unterschiedliche Namen erhalten: der Katthagen im Süden zwischen Dalwigker Tor und Enser Tor, der Schießhagen im Südwesten zwischen Enser Tor und Schulstraße, der Totenhagen im Westen zwischen Schulstraße und Rotem Turm, der Herrschaftliche Hagen im Nordwesten zwischen Rotem Turm und Berndorfer Tor sowie der Kalkhagen im Nordosten. Zwischem dem Tränketor und dem Dalwigker Tor im Osten war die Mauer lediglich einfach ausgeführt, so daß ein Hagen fehlte. Der Verteidigungsstreifen zwischen dem Mauern waren mit einem Mittelwall versehen, an dessen Talseiten entlang der Mauern sich Wassergräben befanden. Im Kalkhagen wurde dieser Wassergraben durch einen Abzweig der Kuhbach gespeist, der hier sogar eine Mühle getrieben haben soll. Im Kalkhagen soll sich deshalb kein Mittelwall befunden haben. Am Kalkhagen haben sich nördlich der Klosterpforte die Reste des Hexenturms erhalten.

Anläßlich der Debatte über die weitere Bebauung des Kalkhagens im Dezember 2008 verteidigte der Stadtverordnete Daniel May (Grüne) die Bebauungspläne mit dem Argument, bei der kleinen Kalkmauer (der äußeren Mauer) handele es sich gar nicht um ein historisches Bauwerk. In diesem Bereich sei früher Sumpfgelände gewesen, die Stadtmauer in diesem Bereich deshalb nur einfach ausgeführt gewesen, das habe er schon im Heimatkundeunterricht in der dritten Klasse gelernt. [1] Diese Einschätzung war jedoch nicht zutreffend. Wie sich aus dem Kupferstich von Dilich aus dem Jahr 1605 ergibt, befand sich zwischen Tränketor und Berndorfer Tor ein doppelter Mauerring. Bereits 1879 wird darauf hingewiesen, daß sich auch an der Ostseite der Stadt ein doppelter Maurring erhalten habe.[2] Obgleich die äußere Mauer an der Straße "An der Kalkmauer" heute in weiten Teilen auf die Höhe einer Gartenmauer heruntergebrochen ist, gibt es keinen Hinweis darauf, daß dieses Teilstück nicht mittelalterlichen Ursprungs ist und die Verteidigungsanlage hier nur mit einer einfachen Mauer ausgeführt war. Es ist ferner nicht ersichtlich, wann und zu welchem Zweck in jüngerer Zeit ein zweiter, in der Höhe sehr unregelmäßiger Mauerring in diesem Bereich gebaut worden sein sollte. Die Reste eines verstärkenden Strebepfeilers an der äußeren Kalkmauer in der Nähe des früheren Parkdecks/seit 2015 Parkplatz beweist, daß auch die äußere, "kleine" Kalkmauer mittelalterlichen Ursprungs ist. Offenbar hatte der Stadtverordnete May die Kalkmauer mit der "Allee", dem Mauerabschnitt zwischen Tränketor und Dalwigker Tor verwechselt.

Anmerkungen

[1] Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, Ausgabe vom 19. Dezember 2008: " Bebauung an der Kalkmauer möglich - Stadt ändert Bebauungsplan: Gemischte Baufläche statt öffentlicher Grünanlage".
[2] Hermann GENTHE, Geschichte der Stadt Corbach - Festschrift zur 3. Säkularfeier des Fürstlich Waldeckischen Landesgymnasiums zu Corbach, Mengeringhausen 1879, S. 55.