Stechbahn 26 (Korbach)

Das Haus Stechbahn 26 im Juni 2017.
Anklicken für größere Version.

Das Haus Nr. 26 auf der Stechbahn ist ein im Jahr 1843 von dem Gastwirt Heinrich Wilhelm Range errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

1. Der von Range abgerissene Vorgängerbau war um 1691 von Johannes Hennen (* um 1642; begr. 18.03.1718, 76 Jahre) auf der Brandstätte eines beim Stadtbrand von 1664 zerstörten Hauses erbaut worden. Dessen Eigentümer lassen sich nicht sicher feststellen. Johannes Hennen war der Sohn des Bürgermeisters Stephan Henne und dessen Frau Catharina, Geburtsname unbekannt. Er heiratete am 5. Dezember 1677 Elisabeth Bracht (* um 1646; begr. 18.08.1710, 64 Jahre), Tochter des Arndt Bracht aus Külte und dessen Frau Anna Elisabeth, Geburtsname unbekannt. [2] Johannes Hennen erwarb 1677 die Bürgerrechte, war Ratsmitglied in den Jahren 1683, 1685, 1689, 1691 und 1696 sowie Unterbürgermeister 1701. Im Kataster der Altstadt I, S. 117 heißt es, das Wohnhaus sei 1691 noch nicht ausgebaut.

2. Nachfolger im Eigentum war Johann Henrich Hennen, Sohn von Nr. 1. Er war verheiratet mit seiner Sophia Elisabeth, Geburtsname unbekannt (begr. 15.08.1715). Über ihn gibt es sonst keine Nachrichten in Korbach.

3. Zu einem unbekannten Zeitpunkt erwirb der Metzgermeister Johannes Asmuth (~ 04.02.1685; begr. 28.03.1756) das Haus. Er war der Sohn des Jost (Justus) Asmuth (Klosterstraße 22) und der Susanne Todt. Am 29. Mai 1711 vermählte er sich mit einer Charlotte Maria, Geburtsname unbekannt (* um 1691; begr. 09.01.1746, 55 Jahre). Eine zweite Ehe ging er am 13. November 1748 mit Catharina Bunsen (~ 03.10.1702; begr. 22.02.1759) ein, Tochter des Johannes Bunsen. Sie hatte am 29. Oktober 1732 in erster Ehe Johann Daniel Waldschmidt (* 21.02.1677; 03.04.1748) geheiratet, Accisen-Einnehmer in Wildungen.[3] Johannes Asmuth erwarb 1711 die Bürgerrechte und war Ratsmitglied in den Jahren 1723 und 1725. In den Jahren 1730, 1732, 1739 und 1740 war er Ratsrentmeister.

4. 1754 wird der Metzgermeister Hermann Asmuth (~ 30.01.1718; begr. 03.01.1758), Sohn von Nr. 3, als neuer Eigentümer eingetragen. Er erwarb 1744 die Bürgerrechte und heiratete am 22. April desselben Jahres Johanna Catharina Tent (~ 27.09.1722; begr. 23.11.1755), Tochter des Metzgermeisters Johann Georg Tent und der Margarethe Mirk, verwitwete Weber. Seine zweite Ehefrau hieß Engel Margarethe Grote (* um 1732; 07.02.1805, 73 Jahre), die ihrerseits eine zweite Ehe mit Christoph Schminke (Nr. 5) einging.

4. Mit den Tod von Nr. 4 ging das Haus auf seine Witwe aus zweiter Ehe über. Sie war lange Jahre Hebamme in Korbach .Im Kirchenbuch der Altstadt findet sich über sie der folgende Eintrag: "Das letzte Kind, was sie am 1. Februar noch zur Welt beförderte, war ihr Enkelchen."

5. Durch die am 12. Januar 1761 geschlossene Ehe mit Engel Margarethe Grote, Witwe von Nr. 4, wurde 1761 der Schlossermeister Christoph Schmicke (* um 1740 in Anraff; 10.03.1792, 52 Jahre) neuer Eigentümer. Er war der Sohn des Hermann Schminke in Anraff. Über seinen Tod heißt es im Kirchenbuch der Altstadt: "Er war vom 10ten auf den 11ten abends von Meineringhausen gegangen, hatte sich auf dem Wege verirrt, und ist hinter den Stöcken erfroren tot gefunden." Schminke erwarb 1761 die Bürgerrechte und war in den Jahren 1769/70, 1778/79 und 1786 Dechant der Schmiedeinnung.

6. 1765 kaufte der Kaufmann Balthasar Schwarz (* um 1716 in Breidenbach/Fürstentum Schwarzburg, Thüringen [Großbreitenbach?]; 26.05.1782, 66 Jahre). Am 7. Oktober 1757 heiratete er Marie Wilhelmine Bertold (* um 1734 in Ober-Waroldern; 10.09.1799). Sie war die Witwe des Schuhmachermeisters Johann Daniel Range.

7. Durch Eheschließung gelangte das Haus im Jahr 1794 in den Besitz des Schreinermeister Johann Justus Wille (* 03.03.1765; 18.10.1838), indem er am 26. Februar 1794 Marie Wilhelmine Eberhard (* 19.12.1771; 12.02.1815) heiratete, Tochter von Nr. 6. Wille war der Sohn des Schreinermeisters Johann Justus Wille und der Anna Eva Maria Weiffenbach.

8. Im Jahr 1840 kaufte der Metzermeister Henrich Wilhelm Range (* 02.10.1800; 15.04.1873) das alte Haus und ließ es 1843 durch den heutigen Bau ersetzen. Er war jüngste Sohn des Wirts der "Waage" (Marktplatz 5) Franz Range und der Maria Dorothea Nelle. Am 1. Februar 1835 heiratete er Friederike Wilhelmine Christiane Nelle (* 03.03.1816; 17.02.1898), Tochter des Metzgermeisters Carl Georg Wilhelm Nelle und der Marie Henriette Wacker. Range erwarb 1834 die Bürgerrechte und wurde Nachfolger seines Vaters als Wirt der "Waage". Das neu errichtete Haus war von 1843 bis 1863 steuerfrei.

9. Nach dem Tod von Nr. 8 erbte 1873 dessen Sohn Friedrich Wilhelm Christian Range (* 29.02.1836; 29.10.1918) das Haus. Er heiratete am 11. Juni 1876 Sophie Wilhelmine Henriette Luise Frese (* 04.06.1851; 05.03.1938), Tochter des Waagenwirts Carl Ludwig Frese und der Henriette Caroline Philippine Auguste Otto. Wilhelm Range war 1870 Burschenkönig, und zweimal Schützenkönig (1885-88 und 1897-1900), gehörte lange Jahre dem Gemeinderat an und spielte im öffentlichen Leben eine tragenden Rolle. Mit seinem Tod starb die 1579 von Geismar eingewanderte Familie Range im Mannesstamm in Korbach aus.

10. 1919 erwarb der Gast- und Landwirt Ludwig Schönhardt (* 27.09.1882; 31.05.1925) das Gebäude. Er war der Sohn des Schieferdeckers Heinrich Schönhardt und der Marie Wacker. Am 9. September 1917 vermählte er sich mit Karoline Fingerhut (* 05.02.1888; ? nach 1959), Tochter des Wilhelm Fingergut und der Marie Lückel.

13. 1925, nach dem Tod ihres Mannes, wurde Karoline Fingerhut neue Eigentümerin. Sie heiratete in zweiter Ehe am 16. September 1934 den Gastwirt und Bierverleger Christian Friedrich Heinrich Steuber (* 22.08.1886 in Lelbach; ? nach 1959), Sohn des Christian Steuber aus Goldhausen und der Luise Wagner aus Lelbach.[4]

14. Die weiteren Eigentümerwechsel sind hier nicht bekannt.

In dem Haus befindet sich schon seit vielen Jahrzehnten eine Gastwirtschaft. Aktuell das italienische Restaurant "Bei Maurizio", davor "Gaststätte Kilian". In dem oberen Stockwerk befand sich früher ein kleiner Saal, der von verschiedenen Korbacher Vereinen als Vereinslokal benutzt wurde. 1956 wurden hier Gästezimmer eingebaut.

Erscheinungsbild

Der Vorgängerbau war ausweislich des Brandkassenregisters von 1784, Nr. 135, 42 x 38 Fuß[5] groß, mit einem Brandkassenwert von 250 Talern. Im Güterverzeichnis von 1757 wird es wie folgt gelistet:

"Hermannus Asmuth, Wohnhaus auf der Stechebahn zwischen Dr. Varnhagen [Anm.: Nr. 24] und Jacob Klöckner [Anm.: Nr. 28]. Das Haus hat das Brau und Pfirchrecht."

Das 1843 errichtete Haus ist ein schmuckloser, dreistöckiger Fachwerkbau. Als eines der wenigen Häuser in der Altstadt verfügt das Gebäude noch über eine Freitreppe vor dem Haus, die bei fast allen anderen Häusern zwischen 1930 und 1970 in die Gebäude verlegt worden sind. Unter dem Gebäude findet sich, wahrscheinlich noch von dem Vorgängerbau oder sogar von dem 1664 zerstörten Gebäude, ein tiefer Gewölbekeller, der heute noch als Speiseraum der Gastwirtschaft genutzt wird.

Bilder

Anklicken für größere Versionen.

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 5, Stechebahn - Violinenstraße - Heumarkt - Am Steinhaus, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 41-43. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Bei Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckischer Ortssippenbücher, Band 46, Külte, Waldeckischer Geschichtsverein e.V./Stadt Volkmarsen (Hrsg.), Korbach 1993, S. 126, Nr. 151, ist als ältester bekannter Vertreter der Familie Bracht ein Melchior Bracht genannt, der um 1661 die Ehe einging. Er könnte ein Bruder des Arndt Bracht gewesen sein. Der Vorname Arndt, auch in den Varianten Arend(t), kommt in den folgenden Generationen häufig vor.
[3] Eine ausführliche Biographie bei: Ernst WALDSCHMIDT, Die Waldeckische Familie Waldschmidt und die Vorfahren Waldschmidtscher Ehefrauen, Bad Wildungen 1927, S. 66-68.
[4] Eduard BUNTE (Bearb.), Waldecksche Ortssippenbücher, Band 5, Lelbach, Waldeckischer Geschichtsverein e.V. (Hrsg.), Arolsen 1956, Nr. 544.
[5] THOMAS (wie Anm. 1) gibt die entsprechenden Metermaße mit 13,2 x 11,9 Meter an und legt damit den preußisch/rheinländischen Fuß von rund 0,313 Metern zugrunde. Der waldeckische Fuß, der bis in das 19. Jahrhundert galt, betrug jedoch nur 0,2924 Meter, so daß alle Meterangaben bei THOMAS etwas zu groß sein dürften.