Stechbahn 24 (Korbach)

Das Haus Nr. 24 im Juni 2015.
Anklicken für größere Version.

Das Haus Nr. 24 auf der Stechbahn ist ein im Jahr 1894 von dem Sattlermeister Heinrich Nord errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

1. Der Vorgängerbau war um 1676 von dem Diakon und Pfarrer Johannes Scriba auf der Brandstätte des 1664 zerstörten Hauses des Conrad Krösen (Krause) erbaut worden. Johannes Scriba (* 03.06.1641 in Mengeringhausen; 14.05.1693) war der Sohn des Pfarrers Ditmar Scriba in Mengeringhausen und der Anna Margaretha Waldeck (Lengefelder Straße 3). Im Jahr 1669 heiratete er Anna Sidonia Orth (* 02.06.1647; ? zu Itter), Tochter des Fürstlich Hessischen Rentmeisters Henricus Orth und der Anna Maria Pistorius. Sie ging am 19. Januar 1701 eine zweite Ehe mit Johannes Magnus Knieper (Lengefelder Straße 5) ein.

2. 1707 wurde durch Eheschließung Dietrich Henrich (Henricus) Severin (* 15.03.1681 in Bochum; 17.05.1754) neuer Eigentümer. Er war der Sohn des Caspar Arnold Severin, Bürgermeister in Bochum und der Agneta/Agnes Elbers. 1700 ist er als Student in Duisburg bezeugt, später war er als Advokat in Korbach tätig. Am 16. September 1706 heiratete er Sabine Eleonore Scriba (* 09.07.1680; 07.03.1745), Tochter von Nr. 1. Von 1706 bis 1714 war Severin Stadtsekretär in Korbach, von 1714 bis 1717 Stadtkommissar. Ab 1717 war er Justiz- und Konsistorialrat in Mengeringhausen und ab 1724 Regierungsrat. Die Severins waren eine angesehene Familie in der Grafschaft Mark. Stammvater ist Johann(es) Arnold Severin, 1601 Rentmeister und Ratsherr zu Bochum. [2] Dessen Sohn, Georg Heinrich (1587-1635), war Bürgermeister zu Hattingen. Dieser hatte einen Sohn Georg (1622- ca. 1677), der Senator und Kirchenrentmeister in Bochum war. Dessen Sohn Kaspar Arnold war der Vater des Korbacher Stadtkommissars. Severins Frau, Sabine Eleonore Scriba, war eine Cousine seines Amtsvorgängers, Franz Tilemann Norlden, dessen Mutter eine Schwester der Anna Sidonia Orth war. Aus der Ehe Severin/Scriba gingen acht Kinder hervor, darunter eine Totgeburt und zwei Sterbefälle im Säuglingsalter. [3] Die Kinder waren:

a) Henrich Arnold Severin (* 04.07.1707; 18.03.1783 in Mengeringhausen), Regierungsrat in Mengeringhausen. Er heiratete am 9. Mai 1731 Albertine Johannette Scriba (* 29.04.1712; 16.oder 20.08.1753 in Mengeringhausen), Tochter des Einlösungskassen-Receptors Johannes Scriba in Korbach und seiner Gattin Anna Maria Kleinschmit. Albertine Johannete Scriba starb mit 40 Jahren im Kindbett, nachdem sie ihr 12. Kind zur Welt gebracht hatte. Eine zweite Ehe ging Severin am 3. August 1755 in Waldeck mit Maria Katharina Busch (* 13. Mai 1712 in Volkmarsen; 31.12.1767 oder 04.01.1768 in Mengeringhausen), Tochter des Apothekers Albert Christoph Busch in Külte und Witwe des Kammerrates Friedrich Julius Pape in Waldeck. [4]

b) Tochter (*/ 1709)

c) Sohn (* 1710; 1711)

d) Philipp Christian Severin (* 06.05.1712; 07.12.1732 als Student in Jena an "Lungensucht")

e) Charlotte Maria Gräffe, geb. Severin (* 19.08.1714; 06.06.1739) am 16.11.1731 mit Johann Friedrich Gräffe, Justitiar und Hofrat in Pyrmont

f) Sohn (*/ 1716, Totgeburt)

g) Luise Elisabeth Warneck, geb. Severin (* 17.01.1718; 27.09.1767) I. am 09.08.1737 mit Hieronymus Daniel August Warneck ( 27.09.1750), Hauptmann im 1. Waldeckischen Batallion in Holland; II. am 22.09.1752 mit Heinrich Gottfried Justus Varnhagen, Dr. med., Stadtphysicus in Korbach, Vater des Waldeckischen Geschichtsforschers Kirchenrat Johann Adolph Theodor Ludwig Varnhagen.

h) Lucretia Dorothea Elisabeth Kleinschmit, geb. Severin (* 21.09.1721; 02.03.1782) am 15.05.1747 mit Georg Wilhelm Kleinschmit, Superintendent in Korbach (Stechbahn 5).

3. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wird Hieronymus Daniel August Warneck (s.o., Nr. 2 g) neuer Eigentümer.

4. 1752 wird der zweite Ehemann von Nr. 2 g), Dr. med. Henrich Gottfried Justus Varnhagen (~ 02.05.1727; 02.05.1774) Eigentümer des Hauses. Er war der Sohn des Apothekers Johann Moritz Varnhagen (Stechbahn 4) und der Maria Catharina Bornemann. Er erwarb 1759 die Bürgerrechte.

5. Im Jahr 1778 erwarb der Bückermeisters Johann Christian Wilhelm Rappe (~ 13.04.1749; 07.04.1820) das Gebäude. Er war der Sohn des Schuhmachermeisters Johann Jacob Rappe und der Catharina Sybille Frese. Rappe war Bürger seit 1778, Dechant der Bäckergilde in den Jahren 1780, 1783 und 1791, Ratsmitglied 1787 und 1789 sowie Rentmeister im Jahr 1800. In Holland hatte er sich mit Anna Catharina Heinze aus Vöhl vermählt (* um 1731 in Vöhl; 07.08.1815, 84 Jahre). Die Ehe war kinderlos.

6. Der Metzgermeister Heinrich Wilhelm Nelle (~ 10.11.1751; 10.12.1815) wird 1810 als neuer Eigentümer verzeichnet. Er war der Sohn des Metzgermeisters Franz Conrad Nelle und der Maria Magdalena Jäger. Er heiratete am 10. November 1778 Maria Friderike Wilhelmine Urspruch (~ 07.08.1755; 18.08.1800; 47 [?] Jahre), Tochter des Schmiedemeisters Johann Daniel Urspruch und der Eva Catharina Crahn. Eine zweite Ehe ging er am 20. Juni 1815 mit Maria Louise Mirk (~ 17.08.1770; 28.01.1844) ein, Tochter des Henrich Samuel Mirk und der Maria Gertrud Urspruch.

7. Im Wege der Erbfolge wurde 1851 der Uhrmacher Georg Friedrich Wilhelm Nelle (* 08.02.1818; 09.05.1858), Sohn von Nr. 6, neuer Eigentümer. Er ging am 16. Februar 1851 die Ehe mit Johanne Henriette Friederike Siebert (* 02.02.1819 in Arolsen; 05.02.1863) ein. Sie war die Tochter des Musikus Friedrich Siebert aus Arolsen und der Maria Henriette zur Mühlen. Deren Sohn Friedrich Nelle verlegte das Uhrmachergeschäft in die Lengefelder Straße 4. Später übernahm das Geschäft der Uhrmachermeister Heinrich Nelle, der es 1920 in das Haus Professor-Kümmell-Straße 4 verlegte.

8. Im Jahr 1860 kaufte der Weißgerbermeister Ernst August Christian Emmerich (* 12.08.1825; 21.05.1877) das Haus. Er war der Sohn des Weißgerbermeisters Heinrich Friedrich Christian Emmerich und der Sophie Christiane Krummel. Am 9. April 1849 heiratete er Maria Friederike Johannette Schlömer (* 27.12.1824); 30.01.1906), Tochter des Hospitalmeiers und Schreinermeisters Friedrich Wilhelm Schlömer und der Marie Christine Stockhausen aus Flechtdorf. Ernst Emmerich erwarb 1849 die Bürgerrechte und verzog nach dem Verkauf dieses Hauses in die Klosterstraße 19.

9. 1871 erwarb der Land- und Gastwirt Friedrich Wilhelm Christian Range (* 29.02.1836; 29.10.1918) das Anwesen. Er war der Sohn des Waagenwirts Henrich Wilhelm Range (Stechbahn 26) und der Friedrike Nelle. Am 11. Juni 1876 heiratete er Sophie Wilhelmine Henriette Luise Frese (* 04.06.1851; 05.03.1938), Tochter des Waagenwirts Carl Ludwig Frese und der Henriette Caroline Philippine Auguste Otto. Wilhelm Range erwarb 1876 die Bürgerrechte. Er war Burschenkönig 1870 und Schützenkönig von 1885-1888 sowie von 1897 bis 1900. Viele Jahre gehörte er dem Gemeinderat an und nahm im öffentlichen Leben der Stadt eine große Rolle ein. Mit sienem Tode starb die 1579 von Geismar eingewanderte Familie Range im Mannesstamm in Korbach aus.

10. Im Jahr 1887 wurde der Sattlermeister Heinrich Nord (* 21.08.1850 in Goddelsheim; 18.06.1939) Eigentümer. Nicht ganz klar ist, ob Nord das alte Haus abreißen ließ oder der Abriß noch von Wilhelm Range veranlaßt worden ist. Jedenfalls ließ Heinrich Nord im Jahr 1894 das heutige Haus auf dem Grundstück errichten. Er war der Sohn des Sattlers Ferdinand Nord und der Karoline Huneck, beide aus Goddelsheim. Am 13. April 1875 heiratete er in Goddelsheim Minna Heinemann (* 21.03.1848 in Bachra; 17.08.1918), Tochter des Landwirts Christian Heinemann und der Sophie Thiele, beide aus Bachra bei Kölleda. [5] Heinrich Nord führte auch Bestattungen aus und schaffte 1902 den ersten Leichenwagen in Korbach an (Corbacher Zeitung Nr. 70 vom 19. Juni 1902).

11. 1939 erbte der Sattlermeister Walter Nord (* 18.02.1890; 14.10.1944 bei Trier [gefallen]) das Haus. Er war der Sohn von Nr. 10 und heiratete am 29. Juni 1919 in Sachsenhausen Marie Kleppe (* 11.01.1890; nach 1959), Tochter des Land- und Gastwirts Wilhelm Kleppe und der Wilhelmine Stein, beide aus Sachsenhausen. Sie ging am 7. März 1959 eine zweite Ehe mit dem Kaufmann Paul Dost aus Magdeburg ein.

12. Mit dem Tod von Nr. 11 ging das Haus 1944 auf dessen Witwe über.

13. Derzeit ist das Haus in Besitz eines Korbacher Kaufmanns, der es gründlich sanieren ließ. [6]

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 5, Stechebahn - Violinenstraße - Heumarkt - Am Steinhaus, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 39-41. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Eine weiterführende Stammtafel findet sich bei heidermanns.net.
[3] Alle Angaben nach: Hermann STEINMETZ/Wilhelm HELLWIG/Helmut NICOLAI (Bearb.), Die Stadtsekretäre in Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1953, S. 15; Hermann STEINMETZ (Bearb.), Die Stadtcommissare in Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1954, S. 27-28.
[4] Herbert VOIGT/Christian MEUSER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 89, Mengeringhausen, Waldeckischer Geschichtsvereins e.V. (Hrsg.), Bad Arolsen 2014, S. 480, Nr. 6358, 6359. Über die zahlreichen Nachkommen aus erster Ehe vgl. Ernst WALDSCHMIDT, Die Waldeckische Familie Waldschmidt und die Vorfahren Waldschmidtscher Ehefrauen, Bad Wildungen 1927.
[5] Vgl. zur Familie Nord aus Goddelsheim: Eckhard Schmidt (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 28, Goddelsheim, Waldeckischer Geschichtsverein e.V. (Hrsg.), Arolsen 1986, S. 302, Nr. 1888.
[6] Hans OSTERHOLD, Meine Stadt - Korbacher Bauten erzählen Stadtgeschichte, aktualisierte Auflage 2011, Magistrat der Stadt Korbach (Hrsg.) 2011, S. 76.