Schießhagen (Korbach)

Der obere Schießhagen im Mai 2015.
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Als Schießhagen wird der Teil der südwestlichen Stadtbefestigung der Altstadt von Korbach bezeichnet, der zwischen dem Enser Tor im Süden und der Schulstraße im Norden liegt.

Geographie

Der Schießhagen verläuft von der Schulstraße auf 386 m ü. NHN zunächst rund 60 Meter (Mittellinie) in ostsüdöstliche Richtung und wendet sich am Treffpunkt von Alt- und Neustadtmauer richtung Südosten. Er endet nach weiteren 150 Metern (Mittellinie) auf ca. 379 m ü. NHN am Enser Tor. Der Hagen zwischen Innen- und Außenmauer ist ca. 35 Meter breit. An der weitesten Stelle, zwischen dem Haus Violinenstraße 2 und der Außenmauer südlich der Bühne des Freilichttheaters, ist der Hagen rund 65 Meter breit.

Die Grünstreifen zwischen dem Doppelring der Stadtmauer werden als Zwinger oder Hagen bezeichnet. Die Abschnitten zwischen jeweils zwei Toren oder Verteidigungstürmen haben unterschiedliche Namen erhalten: der Katthagen im Süden zwischen Dalwigker Tor und Enser Tor, der Schießhagen im Südwesten zwischen Enser Tor und Schulstraße, der Totenhagen im Westen zwischen Schulstraße und Rotem Turm, der Herrschaftliche Hagen im Nordwesten zwischen Rotem Turm und Berndorfer Tor sowie der Kalkhagen im Nordosten zwischen Berndorfer Tor und Tränketor. Zwischem dem Tränketor und dem Dalwigker Tor im Osten war die Mauer lediglich einfach ausgeführt, so daß ein Hagen fehlte. Der Verteidigungsstreifen zwischen dem Mauern waren mit einem Mittelwall versehen, an dessen Talseiten entlang der Mauern sich Wassergräben befanden. Im Kalkhagen wurde dieser Wassergraben durch einen Abzweig der Kuhbach gespeist, der hier sogar eine Mühle getrieben haben soll. Im Kalkhagen soll sich deshalb kein Mittelwall befunden haben. Am Kalkhagen haben sich nördlich der Klosterpforte die Reste des Hexenturms erhalten.

Im Schießhagen trifft hinter dem Haus Violinenstraße 2 die Innenmauer der Neustadt im rechten Winkel auf die Innenmauer der Altstadt. In diesem Winkel ist noch ein Rest des ehemals an den Mauern entlang laufenden Wassergrabens zu erahnen. Der Graben war bis in die 1980er Jahre noch stärker ausgeprägt, ist aber im Zuge der Anlage des dortigen Kinderspielplatzes und der Einbeziehung des Geländes als Schauspielerzugang zur Freilichtbühne eingeebnet worden. Zwischen der inneren und äußeren Stadtmauer war ein Erdwall aufgeschüttet, der von Wassergräben umgeben war. Erst im 19. Jahrhundert begann man, den Erdwall zwischen den Stadtmauerringen zu planieren und die Wassergräben trocken zu legen. Statt dessen wurden die Friedhöfe im Hagen vergrößert und Obstgärten dort angelegt. Der im oberen Teil des Schießhagens zu findende runde Hügel auf der Bühne des heutigen Freilichttheaters blieb auf Anordnung des Apothekers Karl Kümmell (1847-1889, Professor-Kümmell-Straße 2), der als Mitglied des Gemeinderates die Planierungsarbeiten zu leiten hatte, als letztes Zeugnis des Mittelwalls erhalten. Zur Erinnerung soll er die Pflanzung der Linde auf den Hügel veranlasst haben, die heute das Bild der Freilichtbühne prägt. [1] Bei einem Rückschnitt der Linde im Juli 2018 wurde das Alter des Baumes indes auf 180 bis 250 Jahre geschätzt. [2] Die Freilichtbühne wurde 1937 angelegt. [3]

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann KÜMMELL, Erinnerungen an die Corbacher Gymnasialzeit, in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont, Band 19/20 (1921), S. 19-37 [25-26].
[2] Wilhelm FIGGE, Linde auf der Bühne wird gekürzt - Hauptstamm und größter Ast werden abgesägt, um Naturdenkmal zu erhalten, in: Waldeckische Landeszeitung, Ausgabe vom 19.07.2018, S. 8.
[3] Hermann BING, der "Dramatische Verein" in Korbach - Der Bau der Korbacher Freilichtbühne, in: Mein Waldeck, Beilage der "Waldeckischen Landeszeitung" für Heimatfreunde, Nr. 6/1997.