Stechbahn 34 (Korbach)

Das weiße Gebäude in der Bildmitte, vor dem das Fahrzeug steht, ist das Nr. 34. Rechts davon Am Steinhaus 1. Links von Nr. 34 das Haus Nr. 36, links oberhalb die "Waage" (Marktplatz 5)

Das Haus Nr. 34 auf der Stechbahn war ein um 1845 von Georg Franke errichtetes und 1974 abgerissenes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1] Das frühere Haus an dieser Stelle gehörte dem Bäckermeister Georg Anton Schotte. Es wurde 1836 wegen Einsturzgefahr abgebrochen Das Haus befand sich an der Stelle, an der heute die Enser Straße in die Stechbahn einmündet, zwischen den Häusern Marktplatz 5 und Am Steinhaus 1.

Geschichte

1. Zur Zeit des Stadtbrandes von 1664 wohnte hier sehr wahrscheinlich Johannes Hampe.

2. Im Jahr 1713 wird Ludwig Crayß/Kreyß/Kreis (~ 11.03.1688; begr. 20.04.1740), Sohn des Henricus Crayß und der Gertrud Engelhardt, als neuer Eigentümer genannt. Er heiratete am 1. August 1713 Margarethe Dietzel, Tochter des Henricus Dietzel und der Anna Gertrud Schäfer aus Nordenbeck. [2] Eine zweite Ehe ging er am 23. April 1737 mit Martha Charlotte Figge ein. Ludwig Crayß erwarb 1722 das Haus Enser Straße 1a.

3. 1717 erwarb Johann Henrich Becker (* um 1688 in Eppe; begr. 25.02.1750) das Haus. Seine Frau hieß Anna, Geburtsname nicht bekannt (* um 1678; begr. 24.12.1747, 69 Jahre).

4. 1736 wurde das Anwesen auf den Metzgermeister Johannes Becker (~ 21.06.1716; 13.07.1776) übertragen, Sohn von Nr. 3. Er heiratete im Januar 1736 Maria Catharina von der Emde aus Helmscheid. [3]

5. Durch Eheschließung ging das Haus 1777 auf den Metzgermeister Johann Henrich Kaiser (* um 1739 in Goldhausen; 30.03.1791) über, indem er am 8. August 1769 Maria Elisabeth Becker (~ 19.10.1746; 27.11.1823) heiratete, Tochter von Nr. 4. Er war der Sohn des Christoph Kaiser in Goldhausen. [4]

6. Ebenfalls durch Heirat erwarb 1794 der Bäckermeister Georg Anton Schotte (~ 02.06.1763; 06.05.1818) das Haus. Er war der dritte Sohn des Bäckermeisters Johann Justus Schotte und der Marie Elisabeth Weber. Er vermählte sich am 29. November 1793 mit Catharina Eleonore Kaiser (~ 09.09.1770; 13.06.1834), älteste Tochter von Nr. 5. Sie war lange blind. Schotte erwarb 1793 die Bürgerrechte.

7. Um das Jahr 1845 kaufte der Schuhmacher und Steuerexecutor Georg Friedrich Wilhelm Franke (* 26.02.1810; 08.02.1878) das Anwesen. Er war der Sohn des Schuhmachers Christian Franke und der Anna Catharina Sieke. Er hatte 1843 das gegenüberliegende elterliche Haus Stechbahn 17 geerbt, veräußerte es jedoch alsbald und erwarb das vorliegende Haus. Franke hatte seit 1835 die Bürgerrechte inne und heiratete am 27. Mai 1838 Marie Christiane Margarethe Kahlhöfer (* 22.05.1803; 13.01.1872), Tochter des Tagelöhners Friedrich Kahlhöfer und der Sophie Louise Becker aus Rhena.

8. 1871 wurde der Schuhmacher Ludwig Carl Friedrich Christian Franke (* 10.02.1841; 03.05.1886), Sohn von Nr. 7, neuer Eigentümer. Er heiratete am 2. Oktober 1864 Caroline Friedrike Wilhelmine Dietzel (* 30.01.1843; 1912 in Frankfurt/Main), Tochter des Landwirts Carl Friedrich Wilhelm Dietzel und der Wilhelmine Louise Auguste Brüne. Franke erwarb 1865 die Bürgerrechte.

9. Im Jahr 1879 kaufte der Metzger Michael Kugelmann (* 13.06.1850 in Höringhausen; 28.11.1908) das Haus. Er war der Sohn des Moses Kugelmann (* 1803 in Sachsenhausen; ?) und der Reichell/Rahel Jacob aus Höringhausen (* ?; 08.01.1889). [5] Am 22. November 1877 vermählte er sich mit Friederike (Rickchen) Markhoff (* 01.05.1855; 08.11.1888). Sie stammte aus dem gegenüberliegenden Haus Marktplatz 5a. Das Paar hatte fünf Kinder:

a) Rebecca Kugelmann (* 01.11.1878; 23.09.1950 in Essen), ledig
b) Max Kugelmann (* 11.06.1880; ?) 27.06.1905 in Hamburg mit Senta Kaiser. Er verzog 1905 nach Osnabrück
c) Siegmund Kugelmann (* 14.12.1881; ?), Lengefelder Straße 9, 26.02.1911 in Padberg mit Betty Rosenbaum aus Padberg
d) Isidor Kugelmann (* 03.03.1886; ?)
e) Helene Kugelmann (* 08.10.1888; ?) 02.03.1911 mit Moritz Mildenberg aus Vöhl. Die Eheleute Mildenberg hatten zwei Kinder. Die Ehe wurde am 25. Januar 1924 geschieden. Helene Kugelmann nahm wieder ihren Mädchennamen an und meldete sich 1928 mit ihren Töchtern Ruth (* 08.12.1911 in Vöhl) und Else (* 10.10.1914 in Vöhl) nach Dortmund ab.

10. 1908 kaufte Marie Schönhardt, geborene Wacker (* 22.08.1857; 27.12.1914) das Haus von den Erben von Nr. 9. Sie war die Tochter des Bäckermeisters Carl Wacker und der Marie Muß. Sie war verheiratet mit dem Gastwirt Heinrich Schönhardt. Ihrem Sohn gehörte das Nachbarhaus Stechbahn 36.

11. 1923 erbte Maria Schönhardt (* 06.04.1882; ?) das Gebäude. Sie war die Schwiegertochter von Nr. 10 und Witwe des Bäckers Heinrich Schönhardt (* 27.04.1879; 29.04.1923), Sohn von Nr. 10. Maria Schönhardt war die Tochter des Ludwig Theobald und der Anna Brodtmann (aus Neusalz a. d. Oder). Am 19. Juni 1914 ging sie eine zweite Ehe mit dem Inspektor beim VEW, Karl Hebekerl (* 17.02.1881 in Kläden/Kreis Stendal) ein. Durch den Tod ihres ersten Mannes war sie ab 1923 Eigentümerin beider Häuser (Stechbahn 34 und 36).

12. Im Jahr 1935 kaufte der Gastwirt Christian Hesse (* 23.01.1869 in Stormburch; 26.05.1942) dieses und das Nachbarhaus Stechbahn 36. Er war der Sohn des Landwirts Christian Hesse in Stormbruch und der Luise Leonhard aus Rhenegge. Am 23. Dezember 1898 heiratete er Lina Brühne (* 17.11.1881 in Stormbruch; ?), Tochter des Landwirts Christian Brühne in Stormbruch und der Luise Biederbick aus Sudeck.

13. 1951 erwarb der Gastwirt Artur Klapp (* 27.11.1912; ?) beide Häuser. Er war der Sohn des Hermann Klapp und heiratete am 20. August 1949 Luise Hellwig (* in 07.12.1918 in Reichensachsen; ?), Tochter des Bauwarts Karl Hellwig und der Katharina Otto, beide aus Reichensachsen.

1974 wurden die Gebäude Stechbahn 34 und 36 abgerissen, um der Neuanbindung der Enser Straße an die Stechbahn Platz zu machen.

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 5, Stechebahn - Violinenstraße - Heumarkt - Am Steinhaus, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 52-53. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Nicht verzeichnet bei Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 19, Nordenbeck, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1979, S. 114, 174.
[3] Nicht verzeichnet bei Heinrich GRAF (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 39, Helmscheid, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1989, S. 165 ff.
[4] Nicht verzeichnet bei Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 17, Goldhausen, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1978, S. 123.
[5] Diese und die folgenden Angaben über die Familie Kugelmann nach: Karl WILKE (Bearb.), Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1993, S. 141, 195.