Engelbert Becker

Engelbert Becker (* um 1535/40 in Rhenegge [1] oder um 1560 in Korbach [2] ; 1615/16 in ?).

Leben

Engelberts beruflicher und sozialer Status wird angeben mit: Gräflich Waldeckscher Amtsmeister [3], Richter,[4] Rentmeister,[5], Halbspanner,[6] und Ausmärker in Korbach[7]. In einer privaten Ahnentafel ist zudem vermerkt, er sei "Ausmärker zu Reineck" (= Rhenegge) gewesen.[8]

Engelberts Identität ist umstritten. Über eine Person namens Engelbert Becker in Rhenegge gibt es zahlreiche sich ergänzende, z. T. aber auch widersprüchliche Angaben.

1. Nach einer Auffassung war er der Sohn des Johann Becker III. aus Rhenegge (* um 1500; nach 1563); dieser wird in den Jahren 1544/47/49 sowie 1560 erwähnt und 1562 als "der Alte" bezeichnet.[9]. Eine andere Quelle nennt Engelberts Vater Johannes Becker (III.) und gibt dessen Lebensdaten mit 1507-1562 an.[10] Der Vater des Johann III. war demnach Johann II. Becker (* um 1470; vor 1535), genannt 1507 und 1517 als Ackermann.[11] Vater des Johann II. Becker und Stammvater der Rhenegger Familie sei Johann I. Becker gewesen, geboren um 1440, genannt in den Jahren 1475/79/80 als Ackermann.[12] Engelbert soll nach Familiennachrichten angeblich 80 Jahre alt geworden sein, er selbst habe 1600 angegeben, etwa 60 Jahre alt zu sein. [13] Dieser Engelbert soll zweimal verheiratet gewesen sein, die Namen seiner Ehefrauen sind nicht bekannt.[14] In dieser Variante werden ihm zwei Söhne zugeschrieben:

Jakob Becker (* um 1567, 17./27.12.1622) [15]
Otto Becker (* 1581, 08.11.1646 in Mengeringhausen). [16]

Jakob und Otto ließen sich als Eisenkaufleute in Niedermarsberg nieder, wurden von dort jedoch wegen ihres evangelischen Glaubens vertrieben und siedelten nach Mengeringhausen über, von wo aus sie die Mühlhäuser Hütte und Hammer erbauten und betrieben; sie begründeten den Mengeringhäuser Zweig der Familie Becker.[17]

2. Nach anderer Überlieferung soll Engelbert Becker in Korbach geboren und der Sohn des Hermann Becker, genannt Hameke, aus Warendorf und der Catharina von Waldeck gewesen sein. [18] Verheiratet gewesen sei er mit einer Angela aus Korbach, deren Lebensdaten und Geburtsname unbekannt sind.[19]

Nach dieser Auffassung hatte Engelbert einen Sohn namens Barthold Becker (um 1588 - 1636/43).[20]

3. Eine vermittelnde Meinung will anscheinend sowohl Jacob und Otto Becker als auch Barthold Becker als Nachkommen des Engelbert Becker gelten lassen, nennt aber dessen Vorfahren nicht.[21] Für eine Verwandschaft zwischen Barthold, Jacob und Otto Becker spricht, daß zum Jahr 1625 ein Bertold Becker aus Giebringhausen als Reidemeister (Hüttenverwalter) auf der Eisenhütte und dem Hammer zu Astinghausen (heute Assinghausen bei Brilon) bezeugt ist,[21a] Barthold also möglicherweise den gleichen Beruf ausübte wie seine Brüder (?) Jacob und Otto.

4. Zu allen drei Ansichten lassen sich Indizien und Gegenargumente anführen.

a) Für die erstgenannte Auffassung spricht, daß in Rhenegge zum Jahr 1577 ein "Engelbracht" Becker, zum Jahr 1600 ein Richter Engelbert Becker und zum Jahr 1602 ein Richter "Enelbracht" Becker urkundlich genannt werden.[22] Gestützt wird die Abstammung Engelberts aus dem Rhenegger Geschlecht durch den Umstand, daß sein mutmaßlicher Sohn Barthold im Nachbarort Giebringhausen als Kaufmann tätig war. Zudem wäre es ein seltsamer Zufall, wenn um 1600 zwei Personen namens Engelbert bzw. En(g)elbracht Becker, welche aus verschiedenen Sippen stammten, in Rhenegge seßhaft gewesen wären und/oder dort öffentliche Ämter bekleidet hätten. Gegen eine Abstammung Engelberts von Johann Becker ist hingegen einzuwenden, daß ein Sohn bzw. Enkel namens Barthold als Sproß dieser Linie nirgends verzeichnet ist. Jeweils werden nur Jakob und Otto als Söhne des Rhenegger Engelbert Becker genannt.[23] Es ist ferner nicht ersichtlich, ob eine Abstammung des Engelbert aus der dort ansässigen Familie urkundlich belegt ist oder nur aus der Gleichheit des Familiennamens gefolgert wird.

b) Für eine Abstammung von Hermann Becker und Catharina von Waldeck sprechen folgende Umstände: Engelberts Sohn Barthold soll ebenfalls mit einer Catharina Waldeck verheiratet gewesen sein,[24]. Träfe die Abstammung Engelberts von Catharina von Waldeck zu, handelte es sich bei seiner Schwiegertochter vermutlich um die Großnichte seiner Mutter, über deren Halbbruder Christoph von Waldeck, also um die Cousine 2. Grades seines Sohnes. In dieser Variante korrespondiert zudem der Vorname von Engelberts Enkelin, Angela, mit dem Namen seiner Ehefrau, so daß Bartholds Tochter nach ihrer Großmutter väterlicherseits benannt worden sein könnte. Ferner hatte Barthold einen Sohn namens Hermann,[25] der dementsprechend nach Bartholds Großvater väterlicherseits benannt worden wäre. Ein - wahrscheinlicher - Urgroßvater von Bartholds Ehefrau Catharina trug gleichfalls den Namen Hermann.[26] Auch der Name von Engelberts Sohn scheint auf eine Familientradition zurückzugehen, denn sowohl ein Bruder der Catharina von Waldeck als auch deren Großvater mütterlicherseits trugen diesen Namen.[27] Ebenso soll Engelberts Bruder Barthold oder Berthold geheißen haben (s.u. lit. c)). Die Vornamen Engelbert und Barthold (Berthold) sind namensgeschichtlich miteinander verwandt. Zudem hat es weitere Verwandte der Catharina von Waldeck nach Korbach gezogen. Catharinas jüngster Bruder, Christoph von Waldeck (1543-1587), wohnte seit 1586 als gräflicher Rat und Secretarius ebenfalls in Korbach.[28] Wie sein mutmaßlicher Schwager Hermann "Hameke" Becker hatte er zuvor lange Jahre in Warendorf gelebt. Hier wurden 1582 und 1585 auch noch seine Söhne Franz und Christoph geboren, die in Korbach aufwuchsen und später in Niederwildungen bzw. Mengeringhausen lebten. Auch Catharinas Großneffe, Otto Henrich Waldeck, Enkel ihres Halbbruders Christoph von Waldeck (der Ältere) in Vechta, kam als Knabe nach Korbach, wo er 1623 konfirmiert wurde.[29] Bartholds Ehefrau Catharina war - falls es zutrifft, daß sie aus Vechta kam und eine geborene Waldeck war - wahrscheinlich Otto Henrichs Schwester oder Cousine. Unabhängig von der von SCHRAMM erarbeiteten Abstammungstafel scheint es zudem eine weitere private Ahnenliste zu geben, die die gleiche Ahnenfolge nennt.[30] Im Jahr 1614 wird ein Georg Becker als Richter in Rhenegge genannt.[31] Ein Georg Becker ist auch als Sohn des Hermann "Hameke" Becker und der Catharina von Waldeck überliefert. [32] Möglicherweise folgte er seinem mutmaßlichem Bruder Engelbert im Amt. Gegen eine Abstammung Engelberts aus dem Haus Waldeck lassen sich aber ebenfalls Argumente vorbringen. So kennt SCHRAMM den Namen von Bartholds Ehefrau nicht und gibt lediglich an, sie sei verwandt mit der Familie Speyermann (Speirmann) in Mengeringhausen gewesen.[33] Eine Verbindung zwischen den Familien Speyermann und Waldeck ist jedoch nicht ersichtlich.[34] Das Argument einer weiteren Verwandtschaft der Familien Becker und Waldeck über Engelberts Sohn Barthold trüge demnach nicht. STEINMETZ nennt Engelbert in der Reihe der Kinder von Hermann Becker und Catharina von Waldeck nicht.[35]

c) Folglich stellt EULER, dessen Arbeit hinsichtlich der waldeckischen Familienzweige seiner genealogischen Untersuchung auf Informationen von STEINMETZ zurückgeht, ebenfalls keine Verknüpfung mit der waldeckischen Grafenfamilie her.[36] Im Ergebnis bleibt nach EULER die Abstammung Engelberts offen. Wörtlich schreibt er (S. 40-41):

"Der Urgroßvater Barthold Becker (um 1588-1636) war Richter und Kaufmann in Giebringhausen und der Sohn des Richters und Rentmeisters Engelbert B. in Rhenegge, Bruders des schon erwähnten Barthold B.; seine noch 1643 lebende Frau Catharina stammte aus Vechta und soll eine geb. Waldeck gewesen sein."

Offenbar will EULER feststellen, Engelbert habe neben seinem Sohn auch einen Bruder namens Barthold gehabt. Dessen angebliche vorherige Erwähnung in dem Aufsatz soll demnach vermutlich ein Verweis auf S. 35 sein:

"Bernhard [Schreiber], wahrscheinlich Sohn des Kaufmanns Johann Lips Schreiber (1599-1660) (428) und Enkel des Berthold Becker (858) aus der schon erwähnten Bergunternehmerfamilie zu Helsen und Giebringhausen..."

Ob Berthold und Barthold personenidentisch sein sollen, wird nicht hinreichend deutlich gemacht. Eine Familie Becker wird in dem Aufsatz erstmals auf S. 25-26 erwähnt, allerdings nicht als Bergleute "zu Helsen und Giebringhausen". Vielmehr heißt es dort:

"... Sophie Becker (1634-1698), einer Tochter des aus Stadtberge-Niedermaßberg stammenden Bürgermeisters Johann B. in Mengeringhausen (1602-1666), der als Hüttenherr und Reidemeister auf der Mühlhäuser Hütte tätig und mit Anna Kemper (1610-1691) seit 1629 verheiratet war. Dessen Vater Jakob Becker (1468) war Glaubensflüchtling aus Stadtberge mit seiner Ehefrau Catharina Hausmann ( 1633) und erbaute das Hammer- und Hüttenwerk Mühlhausen."

Der genannte Glaubensflüchtling aus Stadtberge (-Niedermarsberg), Jakob Becker, wird als Sohn des Engelbert Becker (um 1535-1615) angesehen.[37] Weitere Erwähnungen der Familie Becker finden sich bei EULER nicht. Wenn der Zusammenhang auch nicht im einzelnen deutlich wird, zumal die angegebenen Ordnungszahlen nicht auf eine direkte Abstammung der genannten Personen voneinander hindeuten und dem Aufsatz keine Ahnentafel beigefügt ist, soll offenbar eine familiäre Verbindung zwischen Engelbert und Barthold Becker einerseits und Jakob Becker andererseits hergestellt werden, was für die erstgenannte Ansicht und gegen die Vermutung spräche, Hermann "Hameke" Becker aus Warendorf sei Vater des Engelbert Becker. Trifft es indes zu, daß Engelbert einen Bruder namens Barthold hatte, läge hierin wiederum ein Indiz für eine Abstammung von Catharina von Waldeck, deren Bruder und Großvater mütterlicherseits Barthold hießen.[38] Den Ordnungszahlen läßt sich jedoch zumindest entnehmen, daß genannter Berthold Becker - also der angebliche Bruder Engelberts - eine Tochter gehabt habe, die mit Johann Lips Schreiber verheiratet gewesen sei. Insgesamt scheint STEINMETZ' Beitrag zu EULERs Abhandlung stark gekürzt worden zu sein, wodurch die genauen Zusammenhänge verborgen bleiben. Wenig nachvollziehbar ist, weshalb STEINMETZ, der die Stammfolgen der waldeckischen Familienzweige für EULER zusammengetragen hat, zwar in diesem Aufsatz Barthold Becker als Sohn des Engelbert erwähnt, nicht aber in seiner neun Jahre später erschienenen eigenen Abhandlung (Anm. 1), zumal ihm auch die 1952 erschienene Stammfolge von SCHRAMM bekannt gewesen sein dürfte.

d) Fest steht aber, daß es eine weitere eheliche Verbindung zwischen einer Familie Becker in Mengeringhausen und der Familie Waldeck gab. Am 10. Juni 1656 heiratete Ludwig Becker (1626-1716) aus Mengeringhausen die Anna Christina Waldeck, [39] jüngste Tochter des Christoph IV. von Waldeck.[40] Dieser war ein Kind des jüngstes Sohnes des Bischofs Franz von Waldeck und der Anna Polmann, Christoph II. von Waldeck, und ist nicht zu verwechseln mit dem bereits o.g. Christoph I. von Waldeck, Halbbruder des Christoph II. und Onkel von Christoph IV. Engelbert Becker wäre demnach ein "Großcousin" der Anna Christina Waldeck gewesen. Ihr Ehemann Ludwig Becker war entweder der Sohn des Johann Becker d. Ä., seinerseits Kind des Jakob Becker, oder der Sohn des Arolser Hofpredigers Caspar Becker (1594-1671),[41] welcher seinerseits das Kind des Mengeringhäuser Richters und Ratsseniors Balthasar (Baltzer) Becker (* 1565/70; vor 1621) und dessen Ehefrau Margarete Bergheber, gen. Wollenweber ( um 1620) war.[42] Obwohl sich nach dem obigen Ausführungen diese weitere Ehe zwischen Mitgliedern der Sippen Becker und Waldeck gut in die Stammtafel Engelberts fügte, ist nicht ersichtlich, daß Engelbert Becker und Balthasar Becker miteinander verwandt waren. [43] Unter dem Aspekt der oben dargestellten mutmaßlichen Mehrfachversippung zwischen den Familien Waldeck und Becker wäre zwar der These von LEISS (vgl. Anm. 41), Ludwig Becker könne der Urenkel Engelberts über dessen Sohn Jakob gewesen sein, der Vorzug zu geben. Diese Annahme dürfte jedoch unzutreffend sein (vgl. VOIGT/MEUSER (wie Anm. 41).

e) Der Streit ließe sich recht einfach zugunsten einer Abstammung Engelberts aus dem Hause Waldeck auflösen, erklärte man die Angabe, Engelbert sei der Sohn Johanns gewesen und um 1540 geboren, schlichtweg für falsch. Einzige Quelle für eine Abstammung von Catharina von Waldeck bliebe in diesem Fall gleichwohl nur die von SCHRAMM erarbeitete Stammfolge, ohne weitere urkundliche oder literarische Belege, obzwar diese Annahme durch die o.g. Indizien gestützt wird. Mag SCHRAMMs Kompetenz als Historiker auch außer Frage stehen, läßt sich seiner Stammtafel dennoch nicht entnehmen, auf welche Quellen er seine These stützt.[44] Träfe das Geburtsjahr 1535/40 für Engelbert zu, wäre eine Abstammung von Catharina von Waldeck schon deshalb unmöglich, da diese selbst erst um 1530 geboren und die Ehe mit Hermann "Hameke" Becker erst um 1552 eingegangen sein soll. Die Angabe bei STEINMETZ, Engelbert habe im Jahr 1600 selbst angegeben, etwa 60 Jahre alt zu sein, scheint jedoch urkundlich belegt zu sein.

f) Denkbar ist ferner, daß es in Korbach tatsächlich einen Engelbert Becker als Sohn der Catharina von Waldeck und des Hermann Becker gab und dieser von SCHRAMM irrtümlich mit Engelbert Becker aus Rhenegge gleichgesetzt worden ist. Dann wäre allerdings zu unterstellen, daß Barthold ebenfalls nicht in die Rhenegger Familie Becker einzuordnen sind und alle Autoren, die Barthold mit Engelbert Becker aus Rhenegge verknüpfen, einem Irrtum unterliegen. Ausgeschlossen erscheint eine insgesamt falsche Zuordnung der jeweiligen Mitglieder der Familie(n) Becker indessen nicht. Auffällig ist, daß die verschiedenen Autoren, offenbar unabhängig von einander, in den hier interessierenden Generationen mehrfach eheliche Verbindungen zwischen Nachkommen des Franz von Waldeck und der Anna Polmann mit den waldeckischen Familien Becker herstellen.

g) Schließlich könnte man in Erwägung ziehen, daß STEINMETZ und die ihm folgenden Autoren den möglicherweise nach Rhenegge nur zugezogenen oder dort nur beruflich tätigen Engelbert Becker irrtümlich als Abkömmling der dort alteingesessenen Familie Johann Becker angesehen haben. Engelberts beruflicher und sozialer Status sowie der seiner Nachkommen könnte eher für eine Abstammung aus begütertem Hause sprechen als für eine bäuerliche Herkunft. Engelberts Nachfahren - über seinen mutmaßlichen Sohn Barthold - und die Vorfahren von deren Ehegatten weisen in die Familien von Patriziern und hohen Beamten, die Verwandtschaft wird durch reiche Kaufleute, Juristen, Theologen und Bürgermeister mittlerer Städte bestimmt, während der Rhenegger Zweig der Familie Becker auch in den folgenden Generationen dort ansässig blieb und "nur" aus "einfachen Leuten" bestand.[45] Hingegen sind die unehelichen Nachkommen der waldeckischen Grafen vielfach als Beamte in der Landesverwaltung eingesetzt worden.[46]

5. Will man alle Meinungen im Kern als richtig gelten lassen und sie miteinander verbinden, ließe sich der Streit nur dahingehend auflösen, daß zu jener Zeit in Rhenegge zwei Personen namens Engelbert Becker ansässig waren: ein Sohn des Johann Becker, geb. um 1535/40, ferner ein Richter und gräflicher Beamter Engelbert Becker, geboren um 1560, mit den Eltern Hermann Becker und Catharina von Waldeck in Korbach und mit (mindestens) einem Sohn namens Barthold in Giebringhausen und Korbach, sowie evtl. mit den weiteren Söhnen Jakob und Otto in Niedermarsberg und Mengeringhausen, falls letztere nicht dem anderen Engelbert zuzuschreiben sind. Die Überschneidungen hinsichtlich Lebensdaten und Berufsangaben wären sodann als Ergebnis eines Abgrenzungsfehlers anzusehen, der auf der Annahme beruht, es gäbe lediglich einen Engelbert Becker. Das jeweils angegebene Todesjahr 1615/16 könnte wahrscheinlich nur für einen der beiden Engelbert Becker gelten, wobei nicht ausgeschlossen erscheint, daß die Identifikationsschwierigkeiten auch darauf beruhen, daß beide zeitnah hintereinander gestorben sind. Hinsichtlich der eingangs genannten vielen überlieferten Berufsbezeichnungen erscheint sowohl denkbar, daß sie ausschließlich auf den Korbacher Engelbert Becker zutreffen, als auch möglich, daß beide Namensvettern verschiedene öffentliche Ämter bekleideten und dies zu den Verwechslungen führte.

Dennoch muß die Annahme einer Verwandtschaft zwischen Engelbert Becker und Catharina von Waldeck kritisch unter folgendem Aspekt betrachtet werden. Catharina von Waldeck vermittelt über ihren prominenten Vater, Graf Franz von Waldeck, Bischof von Münster und Osnabrück, sowie über ihren Großvater, Graf Philipp II. von Waldeck, einen Zugang zum Europäischen Hochadel. Denn der Urahn Graf Otto I. von Waldeck war mit Sophie von Hessen verheiratet, einer Tochter Heinrichs I. von Hessen, der wiederum Enkel von Ludwig IV. von Thüringen und der Heiligen Elisabeth war. Graf Ottos I. Mutter aus dem Grafenhaus von Werl-Arnsberg führt über das burgundische in das westfränkische Königshaus. Über diese Pforten öffnen sich verwandtschaftliche Beziehungen in die europäischen Königs- und Kaiserhäuser des Frühmittelalters bis hin zu den Ottonen, Karolingern und jeweiligen Vorfahren. Es mag daher aus genealogischer Sicht die Versuchung nahe liegen, eine Brücke in diese herausragenden Familien zu schlagen, statt sich mit einer bäuerlichen oder bürgerlichen Herkunft der Familie zu bescheiden.

6. Nimmt man eine weitestmögliche Versippung der Familien Becker und Waldeck an, ergäbe sich folgende Stammfolge, für die insbesondere die tradierten Vornamen sowie die Herkunfts- und Wohnorte sprächen:

Familientafel Waldeck / Becker

Eltern

Philipp II. Graf von Waldeck
Katharina, Gräfin zu Solms-Lich

Barthold Polmann, Leineweber zu Einbeck

Franz I. von Waldeck (1491-1553), I. mit NN; II. mit Anna Polmann (1505-1557)

Kinder Christoph I. von Waldeck (um 1520-? in Vechta?)
1543
Engele Kerkerinck
Tochter des Münsteraner Wiedertäufers Christian Kerkerinck
Franz
Barthold
Ermgard
Elisabeth
Philipp
Johanna
Catharina von Waldeck (um 1530-1597)
um 1552
Hermann Becker, genannt Hameke (* um 1530?; vor 1592)
Christoph II. von Waldeck (1543-1587)
1581
Agnes Pagenstecher (aus Warendorf)
Enkel Christoph III. Waldeck (ca. 1555-1633 Vechta) Engelbert Becker
(* um 1560 in Korbach, 1615/16)

Angela
Barthold
Ursula
Georg
Anna
Katharina
Franz Waldeck (* 1582 in Warendorf, 1635 in Niederwildungen) Christoph IV. Waldeck (* 1585 in Warendorf, 1657 in Mengeringhausen)
Urenkel Henrich Waldeck
(* um 1590 in Vechta,
vor 1645 ebenda)
?
Margarethe Frie
Otto Henrich Waldeck(er)
(* um 1609/18 in Vechta
1693 in Korbach)
Catharina Waldeck (ca. 1582-1653)

Barthold Becker (um 1588-1636/43)
Barthold Becker (um 1588-1636/43)

Catharina Waldeck (ca. 1582-1653), Tochter des Christoph III. Waldeck in Vechta (siehe links)
Jakob Becker (1567-1622) Otto Becker (1581-1646) Anna Christina Waldeck (1636-1673)
?
Ludwig Becker (1626-1716), Sohn des Caspar Becker
Urur-
Enkel
Johann Waldeck (um 1630/35-1787 in Vechta)

I. 11.07.1656 mit Catharina Riesenbeck
II. 18.06.1673 mit Anna Elisabeth Buchholtz
1. Jost Henrich Waldeck(er)
( 1644-1713)
2. Anna Elisabeth Goette, geb. Waldeck(er)
(ca. 1660-1729)
3. Samuel Waldeck(er)
(1636-1714)
1. Hermann Becker
2. Angela (Anna Engela) Becker (1612-1686)
1637
Dietrich Wilstach (1610-1672)
1. Hermann Becker
2. Angela (Anna Engela) Becker (1612-1686)
1637
Dietrich Wilstach (1610-1672)
Johannes Becker d. Ä. (1603-1666)

Die "Schieflage" zwischen den Generationen ließe sich durch die zum Teil großen Altersabstände zwischen den jeweils ältesten und jüngsten Geschwistern in den jeweiligen Generationen erklären. Diese schlüssigen verwandtschaftlichen Beziehungen könnten daher Indiz sein für die zweifache Abstammung der Angela Wilstach, geb. Becker, aus dem Hause Waldeck, und zwar sowohl über ihre mutmaßliche Mutter Catharina Waldeck, aus dem Vechtaer Zweig des Christoph I. von Waldeck, als auch über ihre mutmaßliche Urgroßmutter Catharina von Waldeck. Dennoch ist diese These weit von einem Beweis entfernt.

Anmerkungen

[1] Albert LEISS, Studierende Waldecker vom 13. bis zum 19. Jahrhundert (Fortsetzung), in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont, 7. Band (1907), S. 57-129 [74], gibt das Geburtsjahr mit "ca. 1535" an; Hermann STEINMETZ, Die Waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege (Fortsetzung), in: Geschichtsblätter für Waldeck, 61. Band 1969/70, S. 47-103 [88 = Nr. 570]; Helmut NICOLAI (Hrsg.)/Wilhelm HELLWIG/Ingeborg MOLDENHAUER (Bearb.), Waldeckische Wappen, Beiträge zur Familiengeschichte, Teil 3, Wappen der waldeckischen Städte und Großgemeinden, Familienwappen und Hausmarken, Waldeckische Forschungen, Band 5, Waldeckischer Geschichtsverein (Hrsg.), Arolsen 1991, S. 120 (Becker III) und Fritz POHLMANN (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 71, Deutsche Ortssippenbücher, Reihe A, Band 349, Rhenegge, Waldeckischer Geschichtsverein e.V. (Hrsg.), Bad Arolsen 2003, Nr. 150 (S. 198), nennen als Zeit der Geburt jeweils "um 1540". POHLMANN scheint seine Angaben jedoch von NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER übernommen zu haben.
[2] Percy Ernst SCHRAMM, Die Vorfahren des Kaufmanns Justus Ruperti, in: Norddeutsche Familienkunde - Zeitschrift der AG Genealogische Verbände in Niedersachsen, 1. Jahrgang, Göttingen 1952, S. 1-10 [6, Nr. 292].
[3] SCHRAMM (wie Anm. 2).
[4] Friedrich Wilhelm EULER, Genealogische und soziologische Betrachtungen über die Vorfahren des Berliner Oberbürgermeisters und Politikers Ernst Reuter, in: Genealogisches Jahrbuch, Band 1, herausgegeben von der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, Berlin-Frankfurt/M. 1961, S. 15-47 [41]; STEINMETZ (wie Anm. 1); NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 1); POHLMANN (wie Anm. 1); LEISS (wie Anm. 1); SCHRAMM (wie Anm. 2).
[5] EULER (wie Anm. 4);
[6] STEINMETZ (wie Anm. 1); NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 1); POHLMANN (wie Anm. 1).
[7] SCHRAMM (wie Anm. 2).
[8] Vgl. www.genealogy.net.
[9] STEINMETZ (wie Anm. 1). In einer Urkunde vom 5. Juli 1542 wird ein Johann Beckers aus Rhenegge als Zeuge genannt, vgl. Stadtarchiv Korbach (Hrsg.), Korbacher Urkunden, Regesten, Band 1, Korbach 1997, Nr. 321 (169).
[10] POHLMANN (wie Anm. 1); NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 1), bestätigen zudem die Bezeichnung "der Alte".
[11] STEINMETZ (wie Anm. 1); NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER und POHLMANN nennen wiederum die Variante Johannes Becker, aber ohne Lebensdaten und Berufsbezeichnung.
[12] STEINMETZ (wie Anm. 1), der die Abstammung Johanns II. von Johann I. aber als "nicht ganz sicher" bezeichnet; NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER und POHLMANN nennen auch hier die Variante Johannes Becker und den Beruf Ackermann, geben aber nur das Geburtsjahr ("um 1440") an.
[13] STEINMETZ (wie Anm. 1), unter Hinweis auf Staatsarchiv Marburg, Bestand 115/4/243.
[14] STEINMETZ (wie Anm. 1).
[15] STEINMETZ (wie Anm. 1); NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 1), nennen als Lebensdaten 1567-1646; POHLMANN (wie Anm. 1), hat diese Angabe übernommen, schreibt aber, möglicherweise in Folge eines Zahlendrehers: 1576-1646; LEISS (wie Anm. 1), nennt Jakob als Sohn des Engelbert, aber ohne Lebensdaten.
[16] STEINMETZ (wie Anm. 1), S. 90 (Nr. 572); LEISS (wie Anm. 1), nennt nur das Todesjahr 1646; NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 1) und POHLMANN (wie Anm. 1) geben die Lebensdaten ebenfalls mit 1581-1646 an, jedoch ohne genauen Sterbetag und -ort.
[17] Ausführlich hierzu STEINMETZ (wie Anm. 1), S. 88-90 (Nr. 570 u. 572); NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 1) und POHLMANN (wie Anm. 1) haben diese Angaben offenbar von STEINMETZ übernommen. Vgl. auch LEISS (wie Anm. 1) und EULER (wie Anm. 4), S. 25-26.
[18] SCHRAMM (wie Anm. 2), S. 6-7, Nr. 292, 584, 585; nicht weiterführend ist Detlev SCHWENNICKE, Europäische Stammtafeln, Neue Folge, Band I.3, Die Häuser Oldenburg, Mecklenburg, Schwarzburg, Waldeck, Lippe und Reuß, Frankfurt 2000, Tafel 333 A, der nur die männlichen Nachfahrenlinien verfolgt und daher die Kinder der Catharina von Waldeck nicht nennt. Zudem kennt er Hermann "Hameke" Becker nicht, sondern nur Catharinas 2. Ehemann, Konrad Leusmann.
[19] SCHRAMM (wie Anm. 2), S. 6, Nr. 293.
[20] SCHRAMM (wie Anm. 2), S. 6, Nr. 146, 292; EULER (wie Anm. 4), S. 40-41.
[21] Vgl. EULER, S. 25-26, 35, 40-41.
[21a] Gerhard BEHLE/Fridrich WILKE (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 77, Deutsche Ortssippenbücher, Reihe A, Band 471, Giebringhausen, Heimat- und Verkehrsverein Giebringhausen/Waldeckischer Geschichtsverein e.V. (Hrsg.), Bad Arolsen 2010, S. 154, Nr. 46.
[22] Vgl. POHLMANN (wie Anm. 1), S. 49, 198.
[23] Vgl. POHLMANN (wie Anm. 1); STEINMETZ (wie Anm. 1).
[24] EULER (wie Anm. 4), S. 41.
[25] BEHLE/WILKE (wie Anm. 21a), S. 155, Nr. 47.
[26] Hermann DEITMER/Clemens STEINBICKER, Ahnen der Familie Deitmer-Gerlach/Saalhausen/Lennestadt 14 in XIV Generationen, in: Beiträge zur Westfälischen Familienforschung, Band 41 (1983), Westfälische Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung/Werner Frese (Hrsg.), S. 175-307 (S. 298, Nr. 29126): Hermann Brockmann, Schwiegervater von Catharina Waldecks Großvater Christian Kerkerinck.
[27] Barthold von Waldeck war der Name des zweiten Sohnes aus der Verbindung des Bischofs Franz von Waldeck mit Anna Polmann, deren Vater ebenfalls Barthold hieß.
[28] Ernst WALDSCHMIDT, Die Waldeckische Familie Waldschmidt und die Vorfahren waldschmidtscher Ehefrauen, Bad Wildungen 1927, S. 182; ders., Die waldeckische Familie Waldeck - Mengeringhäuser Linie, in: Nachrichten der Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck, 15. Jahrgang 1940, Heft 2, S. 49-72 [51-52].
[29] WALDSCHMIDT (wie Anm. 28 [1927]), S. 182, ist für das Jahr 1632; LEISS (wie Anm. 1), 5. u. 6. Band (1906), S. 237, nennt das Jahr 1623; NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 1), S. 413, bezeichnen Otto Henrich Waldeck ausdrücklich als Sohn des Christoph Waldeck in Vechta. Es ist wegen der Altersabstände aber anzunehmen, daß noch ein weiterer Christoph Waldeck als Zwischenglied einzufügen ist.
[30] Vgl. www.genealogy.net. Daß diese Ahnenliste nicht auf der Arbeit von SCHRAMM beruht, ergibt sich aus zahlreichen geringen Abweichungen hinsichtlich der Schreibweise der Namen, der Lebensdaten, der Berufsangaben, etc.
[31] POHLMANN (wie Anm. 1), S. 49.
[32] Hermann STEINMETZ, Die Waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege, in: Geschichtsblätter für Waldeck, 56. Band (1964), S. 8-151 [72].
[33] SCHRAMM (wie Anm. 2), S. 6, Nr. 147.
[34] Zur Mengeringhäuser Familie Speyermann (Speiermann, Speirmann) zu jener Zeit vgl. STEINMETZ (wie Anm. 32), S. 56-57 = Nr. 146 und S. 63-66 = Nr. 167 und Herbert VOIGT/Christian MEUSER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 89, Mengeringhausen, Waldeckischer Geschichtsvereins e.V. (Hrsg.), Bad Arolsen 2014; zum Mengeringhäuser Zweig der Familie Waldeck vgl. WALDSCHMIDT (wie Anm. 28 [1940]).
[35] STEINMETZ (wie Anm. 32), S. 8-151 [72 = Nr. 178], nennt lediglich Georg, Ursula, Katharina und Anna.
[36] Vgl. EULER (wie Anm. 4), S. 15 u. 41, der aber darauf hinweist, daß ganz bewußt auf die Darstellung der sich weithin anbietenden partrizischen, adligen und dynastischen Schichten verzichtet worden sei (S. 45).
[37] LEISS (wie Anm. 1).
[38] Ob ein Zusammenhang besteht mit dem zum Jahr 1579 genannten Pfarrer Berthold Becker in Netze, ist nicht geklärt. Dieser wird erwähnt bei Hermann STEINMETZ, Die Waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege, in: Geschichtsblätter für Waldeck, 47. Band (1955), S. 10 = Nr. 22.
[39] Ingeborg MOLDENHAUER, Ein Epitaph für Margareta Gertrud Stuven in der Kirche zu Twiste, in: Mein Waldeck, Beilage der Waldeckischen Landeszeitung für Heimatfreunde, Nr. 11/1997; LEISS (wie Anm. 1), S. 75; WALDSCHMIDT (wie Anm. 28 [1940]), S. 55.
[40] WALDSCHMIDT (wie Anm. 28 [1940]), S. 52-53; LEISS (wie Anm. 1), S. 75.
[41] MOLDENHAUER (wie Anm. 39); WALDSCHMIDT (wie Anm. 28 [1940]), S. 55; LEISS (wie Anm. 1), S. 75, hält es alternativ für möglich, daß Ludwig Becker der Sohn des Johannes Becker (der Ältere) und damit Enkel des Jakob sowie Urenkel Engelberts gewesen sein könnte. Das Mengeringhäuser weist ihn indes als Sohn des Caspar Becker und der Margareta Reinke aus (vgl. Herbert VOIGT/Christian MEUSER [Bearb.], Waldeckische Ortssippenbücher, Band 89, Mengeringhausen, Waldeckischer Geschichtsvereins e.V. [Hrsg.], Bad Arolsen 2014, S. 32, Nr. 268, 272).
[42] MOLDENHAUER (wie Anm. 39).
[43] STEINMETZ (wie Anm. 1), geht von zwei verschiedenen Sippen aus. Es ist jedoch in Betracht zu ziehen, daß Engelberts mutmaßlicher Vater Hermann "Hameke" Becker nicht gebürtig aus Warendorf stammt, sondern möglicherweise einer waldeckischen Familie Becker zugehörig war.
[44] Zur Biografie von Prof. Dr. Percy Ernst Schramm vgl. die Artikel bei Wikipedia und historicum.net.
[45] Vgl. die bei POHLMANN (wie Anm. 1) gelisteten Familien Becker in Rhenegge, die als Schäfer tätig gewesen sein sollen. Andererseits haben es Jakob und Otto Becker und deren Nachkommen ebenfalls zu großem Wohlstand gebracht, vgl. STEINMETZ (wie Anm. 1), S. 88-90, Nr. 570 u. 572.
[46] Vgl. hierzu insgesamt die Serie von STEINMETZ, Die waldeckischen Beamten vom Mittelalter bis zur Zeit der Befreiungskriege, Geschichtsblätter für Waldeck, Bände 44-51, 56, 60, 61, 64 und 68 (General-Namensregister II); ders., Die Stadtcommissare in Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1954.