Dietrich Wilstach

Links im Bild: Haus der Familie Wilstach, zuletzt im Besitz der Familie Mosheim und der Stadt Korbach. Errichtet Ende des 17. Jahrhunderts, abgerissen 1968.
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Dietrich Johann Wilstach (* 9. Februar 1610 in Hattingen; 4. Dezember 1672 in Korbach) [1] war ein Kaufmann und Oberbürgermeister in Korbach.

Leben

Dietrich Wilstach war Woll- und Tuchhändler und stammte aus Hattingen. [1a] Seine Eltern waren der Kaufmann Hermann Wilstach in Hattingen und dessen Ehefrau Margarethe Pauls.[2] In einer Urkunde vom 18. Juni 1637 bescheinigen Bürgermeister und Rat der Stadt Hattingen in der Grafschaft Mark unter dem Kurfürsten Georg Wilhelm, Markgrafen zu Brandenburg, Dietrich Wilstach ("Wilstack") auf des Zeugnisses von Hermann Rurman, Rotger Niggeman und Kurt zur Mühlen seine eheliche Geburt von Herman Wilstach und Margarete Paul sowie seine Freiheit und Unbescholtenheit.[2a] Dietrich Wilstach siedelte nach Korbach über und erwarb dort im Jahr 1637 das Bürgerrecht. Am 14. Juni desselben Jahres ging er in der Neustädter Kirche mit Anna Engela Becker (1612-1686), Tochter des Kaufmanns Barthold Becker, die Ehe ein.[3] Im Korbacher Stadtarchiv ist das am 18. Juni 1637 zu Hattingen ausgestellte Zeugnis über seine eheliche Geburt noch vorhanden.[3a]

Wenige Jahre zuvor (1622) war der ebenfalls aus Hattingen stammende Johannes Huge nach Korbach gezogen. Wilstach und Huge übten als Woll- und Tuchhändler den gleichen Beruf aus und wohnten benachtbart in derselben Straße (Landstraße Nr. 9 und 15, heute Professor-Kümmell-Straße).[4] Beim großen Stadtbrand von 1664 brannte Wilstachs Häuser nieder. Die Nachfolgebauten, Professor-Kümmell-Straße 13 und 15, wurden Ende des 17. Jahrhunderts errichtet, die genauen Baujahre sind unbekannt. Ob Wilstach die Bauten noch selbst veranlaßt hat oder seine Hinterbliebenen die Bauherren waren, ist ebenfalls nicht überliefert.[5] Die Neubauten blieben bis 1729 bzw. 1736 im Eigentum der Familie Wilstach.[6] In den Jahren 1968 und 1970 wurden die Gebäude bzw. der Nachfolgebau (Nr. 13) abgerissen, um Platz für den Erweiterungsbau des Rathauses zu schaffen.

Mit seiner Frau Anna Engela hatte Dietrich Wilstach zehn Kinder: [7]

Johannes Wilstach (1638-1699), Pfarrer in Niederense [8]
Johann Dietrich (II.) Wilstach (1639-1688), [9] Stechbahn 20
Wilhelm Theodor Wilstach (1653-1717) [10]
Anna Katharina Schumacher, geborene Wilstach [11]
Johann Stephan Wilstach (1647-1693), Advokat und Procurator an der Landeskanzlei (Enser Straße 7) [12]
Tochter N.N.
Tochter N.N.
Sohn N.N.
Sohn N.N.
Sohn N.N.

In den Jahren 1640, 1644, 1648, 1650 und 1653 war Dietrich Wilstach Ratsmitglied, [13] in den Jahren 1657, 1660, 1665, 1667, 1668 und 1672 regierte er die Stadt als Oberbürgermeister. [14]

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 1, Professor-Kümmell-Straße und Klosterstraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1956, S. 29-30 [30]; Hermann STEINMETZ (Bearb.), Die Stadtcommissare in Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1954, S. 29.
[1a] Aus unbekannten Gründen ist im 17., 18. und 19. Jahrhundert eine Vielzahl von Zuzügen Hattinger Bürger nach Korbach zu verzeichnen. Immer wieder sind in den Kirchenbüchern Eheschließungen zwischen Hattinger und Korbacher Familien vermerkt, ohne daß verwandtschaftliche Beziehungen ersichtlich sind (vgl. z.B. Stechbahn 7, Professor-Kümmmell-Straße 9). Ein etwa eine Generation jüngerer Didrich Wilstach (1633-1716) aus Lippstadt hat zur gleichen Zeit in Mengeringhausen den dortigen Zweig begründet (vgl. Herbert VOIGT/Christian MEUSER [Bearb.], Waldeckische Ortssippenbücher, Band 89, Mengeringhausen, Waldeckischer Geschichtsvereins e.V. [Hrsg.], Bad Arolsen 2014), S. 617, Nr. 8212 ff.). Ob ein verwandtschaftlicher Zusammenhang besteht ist nicht bekannt.
[2] THOMAS (wie Anm. 1); STEINMETZ (wie Anm. 1); Friedrich Wilhelm EULER, Genealogische und soziologische Betrachtungen über die Vorfahren des Berliner Oberbürgermeisters und Politikers Ernst Reuter, in: Genealogisches Jahrbuch, Band 1, herausgegeben von der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, Berlin-Frankfurt/M. 1961, S. 15-47 [40-41].
[2a] Stadtarchiv Korbach (Hrsg.), Korbacher Urkunden - Regesten, Band 1, Korbach 1997, S. 163, Nr. 467.
[3] THOMAS (wie Anm. 1); STEINMETZ (wie Anm. 1). Der Vorname seiner Ehefrau ist auch mit Anna Engel, Anangela und Angela überliefert; vgl. Martin RUDOLPH (Bearb.), Korbacher Bürgerfamilien - Die Nachkommen des Korbacher Bürgermeisters Curt Schumacher, 1585-1660, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1976, S. 18; EULER (wie Anm. 2).
[3a] Albert LEISS, Studierende Waldecker vom 13. bis zum 19. Jahrhundert (Fortsetzung), in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont, 5. u. 6. Band (1906), S. 241.
[4] THOMAS (wie Anm. 1), S. 29; STEINMETZ (wie Anm. 1).
[5] THOMAS (wie Anm. 1). S. 29.
[6] THOMAS (wie Anm. 1), S. 29; RUDOLPH (wie Anm. 3). S. 18.
[7] STEINMETZ (wie Anm. 1); vgl. auch Helmut NICOLAI/Wilhelm HELLWIG/Ingeborg MOLDENHAUER, Waldeckische Wappen, Beiträge zur Familiengeschichte, Teil 2 - Bürgerwappen, Waldeckische Forschung, Band 3, Waldeckischer Geschichtsverein (Hrsg.), Arolsen 1987, S. 396 m.w.N.
[8] RUDOLPH (wie Anm. 3). S. 24a, 44, 55; Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 16, Niederense, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1978, S. 209.
[9] RUDOLPH (wie Anm. 3), S. 24; Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 5, Stechebahn - Violinenstrasse - Heumarkt - Am Steinhaus, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 35, Ziff. 12 (Stechbahn 20).
[10] THOMAS (wie Anm. 1), S. 30.
[11] RUDOLPH (wie Anm. 3), S. 18.
[12] STEINMETZ (wie Anm. 1).
[13] RUDOLPH (wie Anm. 3), S. 35, m.w.N.
[14] THOMAS (wie Anm. 1), S. 30; Wolfgang MEDDING, Korbach - Die Geschichte einer deutschen Stadt, 2. Auflage, Korbach 1980, S. 413.