Christoph Waldeck

Christoph Waldeck, auch Christopher und Christoffer Waldecker, gelegentlich auch von Waldeck (* um 1555 in Vechta; nach 1633 ebenda).[1]

Leben

Christoph war der Sohn des Christoph von Waldeck und der Engele Kerkerinck.[2] Er erscheint 1584 als lutherischer Pastor in Vechta,[3] verzichtete jedoch offenbar auf die Pfarrstelle.[4] Er war von 1595 bis 1633 Bürgermeister von Vechta.[5] Um 1580 heiratete er Gertrud Brockman, [6] vielleicht eine Verwandte seiner Mutter, deren Mutter ebenfalls eine geborene Brockmann war.[7] Mit Vertrag vom 6. November 1601, ausgestellt in Münster-Wolbeck, verkaufen die Eheleute "Christoffer von Waldeck und Gertrud Brockman" den Eheleuten Anton Modersohn und Engel Schade ihre Güter in und um Wolbeck.[8] Als Bürgen sind u.a. Johann von Waldeck und seine Frau Anna Eickholtz aufgeführt. Diese lassen sich derzeit nicht in die Stammfolge derer von Waldeck aus Münster, Osnabrück und Vechta einordnen. Möglicherweise handelt es sich um einen - früh verheirateten - Sohn von Christoph und Gertrud oder um Christophs Bruder.[8a]

Als Abkömmlinge sind jedenfalls überliefert:

Henrich (von) Waldeck (* um 1590 in Vechta; vor 1645 in Vechta) [9]
Otto Henrich Waldeck(er) (1610-1693) [10]
Sehr wahrscheinlich: Catharina Waldeck [11]

SIEVE (unten Anm. 3, S. 106, 110), berichtet, in den von ihm untersuchten Prozeßakten sei Christoph Waldeck als "Sohn (oder Schwiegersohn?)" der Anna Weldigen aus Vechta dokumentiert und habe dieser im Oktober 1598 geholfen, den Reichskammergerichts-Prokurator Johann Jakob Köblin als ihren Anwalt zu bevollmächtigen. Anna Weldigen war in zweiter Ehe mit dem Deutschordensritter Heinrich Steding verheiratet und sei zuvor mit einem namentlich nicht bekannten Gografen und Richter zu Vechta verehelicht gewesen. Wäre Christoph der leibliche Sohn der Anna Weldigen, müßte es sich bei dem unbekannten Richter und Gografen um seinen Vater, Christoph von Waldeck, gehandelt haben. In diesem Fall könnte Engele Kerkerinck jedoch nicht Christophs leibliche Mutter sein. Trifft es hingegen zu, daß Anna Weldigen Christophs Schwiegermutter war, wäre anzunehmen, daß der unbekannte Gograf Gertrud Brockmans Vater war. Hierfür spricht, daß Anna Weldigen, verwitwete Steding, in dem Prozeß über den Nachlaß ihres verstorbenen zweiten Ehemannes u.a. den Vechtaer Bürgermeister Bernd Brockmann als Zeugen über die letzten Lebensjahre des Heinrich Steding benannt hatte.[12] Möglicherweise war Bernd Brockmann mit Anna Weldigen verschwägert und kam deshalb als Zeuge für Familienangelegenheiten infrage. Christophs Großmutter mütterlicherseits - so man Engel Kerkerinck als seine leibliche Mutter ansieht - war ebenfalls eine geborene Brockmann (s.o.).

Anmerkungen

[1] P. Hermann DEITMER/Clemens STEINBICKER, Ahnen der Familie Deitmer-Gerlach, Saalhausen/Lennestadt 14 in XIV Generationen, in: Beiträge zur Westfälischen Familienforschung, Band 41 (1983), Westfälische Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung/Werner Frese (Hrsg.), S. 175-307 (S. 279, Nr. 3640).
[2] DEITMER/STEINBICKER (wie Anm. 1); Detlev SCHWENNICKE, Europäische Stammtafeln, Neue Folge, Band I.3, Die Häuser Oldenburg, Mecklenburg, Schwarzburg, Waldeck, Lippe und Reuß, Frankfurt 2000, Tafel 333 A; Ernst WALDSCHMIDT, Die Waldeckische Familie Waldschmidt und die Vorfahren Waldschmidtscher Ehefrauen, Bad Wildungen 1927, S. 182.
[3] Peter SIEVE, Der Prozeß um den Nachlaß des Deutschordensritters Heinrich Steding, in: Oldenburger Jahrbuch, 94. Band für 1994, Oldenburger Landesverein für Geschichte, Natur- und Heimatkunde e.V. (Hrsg.), Oldenburg 1994, S. 103-113 [S. 106, Anm. 22], unter Hinweis auf Karl WILLOH, Geschichte der Pfarreien im Herzogtum Oldenburg, Band III, Köln 1898/99, S. 70-72.
[4] SIEVE (wie Anm. 3).
[5] DEITMER/STEINBICKER (wie Anm. 1); SIEVE (wie Anm. 3). Aufgrund des hohen Alters, das Christoph bei seinem Ausscheiden aus dem Amt gehabt hätte, sind Zweifel an diesen Angaben angezeigt, zumal eine 38-jährige Amtszeit ungewöhnlich und stadtrechtlich fraglich erscheint. Vielleicht ist ihm ein gleichnamiger Sohn im Amt gefolgt. Jedenfalls ist er zum 1. Dezember 1599 gemeinsam mit Hinrich Bothe als Bürgermeister verzeichnet, vgl. Axel FAHL-DREGER, Wappen, Siegel, Recht und Rat - Die Rechtssituation der Stadt Vechta im Mittelalter, S. 26, veröffentlicht anläßlich der gleichnamigen Ausstellung des Museum im Zeughaus in Vechta vom 21.06.2013 bis 26.10.2013.
[6] DEITMER/STEINBICKER (wie Anm. 1), kennen nur den Vornamen Gertrud. Der Familienname Brockman ergibt sich aus einem Kaufvertrag vom 6. November 1601, mit dem die Eheleute "Christoffer von Waldeck und Gertrud Brockman" den Eheleuten Anton Modersohn und Engel Schade ihre Güter in Wolbeck verkaufen ( Link zum Regest in der digitalen Westfälischen Urkunden-Datenbank).
[7] DEITMER/STEINBICKER (wie Anm. 1), S. 293, Nr. 14563 (Catharina Brockmann, um 1495 - nach 1549).
[8] Digitale Westfälische Urkunden-Datenbank (wie Anm. 6); DEITMER/STEINBICKER (wie Anm. 1), datieren den Verkauf in das Jahr 1604.
[8a] Christoph hatte über seinen Sohn Henrich zwar auch einen Enkel namens Johann Waldeck, dieser wurde aber erst um 1630/35 geboren.
[9] DEITMER/STEINBICKER (wie Anm. 1), S. 273, Nr. 1820; vgl. auch Anna Marie BÜNING, Die Buchholtz von Haus Hall bei Gescher - Eine münsterländische Familie im Dienste des Landesherrn, in: Archiv für Sippenforschung und alle verwandten Gebiete mit praktischer Forschungshilfe, 37. Jahrgang (1971), Heft 42, S. 100-115 [105].
[10] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 5, Stechebahn - Violinenstrasse - Heumarkt - Am Steinhaus, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 24, Ziff. 11 (Stechbahn 14). Vielleicht war Otto Henrich Waldecker auch Enkel von Christoph Waldeck und Gertrud Brockmann, da beide bei dessen Geburt schon über 50 Jahre alt gewesen wären. In diesem Fall wäre ein dazwischenliegender weiterer Sohn namens Christoph Waldeck zu unterstellen (vgl. oben Anm. 5). Denkbar erscheint ferner, daß Christoph Waldeck eine zweite, jüngere Frau hatte, die als Otto Henrichs Mutter in Frage kommt.
[11] Vgl. Friedrich Wilhelm EULER, Genealogische und soziologische Betrachtungen über die Vorfahren des Berliner Oberbürgermeisters und Politikers Ernst Reuter, in: Genealogisches Jahrbuch, Band 1, herausgegeben von der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, Berlin-Frankfurt/M. 1961, S. 15-47 [41]; vgl. auch die Einträge zu Barthold Becker und Engelbert Becker.
[12] SIEVE (wie Anm. 3), S. 108, Anm. 30.