Tränkestraße 14 (Korbach)

Das Haus Tränkestraße 14 im Februar 2016.
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Das Haus Nr. 14 in der Tränkestraße ist ein im Jahr 1871 von dem Metzgermeister Christian Rappe erbautes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach [1] Rappe kaufte damals den Grundbesitz des früheren Mönchehofs, der bis dahin der fürstlichen Domänenkammer gehörte und vom altstädter Kirchhof bis zur Tränkestraße hinunter reichte. Der Vorgängerbau war die 1833 errichtete Zehntscheune der Fürstlichen Domänenkammer. Es steht nicht fest, ob sie abbrannte oder abgerissen wurde. Deren Vorgängerbau war ein 1551 errichtetes und 1763 eingestürztes steinernes Wohnhaus. Von 1763 bis 1833 war das Grundstück unbebaut und wurde von den Eigentümern des gegenüberliegenden Hauses Tränkestraße 13 als Garten genutzt.

Geschichte

1. Im Jahr 1551 haben Michael Vöpel und seine Frau Anna Korthaus hier ein Steinhaus errichten lassen. Dr. med. Henrich Gottfried Justus Varnhagen (1727-1774), Vater des waldeckischen Geschichtsforschers Johann Adolph Theodor Ludwig Varnhagen, beschrieb dieses Haus wie folgt: [2]

"Das Steinhaus. In der Tränkestraße zu Corbach gerade unter dem Bredelarschen Mönchehofe, stand ein steinernes Gebäude, welches vulgo das Steinhaus genannt wurde. Über dem Fahrthor dieses s.g. Steinhauses standen folgende zwei Wappen nebst nachgesetzter Inschrift in Stein gehauen: 'Michael Vopeln civis et amator huius urbis patriae suae et Anna Corthaus conjuges has aedes exstrui fecerunt Anno Domini 1551' [Die Ehegatten Michael Vöpeln, ein Bürger und Liebhaber dieser seiner Vaterstadt, und Anna Korthaus haben dies Haus erbauen lassen im Jahre des Herrn 1551]. Da aber dieses von Steinen aufgeführte ansehnliche Haus 1763 bei einem Windsturm eingefallen (bis dahin es von den Besitzern, gemeinen Bürgersleuten, bewohnt wurde), stehet der Stein, worauf jenes ausgehauet ist, in dem aus der Hausstätte gemachten Garten an dem Thürpfeiler rechter Hand; welches ich den 29ten August 1764 davon abgeschrieben habe. H.G.J. Varnhagen."

Das Steinhaus wurde in den ersten 130 Jahren von führenden Familien Korbachs bewohnt, kam jedoch Ende des 17. Jahrhunderts in den Besitz von Metzgern und Gerbern und geriet hiernach offenbar schnell in Verfall.

Michael Vöpel (Voipel, Vopeln, Foepeln, Faupeln) wurde um 1496 in Volkmarsen geboren. Sein Vater war Curt Voipel (* um 1470; 1555 in Volkmarsen), Bürger und Lehensmann in Volkmarsen. Michael Vöpel wurde 1518 Bürger in Korbach und heiratete um 1520 eine Appolonia (Nachname unbekannt), die in den Jahren 1530 und 1549 bezeugt ist und 1551 starb. Kurz danach ging Michael Vöpel eine zweite Ehe mit der gut 20 Jahre jüngeren Anna Korthaus (* um 1518; 01.12.1562) ein. Sie war die Tochter des Bürgermeisters Konrad Korthaus und der Adelheid Loessken. [3] Die Familie Korthaus (Corthauer, Cortheus) stammt aus Warburg, wo sie im 14. Jahrhundert zum Patriziat gehörte; von dort aus gelangte sie nach Volkmarsen, Marsberg und Korbach. [4] Anna Korthaus' Nichte, Margarethe Korthaus, Tochter ihres Bruders Johannes Korthaus, wohnte auf der anderen Seite des Kirchhofes, auf der Stechbahn, in dem Haus, an dessen Stelle heute das Kriegerdenkmal steht.

Der Bau eines Steinhauses - eines der wenigen in Korbach bezeugten - belegt den Wohlstand Michael Vöpels, der über 2.000 Gulden besessen haben soll. [5] Weshalb das Haus gleichwohl durch Sturmeinwirkungen nach nur 200 Jahren zusammenbrach, nicht aber die benachbarten Fachwerkhäuser, ist nicht überliefert. Vielleicht war das Gebäude, als einiges der wenigen, die den Dreißigjährigen Krieg und den Stadtbrand von 1664 überdauert hatten, durch die Einwirkungen des Krieges in Mitleidenschaft gezogen worden. Hierfür spricht, daß das Haus nach diesen Ereignissen nicht mehr von Patrizier-, sondern Handwerkerfamilien bewohnt wurde, offenbar also an Wert verloren hatte.

2. Obwohl insoweit keine Aufzeichnungen vorliegen, sind als weitere Besitzer nach Michael Vöpel anzunehmen: Bürgermeister Anton Leusmann als Ehemann von Gertrud Vöpel und Schwiegersohn Michael Vöpels, sodann deren Sohn Heinrich Leusmann (um 1540-1575), hiernach dessen Sohn Conrad Leusmann (um 1567-1615), schließlich dessen Tochter Gertrud Leusmann. Zur Begründung dieser Eigentumsfolge vgl. die Ausführungen zu Ziffer 3.

3. Ende des 17. Jahrhunderts ist der Pfarrer zu Oberwaroldern, Franz Karlen (~ 15.04.1626; 19.03.1710 in Ober-Waroldern) als Eigentümer verzeichnet. Er war der Sohn des Schusters Christoffel Karle und der Else Düdinghausen ( 28.01.1621). Karle war von 1655 bis 1706 Pfarrer zu Ober-Waroldern. Im Jahr 1634 soll er als Schüler der Klasse VII des Gymnasiums gewesen und als alumnus praestantis ingenii (Schüler mit ausgezeichneten Geistesgaben) beurteilt worden sein. Die Jahresangabe korrespondiert jedoch nicht mit dem Geburtsdatum, da Karle 1634 erst acht Jahre alt gewesen wäre. [6] Karlen hat wohl nicht in Korbach gewohnt, das Haus war vermietet. In erster Ehe war er verheiratet mit Catharina Tigges ( 16.03.1677 in Ober-Waroldern), Tochter des Johannes Tigges (Kirchstraße 13) und der Gertrud Leusmann. Eine zweite Ehe ging er am 4. April 1678 in Ober-Waroldern mit Magdalene Schotte ein. Der Übergang des Gebäudes von Michael Vöpel auf Franz Karlen ist im Einzelnen nicht geklärt. Wahrscheinlich ist der Grundbesitz über die Familie Leusmann auf Karlen gekommen. Die Tochter Michael Vöpels, Gertrud Vöpel, war verheiratet mit dem Bürgermeister Anton Leusmann. Karles 1. Schwiegermutter, Gertrud Leusmann, war Urkenkelin von Anton Leusmann und Gertrud Vöpel, über deren Sohn Heinrich Leusmann und dessen Sohn - Gertruds Vater - Conrad Leusmann. [7]

4. 1687 Johannes Mirk.

5. 1690 Johann Jacob Niggemann/Neumann.

6. 1718 Johann Christoph Beste.

7. 1733 Melchior Gerold.

8. 1764 Justus Jeremias Gockel.

9. 1764 Henrich Friedrich Samuel Beste.

10. 1773 Johann Wilhelm Asmuth.

11. 1793 Otto Reinhard Wilhelm.

12. 1804 Johann Georg Ludwig Oppenländer.

13. 1831 Bredelaer Hof/Mönchehof.

14. 1833 Fürstlich Waldeckische Domänenkammer.

15. 1871 Georg Friedrich Christian Rappe.

16. 1893 Friedrich Rappe und Carl Rappe.

17. 1896 Friedrich Wilhelm Carl Schlömer.

18. 1906 Louis Schlömer.

19. Die weiteren Eigentümerwechsel sind hier nicht bekannt.

Erscheinungsbild

Einfaches, schmucklose Fachwerkhaus aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Möglicherweise stammen die Fundamente, inbesondere der starke Werksteinsockel an der Süd-/Südost-Seite noch von dem Vorgängerbau, der Zehntscheune. Das Fachwerk war bis 1959 verputzt und wurde erst in jenem Jahr freigelegt.

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 7, Dalwigker Straße - Am Butterturm - Grabenstraße - Entengasse - Tränkestraße, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1960, S. 123-126. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Corbacher Zeitung Nr. 84 vom 21. Juli 1903, zitiert nach THOMAS (wie Anm. 1); vgl. auch Helmut NICOLAI/Wilhelm HELLWIG/Ingeborg MOLDENHAUER (Bearb.), Waldeckische Wappen - Beiträge zur Familiengeschichte, Teil 2 - Bürgerwappen, Arolsen 1987, S. 381-382 (Vopel).
[3] NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 2), S. 241 (Korthaus); Friedrich Josef HEIDENREICH, Die Familie Leusmann und ihr Verwandtenkreis, in: Hessische Familienkunde, Band 17, Heft 7, 1985, Sp. 333-352 [343]; THOMAS (wie Anm. 1), S. 126 (Tränkesstraße 14) nennt nur den Vornamen Adelheid.
[4] NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 2), S. 241 (Korthaus).
[5] NICOLAI/HELLWIG/MOLDENHAUER (wie Anm. 2), S. 382 (Vopel).
[6] Gleiches ist jedoch, ebenfalls für das Jahr 1634, für Andreas Schotte überliefert, der bereits mit 7 Jahren Schüler der Klasse VII des Gymnasiums gewesen sein soll. Vgl. Eduard GRIMMELL, Die Nachkommen des Amtmanns in Korbach Steffan Schotte aus Frankfurt a.M., in: Hessische Familienkunde, Heft 3 1952, Spalte 87. Stefan Schotte war offenbar der Cousin von Franz Karlens zweiter Ehefrau Magdalena Schotte; vgl. GRIMMEL, a.a.O., Sp. 86, 87. Die Klassen wurden zwar früher in umgekehrter Reihenfolge gezählt, so daß die ältesten Schüler in der ersten Klasse und die jüngeren Kinder in den Klassen mit den höheren Nummern waren. Dennoch wären sieben bzw. acht Jahre für den Besuch des Gymnasiums früh.
[7] Ausführlich zur Generationenfolge HEIDENREICH (wie Anm. 3).