Lengefelder Straße 4 (Korbach)

Das Haus Lengefelder Str. 4 im Oktober 2014.
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Das Haus Nr. 4 in der Lengefelder Straße ist ein 1741 von Henrich Christian Bunsen erbautes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1] Der Vorgängerbau war 1739 abgebrannt, dessen Vorgängerbau beim Stadtbrand von 1664 zerstört worden.

Geschichte

1. Wessen Haus hier beim Stadtbrand von 1664 vernichtet wurde, ist nicht bekannt. Erster bekannter Eigentümer des Grundstücks war Henrich Bunsen (* um 1642 in Alleringhausen; begr. 17.10.1688, 46 Jahre), Sohn des Hermann Bunsen, Dorfrichter in Alleringhausen und der Katharina Fröhlich aus Korbach. [2] Hermann Bunsen war der Sohn des Jost Bunsen aus Nieder-Waroldern. Verheiratet war Henrich Bunsen seit 1669 mit Anna Maria Engelhardt, [3] die am 17. Oktober 1691 eine zweite Ehe mit dem gräflichen Kammerdiener Henrich Simmer aus Hamburg (Bürger 1691) einging.

2. Erst im Jahr 1701 wird Johannes Bunsen (~ 29.09.1672; begr. 29.08.1737), Sohn von Nr. 1, als neuer Eigentümer geführt. Johannes Bunsen erwarb 1700 die Korbacher Bürgerrechte, war ind en Jahren 1707 und 1709 Ratsmitglied, 1721 Ratsrentmeister und von 1703 bis 1737 Amtsaktuarius. Am 2. Advent 1699 heiratete er in Goddelsheim Anna Margarethe Karst (~ 27.12.1670; begr. 21.01.1748), Tochter des Schmiedemeisters Johann Dietrich Karst (Bürger 1663) und der Anna Sophie Vierordt.

3. 1739 wurde das Eigentum auf Henrich Christian I. Bunsen (~ 10. 08.1708; begr. 22.10.1750) übertragen, Sohn von Nr. 2. Er heiratete am 2. März 1734 Catharina Elisabeth Unger (~ .. Januar 1707; begr. 26.02.1763), Tochter des Chirurgen Johann Friedrich Unger (vgl. Stechbahn 30) und der Catharine Hasener. Bunsen erwarb 1739 die Bürgerrechte und war 1737 bis 1750 Amtsaktuar in Korbach. Das alte Haus brannte um 1740 ab. Das heutige Haus wurde 1741 fertig gestellt und war bis 1749 steuerfrei.

4. Durch Eheschließung wurde 1765 der Musikus und Kaufmann Conrad Henrich Julius Warnecke (~ 1731; begr. 06.05.1794) neuer Eigentümer, indem er sich am 7. September 1763 mit Anna Dorothea Elisabeth Bunsen (~ 05.02.1738; 24.12.1791) vermählte, Tochter von Nr. 3. Warnecke war der Sohn des Küsters an St. Kilian Gerhard Conrad Warnecke aus Wildemann/Harz und der Anna Engel Margarethe Blume. Er erwarb 1764 die Bürgerrechte.

5. Ebenfalls durch Heirat fiel das Haus im Jahr 1790 an den Stadt- und Amtsmusikus Johann Wilhelm Müller (* 16.05.1767 in Ohbergen bei Corvey; 23.0.1825), in dem dieser am 12. Februar 1790 die Tochter von Nr. 4, Marie Louise Warnecke (* 1766; 03.07.1811) ehelichte. Seine zweite Frau wurde am 19. September 1813 Helene Friederike Bunsen (* 30.04.1780 in Wilhelmstadt [Willemstad?]/Provinz Seeland/Niederlande; 16.01.1849), Tochter des Gerichtsschreibers Henrich Christian Bunsen II (Bunsenstraße 6). Sie war eine Schwester des Gesandten Christian Carl Josias von Bunsen und in zweiter Ehe verheiratet mit Nr. 6.

6. 1836 wurde der Postexpedient Johann Georg Wilhelm Siebert (* 22.12.1812 in Arolsen; 01.08.1887) neuer Eigentümer des Hauses. Er war der Sohn des Stadtmusikus Johann Friedrich Wilhelm Siebert aus Arolsen und der Maria Henriette zur Mühlen. Am 26. Dezember 1834 vermählte er sich mit Helene Friedrike Bunsen (s.o., Nr. 5).

7. 1889 ging das Eigentum auf den Uhrmacher Georg Wilhelm Friedrich Nelle (* 01.07.1855; 19.01.1918) über, Sohn des Uhrmachers Georg Friedrich Wilhelm Nelle und der Johanne Henriette Friederike Siebert, Schwester von Nr. 6. Friedrich Nelle erwarb 1889 die Bürgerrechte und blieb ledig.

8. Im Jahr 1924 erwarb der Schneidermeister Heinrich Kohlberg (* 22.10.1877 in Gembeck; 02.03.1957) das Haus, Sohn des Friedrich Kohlberg in Gembeck und der Henriette Wagner aus Adorf. Am 1. November 1904 heiratete er in Elberfeld Emilie Hungersberg (* 18.07.1882 in Wald/Kreis Solingen; 25.04.1971), Tochter der Emilie Hungersberg aus Wald/Kreis Solingen.

9. Die weiteren Eigentümerwechsel sind hier nicht bekannt. Das Haus blieb bis mindestens 1959 in Besitz von Nr. 8.

Äußeres Erscheinungsbild

Im Güterverzeichnis von 1757, Seite 47, wird das Haus wie folgt beschrieben:

"Bunsen Advocat Witwe. Wohnhaus in der Lengefelder Straße mit Bergrat Schumachers Hause unter einem Dache [Anm.: Lengefelder Str. 2]. Das Haus hat das Braurecht. Hinter dem Hause steht die Scheune."

Im Brandkassenregister von 1784 finden sich folgende Angaben über das Haus:

"Wohnhaus 33 x 36 Fuß, Scheune 28x26 Fuß, Wert zusammen 350 Taler.

Bilder

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 4, Lengefelder Straße - Schulstraße - Im Sack - Am Tylenturm, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 23-25. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS (wie Anm. 1). Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Peter KNORR/Karl THOMAS (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 52, Alleringhausen, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1994, S. 146, Nr. 88. THOMAS (wie Anm. 1) kannte den Namen der Mutter nicht.
[3] KNORR/THOMAS (wie Anm. 2). THOMAS (wie Anm. 1) kannte den Geburtsnamen der Ehefrau nicht.