Lengefelder Tor (Korbach)

Stätte des ehemaligen Lengefelder Tores.
Anklicken für größere Version.

Das Lengefelder Tor war das nordwestliche Stadttor in der Stadtbefestigung von Korbach. Es befindet sich am Ende der Lengefelder Straße.

Geschichte

Im Jahre 1370 gestattete Graf Heinrich VI. von Waldeck den Korbachern, ihre Stadt weiter nach Bedarf zu befestigen. Die Arbeiten scheinen jedoch nicht sofort begonnen worden zu sein, da bei dem Aufstand der Zünfte von diesen geklagt wird, der Rat habe die Mauern der Stadt verfallen lassen, so daß sie "allenthalben offen stünden". [1] Nach der Vereinigung beider Städte (1377) wurden die Ausbesserungs- und Erneuerungsarbeiten jedoch schnell vorangestrieben und beide Städte mit einem zweiten Mauerring umgeben. Infolgedessen mußten auch die Tore zu Doppeltoren ausgebaut werden. Das einst am äußeren Enser Tor angebrachte Relief des Stadtwappens, der sogenannte Kilianstein mit der Inschrift "Sanctus Kilianus / anno domini mccccxiiii in vigilia ascentionis .....", d.h. den 16. Mai, dem Tage vor Himmelfahrt des Jahres 1414, bezeichnet vielleicht das Jahr der Vollendung.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden alle fünf Stadttore als Verkehrshindernisse entfernt, nachdem wiederholt Fuhrwerke in den engen Toren stecken geblieben waren. Das Tränketor wurde 1831 auf Veranlassung des Bürgermeisters Schleicher abgebrochen, die Steine zum Chausseebau verwandt. 1836 folgte das Lengefelder Tor. 1838 wurde das Berndorfer Tor abgebrochen. An Stelle des Außentores wurden 1839 zwei von F. v. Rheins entworfene Torpfeiler aufgestellt. 1843 kam das Dalwigker Tor an die Reihe. Als letztes wurde das Enser Tor abgebrochen.

Bis 1964 befand sich an der nordöstlichen Ecke des Tores, zur Straße "Westwall" hin, Kümmells Gartenhaus, das möglicherweise auf den Grundmauern eines früheren Torturms stand. Es wurde 1964 als Verkehrshindernis entfernt.

Links und rechts, bzw. nördlich und südlich des Lengefelder Tores liegt der als Totenhagen bezeichnete Teil der Stadtbefestigung, der alte Friedhof der Stadt.

Nach Albert LEISS befindet sich "an der Stadtmauer beim inneren Lengefelder Tor" noch der Name des im Jahr 1441 bezeugten Ratsmitglieds Hinr(ek) von Geiske/Geseke. Es ist jedoch nicht ersichtlich, daß diese Inschrift heute noch vorhanden ist. [3]

Pförtner

Johann Schüsseler, genannt in einem Kaufvertrag vom 24. Juni 1591 als Pförtner [4]

Christian Wagner (* um 1628; begr. 20.08.1710), wohnhaft Am Tylenturm 4.

Henricus Helwig (* um 1658; begr. 27.06.1730), wohnhaft Brauberg 6.

Bilder

Anklicken für größere Versionen.

Anmerkungen

[1] Wolfgang MEDDING (Bearb.), Korbach - Die Geschichte einer deutschen Stadt, Stadt Korbach (Hrsg.), 2. Auflage 1980, S. 96.
[2] Albert LEISS, Chronik der Stadt Korbach, II. Teil (1377-1434), in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont, 18. Band (1920), S. 55-84 [62], meint hingegen, der Stein belege das Datum 7. Juli 1414.
[3] Albert LEISS, Chronik der Stadt Corbach, III. Teil (1434-1500), in: Geschichtsblätter für Waldeck und Pyrmont, 22. Band (1925), S. 116-150 [133].
[4] Stadtarchiv Korbach (Hrsg.), Korbacher Urkunden, Regesten, Band 1, Korbach 1997, S. 131, Nr. 385.