Stechbahn 11 (Korbach)

Das Haus Stechbahn 11 im Mai 2017.
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Das Haus Nr. 11 auf der Stechbahn ist ein Fachwerkbau unbekanntes Baujahres in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

1. Im Jahr 1664 brannte hier das Haus des Bäckermeisters Arnold Wilhelm (* um 1612; begr. 24.04.1692) ab. [2] Wilhelm war Bürger seit 1658, Ratsmitglied in den Jahren 1680, 1682, 1686 und 1688 sowie Dechant der Bäckergilde in den Jahren 1664, 1677 und 1686. Ob er auch den Nachfolgebau errichtet hat, ist nicht überliefert.

2. Im Jahr 1690 ist der Bäckermeister Johannes Kappel (* 1649; begr. 12.11.1690) als Eigentümer des Grundstücks verzeichnet. Wann er das Eigentum erworben hat, kann nicht festgestellt werden. Er war der Sohn des Bäckermeisters Justus Kappel (Bürger 1637). Johannes' Bruder Dietrich Kappel hat das Haus Stechbahn 6 erbaut. Johannes Kappel erlangte die Bürgerrechte im Jahr 1690 und heiratete im gleichen Jahr Anna Catharina Röttger aus Marburg. Sie war aus der Pfalz vertrieben. Das Paar hinterließ keine Kinder.

3. Schon 1690, mithin im gleichen Jahr, in dem Kappel als Eigentümer genannt wird, geht der Besitz auf den Bäckermeister Johannes Schönhardt (* um 1656; begr. 25.03.1725) über. Schönhardt war in erster Ehe mit einer Maria Margarethe verheiratet, die jedoch bereits mit 26 Jahren starb und am 16. April 1686 beerdigt wurde. Am 3. Juni 1691 ging er eine zweite Ehe mit Anna Margarethe Schwaner (~ 04.02.1662) ein. Sie war die Tochter des Jost Curt Schwaner. Auch diese Ehe war nur von kurzer Dauer. Anna Margarethe starb ein halbes Jahr nach der Hochzeit und wurde am 25. Januar 1692 begraben. Am 15. November 1692 heiratete Schönhardt sodann Anna Maria Rogge, Tochter des Stadt Musikus Berthold Rogge. Schönhardt hatte seit 1684 die Bürgerrechte inne und war in den Jahren 1696, 1705, 1709 und 1717 Dechant der Bäckergilde.

4. Im Wege der Erbfolge wird 1729 der Leiendecker Ludwig Schönhard (~ 04.03.1698; 28.01.1776), Sohn von Nr. 3, Eigentümr des Hauses. Er heiratete am 16. Oktober 1716 Maria Catharina Leinecke (~ 12.09.1686; begr. 12.10.1740), Tochter des Leinewebers Franz Leinecke (Bürger 16865) und der Barbara Catharina Cotmann, Witwe des Daniel Himmelmann. Eine zweite Ehe ging Schönhard, der 1729 die Bürgerrechte erworben hatte, am 1. September 1741 mit Anna Christiane Saure ein (* 1705 in Rhena; 21.01.1775), Tochter des Philipp Saure aus Rhena. [3]

5. Der Schieferdecker und Accisenvisitierer Johannes Schönhard (* um 1723; 07.12.1806), Sohn von Nr. 4, erwarb im Jahr 1766 das Haus. Am 18. Mai 1763 heiratete er Eleonore Louisa Bick oder Becker (begr. 16.05.1788) aus Flechtdorf.

6. 1796 wird der Schieferdecker und Pedell der Kaufmannsgilde Henrich Conrad Schönhard (~ 09.03.1768; 03.05.1833), Sohn von Nr. 5, neuer Eigentümer. Er heiratete am 16. September 1794 Maria Catharina Langendorf (* 11.01.1754; 25.09.1848). Sie war zu jener Zeit die älteste Einwohnerin Korbachs.

7. Der einzige Sohn aus Nr. 6, der Drechsler Ludwig Christian Schönhard (* 15.02.1795; 03.10.1834 auf einer Reise nach Mengeringhausen), erwarb das Haus 1826. Am 20. November 1825 heiratete er Johanna Catharina Elisabeth Birkenhauer (* 19.03.1788; 13.05.1843), zweite Tochter des Maurermeisters Johann Philipp Birkenhauer und der Johanna Catharina Schelle. Die Ehe blieb kinderlos.

8. Im Jahr 1841 kaufte Carl Friedrich Christian Wilhelm Beste (* 06.06.1811; 18.01.1862) das Haus. Er der Sohn des Landboten Jeremias Christian Beste und der Maria Sophie Elisabeth Birkenhauer. Er war Schuhmachermeister, Landbote und Gastwirt. Am 14. Februar 1836 heiratete er Johanne Caroline Christiane Brühne (* 09.03.1813; 19.12.1877), Tochter des Ackermanns Christian Henrich Brühne und der Wilhelmine Luise Benn. 1858 veräußerte er das Gebäude wieder und kaufte das gegenüberliegende Haus Stechbahn 22. Bis 1858 gehörte ihm auch das Haus Kilianstraße 8.

9. Der Küfer Adam Dörfler (* 18.10.1833 in Wallenstein; 22.03.1883) wurde 1858 neuer Eigentümer. Er war der Sohn des Küfers Jacob Dörfler in Wallenstein, Amt Raboltshausen/Kurhessen und heiratete am 14. November 1858 Marie Henriette Caroline Pistorius (* 19.09.1836 in Heringhausen; 21.05.1903), Tochter des Schmiedemeisters Christian Pistorius in Heringhauses. Dörfler gehörte auch das Nachbarhaus Kilianstraße 8.

10. Schon 1866 folgte der nächste Eigentümerwechsel. Der Schneidermeister Ernst Friedrich Meier (* 03.02.1827 in Bömighausen; 08.07.1882), Sohn des Landwirts Christian Meier aus Helmscheid (?) erwarb das Anwesen. Er heiratete am 4. Februar 1855 Wilhelmine Christiane Sophie Warzemann (* 06.09.1830; 12.03.1913), Tochter des Schumachermeisters Christian Warzemann und der Johanna Maria Dorothea Birkenhauser.

11. 1874 ging das Eigentum auf den Handelsmann Michael Kohlhagen (* 09.05.1831 in Höringhausen; 15.01.1890) über. Er war der Sohn des Kappenmachers Isaak (Thaar) Kohlhagen und der Jettchen Nußbaum. Verheiratet war er mit Bertha Katzenstein (* 18.03.1830 in Höringhausen; 14.05.1911), Tochter des Jakob Katzenstein aus Höringhausen. Michael Kohlhagen erwarb 1884 die Korbacher Bürgerrechte und richtete in dem Haus ein Einzelhandelsgeschäft mit Kolonialwaren ein. Das Ehepaar Kohlhagen/Katzenstein hatte sechs Kinder: [4]

1. Marcus Kohlhagen (* 10.05.1861 in Höringhausen; 09.04.1916) Friedrike Sommer
2. Schafti Kohlhagen (* 19.06.1866 in Höringhausen; 18.01.1935) 08.06.1897 in Borken/Hessen mit Fanny Appel. Schafti Kohlhagen erwarb 1896 das Haus Stechbahn 7; weiteres siehe dort.
3. Calmon Kohlhagen (* 03.06.1869 in Höringhausen; 25.09.1926) 23.04.1895 in Borken/Hessen mit Emma Appel
4. Betty Kohlhagen (* 13.11.1872 in Höringhausen; ?) 11.09.1894 mit Löb Sommer aus Crainsfeld
5. Fanny Kohlhagen (* 13.08.1874; 30.09.1944 im Ghetto Riga) 17.08.1909 mit Carl Kohlhagen aus Höringhausen. Der aus dieser Ehe hervorgegangene Sohn Max Kohlhagen (* 14.12.1914) wurde ebenfalls deportiert und starb am 14. März 1945 im Konzentrationslager Dachau.
6. Jettchen Kohlhagen (* 03.01.1885 in Höringhausen; ?) 05.11.1888 mit dem Viehhändler Jacob Löwenstern aus Assinghausen.

12. Im Jahr 1891 wurde das Haus auf Marcus Kohlhagen (* 10.05.1861 in Höringhausen; 09.04.1916), Sohn von Nr. 11, umgeschrieben. Er erwarb 1898 die Bürgerrechte und heiratete am 11.09.1894 Friederike Sommer (* 30.11.1869 in Crainsfeld/Oberhessen; 03.05.1926), Tochter des Nathan Sommer und der Hannchen Flörsheim aus Crainsfeld. Das Paar hatte zwei Söhne:

[5]

1. Gustav Kohlhagen (* 03.05.1896; 1968 USA) 04.10.1929 in Berlin mit Meta Gintz (* 03.06.1900 in Dölitz/Kreis Pyritz)
2. Arthur Kohlhagen, unten Nr. 13.

13. 1928 wurde der Kaufmann Arthur Kohlhagen (* 27.12.1899; 12.11.1975), Sohn von Nr. 12, neuer Eigentümer. Er heiratete am 17.Dezember 1928 Paula Frankenthal (* 04.04.1901 in Medebach; ?), Tochter des Schafti Frankenthal und der Rebecca Sommer, beide aus Medebach. Die Familie emigrierte 1937 in die USA und lebte in Bergenfield/New Jersey. Die Nachkommen aus dieser Ehe leben ebenfalls in New Jersey. [6]

14. Der Friseurmeister Ludwig Bohne (* 04.04.1889; 1975) erwarb das Haus 1937 von Nr. 13. Er war der Sohn des Heinrich Bohne (1855-1912, Violinenstraße 8) und der Elisabeth Schnautz (1861-1944), Tochter eines Bergmannes aus Frohnhausen bei Dillenburg. Am 27. April 1927 heiratete er Gertrude Rosenthal (* 06.02.1890 in Kassel; ?), Tochter des Lokomotivführers Albert Rosenthal und der Wilhelmine Jüngling, beide aus Kassel. Das paar hatte vier Kinder: Albert, Hermann, Ludwig und Gertrud. Am 1. Mai 1912 gründete er in Korbach das heute noch bestehende Friseurgeschäft. Die erste Frisierstube eröffnete er in dem heute nicht mehr vorhandenen Haus Kirchstraße 14. Danach zog er in das Gebäude Stechbahn 19 und von dort in das Haus Marktplatz 7. [7]

15. Albert Bohne (1911-2003) richtete 1955 in dem Haus einen modernen Herren- und Damensalon ein. Er war verheiratet mit Helene Pawelec. Haus und Geschäft sind noch immer in Familienbesitz.

Bilder

Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 5, Stechebahn - Violinenstraße - Heumarkt - Am Steinhaus, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 74-75.
[2] Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS (wie Anm. 1). Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[3] Im Ortsippenbuch Rhena erscheint jedoch erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts eine aus Usseln stammende Familie Saure, vgl. Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 22, Rhena, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1980, S. 197 (Heinrich Georg Saure).
[4] Alle Angaben nach: Karl WILKE (Bearb.), Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1993, S. 120-121.
[5] WILKE (wie Anm. 4), S. 122, 130.
[6] Einzelheiten zu den in den USA lebenden Nachkommen bei WILKE (wie Anm. 4), S. 130.
[7] Angaben nach THOMAS (wie Anm. 1), S. 74, und der Webseite der Familie Bohne.