Stechbahn 13 (Korbach)

Das Haus Stechbahn 13 im September 2014.
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Das Haus Nr. 13 auf der Stechbahn ist ein im Jahr 1800 von Henrich August Goette (1755-1802) errichtetes Fachwerkhaus in der Altstadt von Korbach. [1]

Geschichte

1. Der Vorgängerbau war nach dem Stadtbrand von 1664 um 1686 von dem Metzgermeister Matthias Fr[i]edewald (* um 1656; begr. 30.06.1717) errichtet worden. Er war der Sohn des Johannes Fredewald (Bürger 1650). Matthias Fredewald erwarb 1686 die Bürgerrechte und heiratete am 30. Oktober 1688 Anna Maria Kleine (* um 1663; begr. 26.02.1736). Friedewald gehörte auch das benachbarte Haus Kilianstraße 8. Wer hier vor dem Stadtbrand von 1664 gewohnt hat, läßt sich nicht feststellen.

2. Der Schwiegersohn von Nr. 1, der Hufschmied Johann Jeremias Happe (Febr. 1688 in Elleringhausen; 12.09.1725), wurde 1716 neuer Eigentümer. Er hatte im gleichen Jahr, am 10. November, Anna Catharina Fr(i)edewald (~ 17.07.1698; 12.09.1725), Tochter von Nr. 1, geheiratet. Hierdurch wurde er ebenfalls Eigentümer des Hauses Kilianstraße 8. Das Ehepaar erstickte in der Nacht zum 12. September 1725 durch selbstentzündete Schmiedekohlen.

3. Im Jahr 1756 ist der Bäckermeister Johann Georg Bunse (~ 8. Mai 1714; 12.09.1781) als neuer Eigentümer verzeichnet. Er war der Sohn des Johannes Bunse (Bürger 1700) und der Anna Margarethe Karst. Am 2. November 1736 heiratete er Christiane Wilhelmina Happe (~ 05.07.1719; 16.02.1773), Tochter von Nr. 2.

4. Ebenfalls durch Eheschließung erlangt im Jahr 1777 der Bäckermeister Johann Georg Goette (~ 25.04.1742; 24.01.1810) das Eigentum an dem Haus, in dem er am 10. November 1775 Christiane Wilhelmine Bunse (~ 03.12.1755; 03.08.1828), Tochter von Nr. 3, heiratete. Goette war 1778 Dechant der Bäckergilde und 1778 Schützenkönig. Nach dem Kirchenbuch der Altstadt starb er an "Schlagfuß", als er im Brauhaus Bier braute. Er war der Sohn des Bäckermeisters und Rentmeisters Johannes Goette und der Christiane Asmuth, zudem Bruder des späteren Eigentümers, Henrich August Goette (Nr. 6).

5. 1799 kaufte Dr. med. Wilhelm Wigand das Haus (nähere Angaben siehe Stechbahn 9, Nr. 4) und veräußerte es ein Jahr später an Nr. 6.

6. Der Bäckermeister Henrich August Goette (~ 10.08.1755; 13.01.1802) kaufte das Gebäude im Jahr 1800, ließ es abreißen und den heutigen Bau an seine Stelle setzen. Er war der Sohn des Bäckermeisters und Rentmeisters Johannes Goette und der Christiane Asmuth sowie Bruder von Nr. 4. Er erwarb 1787 die Bürgerrechte und war in den Jahren 1788 und 1790 Dechant der Bäckergilde. Am 13. Juni 1788 heiratete er Charlotte Marie Curtze (~ 18.11.1769; 18.06.1833), Tochter des Milizrezeptors Franz Adolph Curtze und der Johannette Friederike Schreiber aus Adorf, verwitwete Brüne.

7. Erst 1838 wurde der Sohn von Nr. 6, Carl Friedrich Daniel Goette (* 08.06.1793; 07.12.1857 im Hospital), als neuer Eigentümer eingetragen. Er heiratete am 2. Dezember 1838 Wilhelmine Christiane Lucretia Goette (* 12.02.1790; 10.05.1854). Nach THOMAS (wie Anm. 1) sei sie die zweite Tochter von Nr. 6 gewesen. Das ist jedoch nicht möglich, da Carl Goette nicht seine Schwester heiraten konnte. Allenfalls war sie seine Cousine, Tochter von Nr. 9. Hierfür spricht auch ihr Vorname, denn ihre Mutter hieß Christiane Wilhelmine.

8. Hinsichtlich des weiteren Eigentumsübergangs findet sich erneut eine unrichtige Angabe bei THOMAS (wie Anm. 1). Hiernach habe "1832", also zeitlich noch vor Nr. 7, aber in der Reihenfolge der Eigentümer nach diesem, der Bäckermeister Heinrich Friedrich Ludwig (Louis) Goette (* 06.11.1823; ?, nach Amerika ausgewandert) das Anwesen erworben. Er sei der zweite Sohn des Georg Christoph Goette und dessen dritter Ehefrau, Wilhelmine Christiane Lucretia Goette gewesen, welche in ihrer zweiten Ehe mit Nr. 7 verheiratet war. Bei dem angegebenen Erwerbsjahr dürfte es sich um einen Tippfehler handeln, gemeint wahrscheinlich 1842 oder 1851.Ludwig Goette geriet in finanzielle Schwierigkeiten, so daß er das Haus 1854 zur Versteigerung anbot. In der Beilage zum Fürstlich Waldeckischen Regierungsblatt vom 12. Juni 1854 heißt es:

"Das am altstädter Kirchhofe, auf der Stechebahn gelegene Wohnhaus nebst Mistestätte soll öffentlich meistbietend aber freiwillig versteigert werden. Dasselbe ist 50 Jahre alt und befinden sich darunter zwei sehr große gewölbte Keller. Des nahen und guten Wassers hablen, sowie wegen der Lage und des Raumes eignet es sich für Färber, Bierbrauer, Bäcker - da ein ganz neuer und sehr guter Backofen darin steht -, sowie auch für Handlung und Oeconomie, überhaupt für jedes Geschäft, welches eine frequente Lage erheischt, sehr wohl. Versteigerung bei Gastwirt Saake. Louis Goette, Bäcker."

Das Haus fand aber keinen Käufer. Im Jahr 1855 betrieb zunächst die Sparkasse Korbach im Januar und sodann im April Joseph Löwenstern aus Höringhausen die Zwangsversteigerung. Das Anwesen wurde ersteigert von Nr. 9.

9. 1855 erwarb der Handelsmann Moses Löwenstern (* 22.08.1809; 13.10.1894) das Haus. Er war der Sohn des Israel Löwenstein und der Eli Reitz aus Basdorf. 1845 heiratete er Johanna Feldheim (* 18.10.1815 in Berndorf; 28.08.1902), Tochter des Jakob Moses Feldheim aus Berndorf und der Helene (Lea) Katz. [2] Das Paar hatte drei Kinder:

a) Jacob Löwenstern (* 19.09.1851; 15.05.1921) mit Sophia Rosenthal
b) Friederika (Rickchen) Löwenstern (* 06.03.1854; 03.09.1917) mit Menko Löwenstern (Professor-Kümmell-Straße 4)
c) Elias (Emil) Löwenstern (* 02.12.1856; 14.09.1886 in Willebadessen) mit ... in Kassel.

Moses Löwenstern gehörte seit 1876 auch das Haus Im Sack 8. [3]

10. Im Jahr 1888 erwarb der Schneidermeister Christian Fritz (* 11.08.1856 in Geiß-Nidda; 07.07.1923) das Haus. Er war der Sohn des Landwirts Johann Fritz und der Catharina Lind aus Geiß-Nidda. Er heiratete am 26. Oktober 1892 Caroline Böhle (* 18.10.1854; 03.11.1910), Tochter des Maurers Heinrich Bernhard Böhle und der Johanette Schulz.

11. Der Kaufmann Paul Beier (* 30.05.1873 in Neu Warthe/Bezirk Breslau; ?) wurde 1924 neuer Eigentümer. Er war verheiratet mit Dina Feldmann (* 09.10.1884 in Calvörde; ?). Aus der Ehe stammte eine Tochter: Hildegard Beier (* 24.06.1909 in Wustrau; ?). Sie heiratete am 30. November 1929 den Kaufmann Arthur Schuchmann, dessen Eltern aus Landau (Waldeck) stammten. Die Familien Beier und Schuchmann sind aus Korbach fortgezogen.

12. 1931 erwarb Lina Brand (* 13.08.1887 in Eimelrod; ?) , geborene Behle das Gebäude. Sie war die Tochter der Luise Behle in Eimelrod und seit dem 27. November 1909 verheiratet mit Christian Brand (* 14.01.1884 in Niederense; gefallen am 28.10.1917), jüngstes von sechs Kindern des Landwirts Friedrich Brand und der Maria Schulze in Niederense. [3]

13. Die weiteren Eigentümerwechsel bis heute sind hier nicht bekannt. In den 1980er Jahren befand sich im Erdgeschoß eine Fahrschule (Drescher). Heute findet sich ein Antiquitätenhandel in dem Haus.

Äußeres Erscheinungsbild

Im Güterverzeichnis von 1757, S. 424, heißt es über den Vorgängerbau: "Bunsen, Johann Georg; Wohnhaus auf dem altenstädter Kirchhofe am Kump neben Franz Bertholde Witwe [Kilianstraße 8]. Das Haus hat das Braurecht."

Die Daten des Vorgängerbaus werden im Brandkassenregister von 1784, Nr. 138, wie folgt angegeben: "Wohnhaus 46 x 26 Fuß groß (ca. 14 x 8 Meter), Wert: 100 Taler."

Der heutige Bau ist ein zweigeschossiges Fachwerkhaus auf Werksteinsockel mit Gewölbekeller. Das Fachwerk wurde erst in jüngerer Zeit freigelegt (1990er). Zuvor war die Fassade mit hellen Schindeln belegt.

Bilder

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Anmerkungen

[1] Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 5, Stechebahn - Violinenstraße - Heumarkt - Am Steinhaus, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 76-78. Alle folgenden Daten, soweit nicht anders vermerkt, nach THOMAS. Falls nicht anders angegeben, sind alle genannten Personen in Korbach geboren und gestorben.
[2] Karl WILKE (Bearb.), Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Korbach, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1993, S. 155 (Nr. 64), S. 102-103 (Nr. 10). WILKE gibt das Todesjahr der Johanna Feldheim mit 1902, THOMAS mit 1922 an. Das Datum bei THOMAS ist offenbar fehlerhaft. Bei den Angaben zum Haus Im Sack 8 (wie Anm 3) ist ebenfalls das Jahr 1902 angegeben.
[3] Bei WILKE (wie Anm. 2) ist irrtümlich angegeben, er habe das Haus Im Sack 6 erworben und zwar erst im Jahr 1888. Nach Hermann THOMAS (Bearb.), Die Häuser in Alt-Korbach und ihre Besitzer, Heft 4, Lengefelder Straße - Schulstraße - Im Sack - Am Tylenturm, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1959, S. 62-63, hat er das Haus Im Sack 8 schon 1876 gekauft.
[4] Hilmar G. STOECKER (Bearb.), Waldeckische Ortssippenbücher, Band 16, Niederense, Stadtarchiv Korbach (Hrsg.) 1978, S. 108, Nr. 92.